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Covid-Zertifikat: Was bringt ein Antikörpertest?
Aus Espresso vom 12.05.2021.
abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
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Coronavirus Das bringt ein Antikörper-Test

Reicht es, nach einer Corona-Infektion einen Antikörper-Test zu machen? Wie funktioniert er und wie zuverlässig ist er?

Wieder ohne Einschränkungen im Ausland in die Ferien, an einem Konzert seiner Lieblingsband zujubeln oder Tanzen in der Disco: Mit einem Covid-Zertifikat soll all das und mehr schon bald wieder möglich sein. Aber wie ist das bei all jenen, welche die Krankheit durchgemacht haben? Kann man in einem solchen Fall einen Antikörper-Test machen? Wie funktioniert er und wie zuverlässig ist er? Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» hat bei SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis nachgefragt.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF: Hat man mit einem Antikörper-Test automatisch mehr Bewegungsfreiheit, etwa beim Reisen oder bei Konzerten?

Daniel Theis: Im Moment ist das noch nicht so. Denn der Bund anerkennt den Test nicht. Seine Begründung: Die Antikörper-Tests seien zu ungenau. Zudem sei unsicher, was es letztendlich bedeutet, wenn Antikörper im Blut angezeigt würden. Vom wissenschaftlichen Standpunkt her ist das nachvollziehbar. Denn der Test zeigt zwar positive Antikörper an – wie lange die Infektion allerdings zurückliegt, kann er aber nicht bestimmen. Grund dafür ist unser Immunsystem. Im Fall einer Infektion produziert es eine Vielzahl verschiedener Antikörper. Wie gut diese aber bei der Abwehr tatsächlich funktionieren, ist derzeit noch unklar. Die Forschungen dazu laufen zwar. Aber vor dem Hintergrund, dass man in Zukunft wohl verstärkt auf Impfungen setzen wird, glaube ich nicht, dass da noch etwas nachkommt.

Wie funktioniert so ein Antikörper-Test eigentlich?

Dafür muss man sich etwas Blut abnehmen lassen – beim Arzt oder in einer Apotheke. Dieses wird dann in einem Labor dahingehend analysiert, ob Antikörper gegen das Coronavirus vorhanden sind. Das ist im Übrigen auch der grosse Unterschied zu anderen Tests. Man sucht nicht nach Virusbestandteilen, sondern nach der Immunantwort des Körpers darauf. Zu beachten wäre generell noch, dass es die Antikörper-Tests auch für zuhause gibt. In der Schweiz dürfen diese aber nicht verkauft werden – auch nicht übers Internet.

Sechs Monate nach einer Infektion wird die Zahl der messbaren Antikörper geringer.

Wie lange zeigt der Test eine zurückliegende Infektion an?

Das ist noch unklar. Was man allerdings weiss: Sechs Monate nach einer Infektion wird die Zahl der messbaren Antikörper geringer. Das ist auch der Grund, warum man Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung empfiehlt, sich nach einem halben Jahr einmal impfen zu lassen.

In den meisten Fällen zahlt der Bund den PCR- oder Schnelltest. Wie sieht das beim Antikörper-Test aus?

Dort verhält es sich anders. Weil der Antikörper-Test nicht Teil der nationalen Teststrategie ist, muss man diesen selber zahlen. Das kostet laut Pharmasuisse – dem Brancheverband der Apotheken – im Schnitt 70 bis 100 Franken.

Heisst das im Umkehrschluss, dass so ein Antikörper-Test nicht viel mehr bringt, als die eigene Neugier zu befriedigen?

Ja, das ist in der Tat so. Man kann seine Neugier befriedigen und in seltenen Fällen sich eventuell auch die Quarantäne sparen – aber nur nach Absprache mit dem Kantonsarzt. Abgesehen vom privaten Bereich machen diese Tests aber durchaus Sinn. So gibt es seit einem Jahr diverse Forschungsprojekte, um Freiwillige auf Antikörper zu testen. Ziel der Untersuchungen ist es herauszufinden, wie viele Menschen in der Schweiz bereits mit Corona infiziert wurden. Dank Antikörper-Tests hat man herausgefunden, dass diese Zahl aktuell zwischen 25 und 30 Prozent liegt.

Das Gespräch führte Oliver Fueter.

Espresso, 12.05.21, 08:13 Uhr;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Pirmin Schläpfer  (Gwunderer)
    Um den Immunschutz richtig einzuschätzen, wäre angeblich eine Erfassung der T-Zell-Immunität wichtiger als die der Antikörper, weil sich die T-Zellen leicht möglicher Weise noch Jahre an das Virus erinnern, während die Antikörper verhältnismässig rasch abnehmen. Daran wird garantiert geforscht, eine entsprechende Information der Öffentlichkeit wäre dann wünschenswert. Auch, falls es dem Geschäft der Impfstoff-Hersteller abträglich sein sollte.
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Das wird keinen Einfluss auf das Geschäft der Impfstoffhersteller haben, das es nachwievor eine dumme Idee ist, an Covid zu erkranken anstatt gesund zu bleiben.
  • Kommentar von Riet Gersau  (höchi drü)
    Ich habe nun zweimal einen Antikörper test machen lassen.. knapp 50 Franken beim Labor direkt,.. Analytika in Zürich. Einmal Ende Sommer 2020 und jetzt letzthins vor meiner 1.Impfdosis.
    Wollte einfach wissen ob ich je im Kontakt war mit Covid.. und die Antwort ist Nein..
    Dieser Nutzen wird im Artikel nicht herausgestellt. Die Tests sind bei einem Negativen Resulat zu ca. 99% zuverlässig. Habe 1.Impfodis und segle dann bald ohne Covid raus, im Wissen das ichs nie hatte.
    1. Antwort von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
      Ich hatte Covid mit Symptomen und positivem PCR. Die Antikörpertests (rund 4 und 10 Wochen nach Infektion) waren negativ. Null IgM, null IgG, null IgA.
      Dasselbe Resultat bei einem Schnelltest im Rahmen einer Studie... habe ich nun wirklich keine Antikörper oder kann der Test sie einfach nicht erkennen? Habe ich eine zelluläre Immunität? Bin ich ein Einzelfall oder nicht? Keiner weiss es. Tatsache ist: ich habe meine 2 Dosen bekommen und sehr gut vertragen.
  • Kommentar von Martin H. Meier  (Mahame)
    @SRF:
    Was hat jemand zu erwarten, der mit positivem Antikörpertest (kein PCR Test gemacht) zum ersten Impftermin geht? Wird nur eine Impfdosis verabreicht? Vielen Dank zum voraus!
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Martin H. Meier Guten Tag, mehr dazu hier: https://www.srf.ch/news/schweiz/anpassung-der-impfstrategie-covid-19-genesene-werden-nur-noch-ein-mal-geimpft Liebe Grüsse, SRF News