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Neue Therapie gegen Krebs Für eine halbe Million Franken pro Patient

Legende: Video Neues Medikament gegen Leukämie von Novartis abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine neuartige Gentherapie gegen Krebs von Novartis ist der Zulassung in den USA einen wichtigen Schritt näher gekommen.
  • Die sogenannte CAR-T-Therapie hilft in schweren Fällen von Leukämie.
  • Die Immuntherapie ist teuer: Sie kostet bis zu 500'000 Dollar pro Patient.
  • Wann sie in der Schweiz zugelassen wird und ob sie von der Krankenkasse bezahlt wird, ist noch offen.

Ein Expertenausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, den Wirkstoff CTL019 von Novartis zur Behandlung von akuter lymphatischer Leukämie bei Kindern und Jugendlichen zuzulassen. Die FDA dürfte der Empfehlung folgen.

Immunzellen greifen gezielt Tumorzellen an

Bei CTL019 handelt es sich um eine sogenannte CAR-T-Therapie. Dabei entnehmen Ärzte dem Patienten T-Zellen des Immunsystems und modifizieren sie gentechnisch. Experten sprechen deshalb auch von einer Gentherapie.

Die veränderten T-Zellen werden dem Patienten anschliessend wieder iniziert. Im Körper vermehren sie sich in ihrer neuen, veränderten Form weiter und greifen nun gezielt die Krebszellen an.

Blutproben in Glasröhrchen.
Legende: Körpereigene T-Zellen werden gentechnisch so verändert, dass sie die Krebszellen angreifen und vernichten. Keystone

Sollte die FDA das Präparat zulassen, könnte Novartis als erster Pharmakonzern der Welt in diesem Teilbereich der Krebs-Immuntherapie eine Arznei auf den Markt bringen. Der Basler Konzern wäre damit schneller als die beiden US-Biotechnologiefirmen Kite und Juno, die bei diesem Therapieansatz eigentlich als führend gelten.

Sehr teure Behandlungsmethode

Die CAR-T-Therapien kosten pro Patient bis zu 500'000 Dollar und gelten bislang als letzte Option für Patienten, bei denen andere Behandlungen wirkungslos blieben. Doch immer mehr Ärzte halten den Ansatz für vielversprechend. Weltweit laufen mehr als 180 klinische Studien mit CAR-T-Therapien.

Das sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Kathrin Zöfel

Laut Novartis konnten in den klinischen Tests 83 Prozent der Patienten geheilt werden. Das ist sehr aussergewöhnlich, zumal es sich um Patienten handelt, bei denen andere Medikamente nicht geholfen haben. Ausserdem scheint die Rückfallgefahr klein zu sein, auch das ein grosser Unterschied zu anderen Krebs- und Chemotherapien. Zwar kann die CAR-T-Therapie auch schwere Nebenwirkungen hervorrufen, doch die Ärzte bekommen diese meist in den Griff, wenn sie den Patienten gut beobachten und rasch reagieren. Die US-Behörden haben die Zulassung der neuen Therapie auffallend rasch vorangetrieben, das zeigt wie gross unter Experten die Hoffnung auf einen grossen Fortschritt bei der Krebsbekämpfung ist. Wann die sehr teure Therapie auch in der Schweiz verfügbar sein wird, ist noch nicht abzuschätzen. Ebenso offen ist die Frage, ob die Krankenkassen die Kosten von bis zu einer halben Million Franken pro Patient übernehmen werden.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Esther Siefert (E.S. (parteilos))
    "...der US-Arzneimittelbehörde FDA hat sich einstimmig dafür ausgesprochen..." Toll - fragt sich bloss, wer sich diese Medis in den USA leisten kann und v.a. wer es bekommen "darf"... Die X-Mio. Obamacare-Versicherten auch ? Falls dann auch noch Trump-Care ins Spiel kommen sollte - die ARMEN Betroffenen tun mir jetzt schon leid... Was bei uns damit "passiert", steht auf einem anderen Blatt...
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  • Kommentar von Heinz Biedermann (Heinz)
    Eine teure Terapie zweifelsfrei. Doch ist die wirklich besser. Methadon tönt vielversprechend und erst noch günstig. Die Pharmaindustrie sträubt sich dagegen Untersuchungen öffen zu machen. Aber es gibt noch den Nationalfonds. Dieser finanziert immer wieder irgendwelche Studien. Liebe Politiker nehmts in die Hand, bewirkt den Nationalfond für sinnvolle Untersuchungen. So könnt ihr viel Geld im Gesundheitswesen sparen.
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  • Kommentar von Marc Berchtold (Marc Berchtold)
    Ja das Methadon Programm interessiert die Pharma Lobby nicht, denn es springt zu wenig raus...
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