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Hai-Forscher Erich Ritter «Haie sind nicht gefährlich»

Er ist der weltweit führende Hai-Verhaltensforscher, ein Pionier auf seinem Gebiet. Seit über 35 Jahren forscht und sammelt Erich Ritter Daten über Hai-Arten weltweit – und kämpft für mehr Verständnis für den Hai. «10vor10» hat den renommierten Hai-Forscher auf den Bahamas besucht.

Legende: Video Erich Ritter: Pionier der Haiforschung abspielen. Laufzeit 06:38 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.08.2017.

«Die grösste Herausforderung an meinem Job ist, den Menschen die Körpersprache der Haie näher zu bringen», sagt Erich Ritter. Der 58-Jährige war einer der ersten, der die Körpersprache der Haie intensiv und hautnah untersuchte.

Haie sind nicht gefährlich. Es gibt nur Situationen, die gefährlich werden können.
Autor: Erich RitterHai-Verhaltensforscher

Aus seinen Forschungsergebnissen entwickelte er ein Hai-Mensch-Interaktionskonzept. Dieses zeigt auf, wie Taucher und Wassersportler einen Hai interpretieren sollen, um dem Tier gefahrlos zu begegnen. Diese Verhaltensregeln lehrt Ritter in Kursen auf den Bahamas. Dabei steigt er mit Kursteilnehmern ins Meer, dicht an dicht mit Haien – ohne Käfig. «Haie sind nicht gefährlich. Es gibt nur Situationen, die gefährlich werden können. Wir wissen genau, was wir machen dürfen und was nicht», sagt Ritter.

Erich Ritter mit Kappe und Sonnenbrille in Nahaufnahme
Legende: Erich Ritter ist ein weltweit anerkannter Hai-Verhaltensforscher. Ursprünglich stammt er aus Zollikon (ZH): SRF/Pirmin Roos

Das richtige Verhalten

«In der Regel sollte man als Taucher einen Hai auf sich zukommen lassen, nie vom Hai wegschwimmen. Wenn der Mensch vom Hai wegschwimmt, fördert dies die Neugier der Tiere. Wenn also ein Hai auftaucht, sollte man eine vertikale Position im Wasser einnehmen, dem Hai folgen, sich um die eigene Achse drehen, aber nicht wegschwimmen.» Eine senkrechte Position im Wasser setze wahrscheinlich den Angriffsreflex ausser Kraft. Sein Interaktionskonzept ist weltweit gefragt. So hat er etwa die deutsche Marine oder die US-Navy im Umgang mit Haien beraten.

Haie werden nicht von Blut angelockt

An der Universität in Florida betreibt Erich Ritter Unfallforschung, untersucht und rekonstruiert Hai-Unfälle. Dabei räumt er mit alten Mythen auf, etwa dass Haie von Blut angelockt würden. Auch die Theorie, dass Haie Surfer mit Robben verwechseln, widerlegt er: «Der Hai weiss, dass der Surfer keine Robbe ist. Er weiss aber nicht, was der Mensch genau ist und will dies in den meisten Fällen auskundschaften. Er beisst nur leicht zu, um zu sehen, was der Mensch sein könnte, aber es ist keine Verwechslung.»

Die Raubfische beissen bei Menschen nicht mit voller Wucht zu.
Autor: Erich RitterHai-Verhaltensforscher

Bewiesen hat dies Ritter, indem er beobachtet hat, wie Haie Robben angehen. Diese werden von Haien mit voller Kraft gebissen. Vergleichbare Wunden sieht Ritter bei Surfern nicht. «Die Raubfische beissen bei Menschen nicht mit voller Wucht zu», sagt Ritter. Gefährliche Verletzungen würden meist dadurch verursacht, dass das Opfer sich reflexartig versucht loszureissen – oder den Hai provoziert, indem es versucht, den Hai zu schlagen.

Über 8000 Tauchgänge, aber nur ein schwerer Unfall

Erich Ritter ist in Zollikon am Zürichsee aufgewachsen, hat an der Universität Zürich auf dem Gebiet der Verhaltensökologie bei Fischen promoviert. 1992 hat er auf den Bahamas die «Shark School» gegründet. Täglich verbringt er bis zu zwei Stunden mit den Haien im Wasser. Bei über 8000 Tauchgängen ging nie etwas schief – bis auf das eine Mal vor 15 Jahren.

Ein Bullenhai biss während Dreharbeiten in Ritters Wade. Er verblutete beinahe, verlor seinen linken Wadenmuskel. Dies hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, weiter mit den Haien zu schwimmen. Für Ritter steht fest: Die Hauptschuld bei diesem Unfall trägt ein Mitarbeiter. Dieser hätte ihn warnen sollen, dass sich von hinten ein Hai nähert. Denn so hätte sich Ritter aktiv dem Tier zuwenden können und hätte den Hai an sich vorbei geleitet. «Der Unfall ist ein Teil von mir. Viele Leute haben noch immer das Gefühl, dass der Unfall passiert sei, weil Haie eben doch gefährlich sind. Aber dieser Unfall zeigt, dass ich weiss, wovon ich rede.»

Ich will das Image der Haie verbessern.
Autor: Erich RitterHai-Verhaltensforscher

Mit seiner Arbeit will Ritter gegen das Killer-Image der Haie ankämpfen. Pro Jahr passieren weltweit 60 bis 80 Hai-Unfälle, davon führen rund fünf zum Tod. Im Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden, ist 30 Mal grösser. Seine Forschung will Ritter weiter vorantreiben. Sie sei wichtiger denn je. Denn viele Hai-Arten sind heute vom Aussterben bedroht. «Botschafter der Haie? Das ist ein grosser Titel, aber ich nehme ihn gerne an. Ich will das Image der Haie verbessern.»

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Haie sind nicht gefährlich....ausser fuer DIE die von ihnen gefressen werden... oder???
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Es ist das Garten-Eden-Wunschdenken, welches Menschen dazu bringt, die wilde Tierwelt als zahm hinzustellen. Aber wir leben nun mal in einer gefallenen Welt, die Tiere sind giftig, bissig, wild, tödlich. Ein Hai ist in etwa so gefährlich wie Strom: Kommt man ihm nicht zu nahe, ist es okay, aber wehe.....
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    1. Antwort von Felice Limacher (Felimas)
      Wenn ich Ihre Zeilen lese, Herr Frill, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Sie zeigen damit, wie naturfremd die meisten Mensch geworden sind und was sie von ihrer Lebensgrundlage halten. Würden alle so denken wie Sie, wäre die Menschheit innerhalb weniger Generationen von der Erde verschwunden. Doch zum Glück gibt es noch solche Menschen, die mit den Gepflogenheiten der Natur umzugehen wissen und diese achten und respektieren. Und: Haben Sie schon mal mit Haien getaucht um bewerten zu können?
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    2. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Naja, Achim Frill. Als Elektriker kann ich im täglichen Umgang mit Strom, den Stecker ziehen oder anderweitig den Stromkreis spannungslos schalten. Insofern nicht ganz so unberechenbar wie Wildtiere. Ausnahmen: z.B. Blitze und andere vagabundierende Ströme in und um fehlerhafte technische Anlagen. Auch ohne Bezugnahme zum biblischen Fall, tendieren gewisse Zeitgenossen (mangels natürlicher Instinkte) in Disneymania durchaus dazu, aus jedwelcher Kreatur Streichelhäschen zu machen :-(
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    3. Antwort von Achim Frill (Afri)
      Frau Limacher, habe ich irgendwo erwähnt, dass ich die Natur nicht respektiere? Habe ich irgendwo erwähnt, das ich wenig von unserer Lebensgrundlage halte? Bitte lesen Sie richtig, bevor Sie hier so lostreten. Ich respektiere Tiere, liebe und schütze die Natur, die ganze Schöpfung. Trotzdem bleiben Tiere wild, giftig, bissig.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Gegen 73 Millionen Haie werden jährlich allein wegen ihren Flossen abgeschlachtet. Der Tod nach dem Finning ist grausam. So müssen Haie immer in Bewegung bleiben, um ihre Kiemen mit Wasser zu umspülen. Können sie dies nicht, ersticken sie qualvoll und sehr langsam (teilweise über mehrere Tage). So grausam kann nur der Mensch sein - wie immer. Rund um die Welt wächst das Bewusstseinaber angesichts des Tempos, mit der viele Haifisch-Arten verschwinden, läuft die Zeit davon.
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