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Panorama König Richard III. wird nach 530 Jahren neu beigesetzt

In Leicester wird diese Woche mit viel Spektakel ein König neu beigesetzt. Die Leiche von Richard III. war fünf Jahrhunderte lang verschwunden. 2012 wurde sein Skelett von einem Team aus Historikern unter einem Parkplatz gefunden. John Ashdown-Hill war massgeblich an der Suche beteiligt.

Der Sarg von König Richard III
Legende: Der Sarg von König Richard III. Keystone
Krone
Legende: Die Krone, mit der König Richard III. neu beigesetzt wird. Keystone

Es ist ein Tag im Spätsommer 2012 und John Ashdown-Hill steht auf einem Autoparkplatz mitten in Leicester. Zu seinen Füssen, in einem freigelegten Grab, liegt ein Skelett. Noch bevor ein DNA-Test Gewissheit bringt, ist sich Ashdown-Hill sicher, dass er und seine Mitstreiter den gesuchten König gefunden haben.

Denn das Rückgrat ist durch eine Krankheit deformiert, der Leichnam hat massive Verletzungen am Schädel. Es ist der letzte englische König, der in einer Schlacht ums Leben kam. Er starb bei Bosworth 1485. Es war die entscheidende Schlacht der sogenannten Rosenkriege.

Richard III. im Zentrum seiner Forschung

Seit vielen Jahren schreibt Ashdown-Hill Bücher über Richard III. Nun steht er ihm gegenüber, quasi von Angesicht zu Angesicht. Es war für den Historiker ein emotionaler Moment. Der Richard-Experte Ashdown-Hill versucht schon lange, das historische Image von König Richard zu beeinflussen. Nun holt er ihn ans Tageslicht.

König Richard braucht eine Krone, denkt sich Ashdown-Hill, als er die Knochen in einer Kiste wegträgt. Er entscheidet sich, eine anfertigen zu lassen. Es ist diejenige, die nun bei der Beisetzung in Leicester verwendet wird.

Dass Richard III gefunden wurde, ist eine Sensation. Seit 2004 behauptete Ashdown-Hill, Richard könnte unter dem Parkplatz liegen. Dort stand einst die Kirche, in der Richard von seinen Feinden hastig begraben worden war. Von der Fachwelt hat der Forscher für diese Theorie viel Skepsis geerntet, denn in Leicester glaubte man, Richards Leiche sei in einen Fluss geworfen worden.

Schlechtes Image in der Geschichte

König Richard hat ein miserables Image. Er gilt als Thronräuber. Er sei ein König, der womöglich zwei Prinzen, seine Neffen, ermorden liess. Shakespeare hat ihn, vielleicht zu Unrecht, zu einer bösen Gestalt der Geschichte gemacht. Ashdown-Hill hatte all die Jahre gehofft, die Wiederentdeckung und würdevolle Bestattung von Richard werde zu einer Neubewertung Königs führen.

Doch nun ist er skeptisch, ob dies gelingt. Denn Richard sei von der Propaganda seiner Feinde zu Unrecht zum Bösewicht gemacht worden. Es sei schwierig, dagegen anzukämpfen. Richard bleibe wohl auch nach der feierlichen Beisetzung in Leicester der Thronräuber und Prinzenmörder, sagt der Historiker.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Schafter, Bern
    Ich blicke mit erstaunen nach grossbritannien! Diese bewunderung für royals: kaum nachvollziehbar für waschechte demokraten.
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    1. Antwort von James Klausner, Interlaken
      Dass ein Land sorgfältig und pfleglich mit seiner Geschichte und seinen Symbolen umgeht ist nun wirklich nicht gleich ein Beweis für den Mangel an Demokratie oder die Vorliebe für Seichtigkeiten, im Gegenteil. Auch Demokratie ist kein absoluter Zustand von Perfektion und "Waschechtigkeit", sondern bedarf der permanenten Pflege und Anpassung an die Zeit. Ein Staatsoberhaupt, das in Ausübung seiner Amtsgeschäfte stirbt, verdient eine ehrenvolle Bestattung, zum Ansehen von Staat und Bürgern.
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    In Bürglen (UR) gehen Gerüchte herum, man habe beim Aushub für einen Hausbau ein Skelett gefunden. Es dürfte sich dabei um die sterblichen Überreste von Wilhelm Tell handeln.
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