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Kontroverse bei Fussball-WM Umstrittene DNA-Tests gegen Quotentief

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der TV-Sender Fox will mit Gentests US-Fans für ausländische Fussballteams begeistern.
  • Die Kampagne sei «rassistisch, lächerlich und unwissenschaftlich», sagen Kritiker.
  • Der Sender befürchtet tiefe Einschaltquoten, weil die USA nicht an der WM vertreten sind.
US-Fussballfans 2014 an der Weltmeisterschaft
Legende: Wie viel eigene DNA steckt in einer Fussballnationalmannschaft? An der WM 2014 waren die USA dabei und Gentests für Fans kein Thema. Keystone

«Root for your roots», juble für deine Wurzeln. Mit diesem Slogan wirbt der Sender Fox um amerikanische Fussball-Fans. Sie sollen bei der WM mitfiebern, obwohl die USA diesmal gar nicht dabei sind. Immerhin hat Fox fast eine halbe Milliarde Dollar für Übertragungsrechte ausgegeben, noch bevor klar war, dass es die USA nicht an die WM schaffen.

Für die Kampagne hat sich der Sender mit einer spezialisierten Firma zusammengetan. In einem nationalen Werbespot erklärt Fox: «Du warst vielleicht noch nie in dem Land. Du kennst ihre Helden nicht, aber wir sind alle mit einer Welt-Fussballnation verbunden - durch unsere DNA.»

Fernsehstudio des US-Sender FOX News
Legende: Der konservative US-Sender kämpft mit einem umstrittenen DNA-Test gegen tiefe Einschaltquoten. Keystone

US-Fans werden aufgerufen, jenes Team anzufeuern, mit dem sie genetisch verwandt sind. Dazu müssen sie einen Gentest einschicken, der besagt, welche Nation einem am nächsten steht. Kostenpunkt: 100 Dollar.

«Unethisch, rassistisch»

Arthur Caplan, Medizinethiker an der New York University, hält die Aktion für «rassistisch und lächerlich». Länder hätten sich nicht anhand genetischer Unterschiede gebildet. «Sie sind durch Kultur, Geschichte, Sprache und soziale Faktoren entstanden. Das hat wenig mit Biologie zu tun.»

Caplan kritisiert, die Firma habe die Fussballer selbst gar nie getestet. Man müsse bedenken, dass viele Mannschaften multiethnisch gemischt seien mit Spielern, die ursprünglich nicht aus dem Land kämen, für das sie antreten. So gesehen gebe es innerhalb der Teams sogar starke genetische Unterschiede.

«Es gibt genug aggressive Fans und Rassismus im Fussball, man muss das nicht noch zusätzlich anfachen. Es ist billig und unethisch von der Testfirma, Geld zu machen und von Fox, die Leute auf diese Weise vor den Bildschirm zu locken.»

Das Publikum ist gespalten

In der Öffentlichkeit sind die Meinungen geteilt, wie eine Strassenumfrage in New York zeigt. «Ich will nicht, dass mir jemand sagt, für wen ich mitfiebern soll anhand meiner Gene. Das ist politisch nicht korrekt», sagt eine Frau. Ein Passant glaubt, die eigenen Wurzeln seien vor allem kulturell bestimmt.

Es gibt aber auch Befürworter der DNA-Aktion. «Ich finde es cool», so ein New Yorker. «Fussball ist ein toller Sport. Könnte man die Leute so dazu bringen, sich mehr dafür zu interessieren, ist das super.» Für eine glänzende Idee hält die Kampagen jene Grosstädterin, welche die Rolle der USA als Einwandererland betont. «Jeder kommt von irgendwo anders her. Fussball bringt die Welt zusammen.»

Ob Fox die gewünschten Einschaltquoten erreicht, bleibt offen. Bei der letzten WM schauten in den USA etwa vier Mal so viele Menschen Fussballspiele mit amerikanischer Beteiligung im Vergleich zu denen ohne.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Ein typisches Beispiel eines gesellschaftlichen Verblödungseffektes.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Kein Problem... meine DNA ... nicht relevant, wichtiger ist zu wissen, woher ich komme... woher jeder kommt.. unsere Urahnen sind vom afrikanischen Kontinent.. wir alle sind Kinder von "Lucy" und welche Namen sie den Knochen auch immer gegeben haben... Leute kommt nach Sterkfontein in SA und schaut woher und von WANN ihr kommt, dann ist alles Schnurz-egal, dann hat Rassismus keinen Sinn mehr! Macht Euch mal schlau via Google..
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Aha, und wenn Indische DNA zum Vorschein kommt, sollen die dann für England jubeln? Oder wenn Kosovarische DNA überwiegt, sollen die dann für die Schweiz jubeln? Sinnvoller wäre es für die USA generell für Mexico zu jubeln, das entspricht doch einer gefühlten Mehrheit mancherorts dort. ;-))
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