Nach Mord vor laufender Kamera: Welches Motiv hatte der Täter?

Die Tat macht sprachlos: Vor laufender Kamera erschiesst ein Mann zwei ehemalige Kollegen, verletzt eine Interviewpartnerin und richtet sich auf der Flucht selbst. Am Tag danach wird über das Motiv gerätselt. US-Präsident Obama wiederholt derweil sein Anliegen, die Waffengesetze zu verschärfen.

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Schusswaffendebatte in den USA

1:03 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.8.2015

Einen Tag nach dem Mord an zwei Journalisten vor laufender Fernsehkamera rätseln Kollegen und offenbar auch die Polizei über das Motiv des Täters. US-Präsident Barack Obama spricht in einer Stellungnahme von einer «schrecklichen Tragödie» – und betont, dass Taten mit Waffengewalt in den USA allzu oft geschehen.

Der Mann, der am Mittwoch zwei ehemalige Kollegen bei ihrer Arbeit tödlich und eine Interviewpartnerin schwer verletzte, filmte seine Tat und stellte das Video anschliessend ins Netz. Auf der Flucht vor der Polizei versuchte der 41-Jährige, sich selbst zu richten und erlag später im Spital seinen Verletzungen.

Zuvor hatte der Mann offenbar ein mehrseitiges Schreiben an einen US-Fernsehsender geschickt. Darin soll er von einem «Rassenkrieg» gesprochen haben. Angeblich nannte er darin das Massaker eines weissen Rassisten in einer Kirche in Charleston als mögliches Motiv. Er fühle sich als Schwarzer und Homosexueller verfolgt. Doch es gibt Zweifel an dieser Lesart. In Medienberichten wurde der Verdacht geäussert, dass der Täter geistig verwirrt war.

Der Mann soll vor längerer Zeit von dem Lokalsender entlassen worden sein, für den auch die beiden getöteten Journalisten arbeiteten. In einer Twitter-Nachricht nach der Tat beschuldigte er eines der Opfer, es habe «rassistische Kommentare» geäussert. Er beschwerte sich auch darüber, dass die Journalistin angestellt und er nicht weiterbeschäftigt worden sei.

Fernsehsender weist Mobbing-Vorwürfe zurück

Der mutmassliche Täter hatte sich offenbar gemobbt und von seinem Arbeitgeber ungerecht behandelt gefühlt. Sein ehemaliger Arbeitgeber wies diese Vorwürfe aber zurück. Der Chef des Senders sagte, der mutmassliche Täter sei ein schwieriger Mensch gewesen. Er habe sich schlecht behandelt gefühlt – an den Vorwürfen sei aber nichts dran.

Bei den Opfern handelt es sich um die 24-jährige Reporterin Alison P. und den 27-jährigen Kameramann Adam W. Sie hatten gerade eine Vertreterin der örtlichen Handelskammer interviewt, als plötzlich Schüsse fielen. In den Videoaufnahmen sind etwa ein Dutzend Schüsse und Schreie zu hören.

«Ein grosser Teil dieser Gewalt könnte verhindert werden»

Barack Obama führte aus, dass Waffengewalt in den USA täglich vorkomme. Diese Gewalt könne nicht vollständig verhindert werden. Doch könnte ein grosser Teil von ihr abgewendet werden, wenn die Sicherheits- und Waffengesetze entsprechend verschärft würden. Ziel müsse sein, dass Leute, die keine Waffen besitzen sollten, keine Waffen erhalten. Der US-Präsident hofft, dass verstärkt Bewegungen von unten seinen Bemühungen gegen die Waffengewalt Nachdruck verleihen.

Obama hatte nach schweren Massakern mehrfach den Anlauf zu Gesetzesänderungen unternommen, war aber am Widerstand der Waffenlobby gescheitert.