Politisch, zerrissen, geplagt – der andere Mani Matter

Er hat mit seinen berndeutschen Liedern die Schweiz verzaubert. 40 Jahre nach seinem Tod hallen Mani Matters Lieder in den Köpfen nach – eingängig, oft leichtfüssig. Doch wie sah es in seinem Kopf aus? Eine Biographie gibt Einblick in einen Schweizer Mythos.

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Mani Matter der Zweifler

1:56 min, aus Tagesschau vom 6.4.2013

«…sie klatschten, klatschten und klatschten. Welch ein Missverständnis. Statt die Leute zum Nachdenken anzuregen, versetzte er sie in Festzeltstimmung.» Die Buchpassage zeigt: Mani Matter war nicht nur glücklich über seinen Erfolg.

«Aus seinem Nachlass wird ersichtlich, dass ihm eine zunehmende Entfremdung zu schaffen machte», sagt Wilfried Meichtry im Gespräch mit der «Tagesschau». Matter habe sich gar überlegt, mit der Musik aufzuhören.

Vierzig Jahre nach Matters Tod gab seine Familie dem Historiker Wilfried Meichtry Einblick in den gesamten Nachlass des Chansonniers. Meichtry recherchierte drei Jahre lang für die Biographie. Matters Ehefrau Joy stand ihm zur Seite.

Zwischen Spiessertum und Künstlerleben

Ein Schlüsselmoment in Matters Leben war ein längerer Aufenthalt im britischen Cambridge: «Durch die Distanz zur Schweiz hat sich sein Blick eindeutig verschärft», sagt Joy Matter im Interview mit SRF. Der politische Blick. Und Themen beschäftigten ihn, die auch heute aktueller nicht sein könnten: «..dass unser kleines Land wichtigere Aufgaben hätte als das Bankgeheimnis zu verteidigen und deutschen  Industriemagnaten ein Steuerparadies abzugeben.»

Mani Matter starb 1972 auf dem Weg zu einem Auftritt in Rapperswil (SG) bei einem Autounfall. Er war 36jährig und Vater von drei Kindern. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören «Dr Ferdinand isch gstorbe», «Ds Lotti schilet», «Dr Eskimo» oder «Ds Zündhölzli».