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Panorama Rom spricht den «Ketzerhammer gegen Protestanten» selig

Je nach Sichtweise ein Demagoge oder Religionsheld: Die katholische Kirche spricht Nicolo Rusca selig. Er bekämpfte die Protestanten im 17. Jahrhundert. Und gilt den Katholiken doch als «gemässigter Mann des Friedens».

Legende: Video Umstrittene Seligsprechung abspielen. Laufzeit 03:47 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 19.04.2013.

Noch unter Papst Benedikt XVI. gab der Vatikan die Seligsprechung von Nicolo Rusca bekannt. Rusca wurde 1563 bei Lugano geboren, und war als Priester von 1590 bis 1618 im Veltlin tätig. Er bezeichnete sich selbst als «Ketzerhammer». 

600 Morde nach seinem Tod

Sein Kampf galt den Protestanten und deren «Häresie». So verhinderte er unter anderem, dass eine ökumenische Schule ihren eigentlichen Zweck der Zusammenarbeit erfüllte. Dank ihm besuchte nie ein einziger Katholik die Bildungsstätte. 

Das mehrheitlich protestantische Graubünden sah Rusca mit den Jahren immer kritischer. Ihm wurde 1608 der Mord an einem protestantischen Priester unterstellt – Rusca floh ins Exil nach Como, bis ein Bündner Gericht ihn für unschuldig erklärte.  Zehn Jahre später verschleppten laut katholischer Geschichtsschreibung 60 Bewaffnete den Priester nach Chur. In Thusis wurde ihm der Schnellprozess gemacht. Rusca wurde gefoltert. Im September 1618 erlag er seinen Verletzungen, die ihm zugefügt worden waren. 

Gemaltes Porträt von Nicolò Rusca
Legende: Er galt als grosser Bekämpfer des Protestantismus: Nicolò Rusca. PD

Nach seinem Märtyrertod wurde Rusca von den Katholiken sofort wie ein Heiliger angesehen. Seine sterblichen Überreste wurden mehrfach umgebettet und fanden schliesslich in Sondrio ihre Ruhe. Für die katholische Kirche ist sein Foltertod wesentliche Ursache dafür, dass zwei Jahre später beim Veltliner Mord 1620 rund 600 Protestanten umgebracht wurden. Ruscas erster Biograf bezeichnete denn auch den Priester als liberal, «scharfe Ausdrücke gegen die Ketzer (Protestanten) missbilligend». Er habe nur die Gläubigen zum Katholizismus zurückführen wollen – «ein friedlicher, katholischer Reformator».

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7 Kommentare

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  • Kommentar von johanes brassel, klosters
    ...und was soll da das Gesülze von Nächstenliebe... oder doch eher Knabenliebe???
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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    Dieser vor Nächstenliebe geradezu "triefende" Christ, der sich selbst also "Ketzerhammer" nannte – also doch wohl ein Hammer, der die ketzerischen Mitmenschern erschlagen sollte oder wollte? – fehlt ja sogar noch in der "Kriminalgeschichte des Christentums" von Karlheinz Deschner … ebenso wie seine protestantischen Folterer, ebenfalls sicherlich alles ehrbare Christenmenschen. Vermutlich hatten sie einfach nicht genug Blut an den Händen, um dort aufgeführt zu werden …
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  • Kommentar von Alex Bauert, Köniz
    Zum 600. Jahrestag der Reformation von Martin Luther zeigt die katholische Kirche wieder mal ihr intolerantestes Gesicht. Anstatt die Exkommunizierung von Luther aufzuheben (medienpolitisch motivierter Vorschlag des Provinzials der Jesuiten, C. Rutishauser an den Papst), spricht sie einen «Anti-Protestanten» selig. Das Verfahren stammt aus der Zeit von Ratziniger / Papst Benedikt, kann Bergoglio Papst Francesco also nicht angelastet werden. Ausser er unterschreibt ...
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    1. Antwort von Hans Knecht, Kontinentaleuropa
      Wenn Menschen die Gefoltert wurden nicht mehr "heilig" gesprochen werden dürfen weil dadurch die Gefühle der anderen verletzt werden, so hätte Rom auch die früheren Märtyrer nicht seelig oder heilig sprechen dürfen. Ebenfalls nicht Kritiker der NSDAP. Die sind alle ja "selber Schuld". Dadurch legitimiert man Mitläufertum und Handlangertum. Meiner Meinung nach gibt es noch zum Glück Menschen die Handlungen gegen die Nächstenliebe als solche kritisieren. Andersfalls regiert der Barbarismus.
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    2. Antwort von Alex Bauert, Köniz
      @H.Knecht: Gefolterte dürfen so heilig gesprochen werden, wie nur möglich. Das ist hier nicht das Thema, sondern, dass er ein Protestanten-Jäger war, der sich selber «Ketzerhammer» nannte.
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