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Unliebsame Online-Kommentare Schluss mit Beleidigungen: «NZZ» schränkt Kommentatoren ein

Die «Neue Zürcher Zeitung» setzt neu auf moderierte Debatten. Online-Kommentare sind für viele Redaktionen ein Problem.

Legende: Video No Comment – Kommentarspalten abschaffen abspielen. Laufzeit 2:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.02.2017.
  • Wegen immer aggressiveren Online-Kommentaren schafft die «Neue Zürcher Zeitung» bei fast allen Online-Artikeln die Kommentarfunktion ab.
  • Ab Mittwoch können Leser nur noch bei ausgewählten Themen mitdiskutieren, in moderierten Online-Debatten.
  • Die «NZZ» erhofft sich mehr konstruktive Diskussionen und weniger Beschimpfungen.

«Der Ton in unseren Kommentarspalten hat sich extrem verschlechtert», begründet Oliver Fuchs, Social Media Redaktor bei der «NZZ», diesen Schritt. «Die Leser diskutieren nicht mehr miteinander, sondern beschimpfen sich gegenseitig und beschimpfen uns.»

Mit gehässigen und diskriminierenden Kommentaren in ihren Online-Newsportalen tun sich viele Redaktionen schwer – nicht nur in der Schweiz. «Die meisten Medien sind überfordert mit all diesen Kommentaren, die wie Pilze aus dem Boden schiessen», sagt der Zürcher Medienprofessor Vinzenz Wyss. «Deshalb ist es richtig, dass man experimentiert und verschiedene Möglichkeiten ausprobiert.»

«Miteinander diskutieren, nicht gegeneinander»

Internationale Medienhäuser gehen dies ganz unterschiedlich an. «Spiegel Online» etwa entscheidet je nach Thema, ob die Kommentarspalten offen stehen. Beim Jugendmagazin «VICE» sind gar keine Kommentare mehr möglich. Und die «Süddeutsche» stellt dem Publikum konkrete Fragen, über die dann in einem Forum diskutiert werden können.

Moderierte Diskussionen über handverlesene Themen – diesen Weg geht nun auch die «NZZ». «Wir wollen unserer Leserschaft einen guten Rahmen bieten, um kontrovers über Dinge zu diskutieren», sagt Oliver Fuchs. «Aber miteinander, nicht gegeneinander.»

«Mit der Leserschaft im Dialog bleiben»

Für Medienprofessor Wyss ist es unerlässlich, dass Medienhäuser mit ihren Lesern im Dialog bleiben. Sich alles gefallen lassen müssen sie aber trotzdem nicht: «Selbstverständlich wünscht man sich, dass diese Debatten bei allen Themen möglich wären. Aber aus Ressourcengründen ist es gar nicht möglich, dass man alle Debatten gut führen kann.»

Kommentare bei SRF

Als öffentliches Medienhaus will SRF die Kommentarspalten so offen wie möglich halten. Es steht jedem frei, jedes Thema zu kommentieren. Dennoch werden auf SRF News rund ein Viertel der Kommentare nicht freigeschaltet, weil die Netiquette nicht eingehalten wird.

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68 Kommentare

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  • Kommentar von S P (freigeist)
    In einer Welt wo die USA von einem Herrn Regiert welcher Dinge behaupten kann, welche weit unter der Gürtellinie oder nachweislich falsch sind. Das SRF berichtet dann zwar Distanziert und mit hinterfragendem Ton, dennoch bekommen zu viele Despoten eine Bühne durch den öffentlich rechtlichen Rundfunk.Meine Meinung ist solang sich ässern in der Form von Worten bleibt, ist der normale Bürger (nicht an der Macht teilhabend) zum beschreiben eines Despoten frei in der Wortwahl.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Verkehrs-Chaoten und Raser oder anstandslose Verunglimpfer in den Medien-Foren, erzeugen beide unerträgliche oder völlig übertriebene Massnahmen: Immer mehr Verkehrstafeln und strengere Verkehrsgesetze und Medien-Redaktionen, die Kommentarspalten in den online-Ausgaben einfach schliessen oder hart zensurieren! Alle Massnahmen passieren nur wegen einigen Zeitgenossen, die nie eine Kinderstube erlebten oder reine aggressive Egoisten sind! Ein trauriges Faktum, liebe Zensoren!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Wie wäre es, wenn sie zuerst vor der eigenen Türe wischen würden anstatt ständig Andersdenkende zu beschimpfen? Genau darum wird das NZZ Forum geschlossen.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die Vierte Gewalt zensuriert unliebsame Wahrheiten. Die anmassendste Form der Zensur ist die Amputation der Kommentarspalten. Da wird jede Diskussion selektiv abgewuergt. Private Medien duerfen das. Das von der Fuenften Gewalt (noch) zwangsfinanzierte SRF hat fuer Alles Kommentarspalten zu oeffnen; aber alle Kommentare mit persoenlichen Angriffen gegen Mitkommentatoren statt nur Gegenargumenten ganz nicht freizuschalten. Der Aufwand nur dafuer ist minim und kann den No-Billagtorpedo ins Leere la
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