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Gestillte Babys trinken viele Dioxine
Aus Kassensturz vom 08.06.2021.
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Schweizer Muttermilch Gestillte Babys trinken viele Dioxine

Analyse zeigt: Muttermilch ist stark mit Dioxinen belastet. Laut der WHO überwiegt jedoch der Nutzen des Stillens klar.

Muttermilch-Proben von Erstgebärenden aus Bern, Biel, Freiburg, Morges und Basel zeigen: In der Muttermilch finden sich zahlreiche Umweltgifte. Die Analyse hat der Bund bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) bestellt – Kostenpunkt: 210'000 Franken. Bisher hat der Bund darüber geschwiegen. Bis «Kassensturz» nachfragt.

Ein durchschnittlicher, gestillter Schweizer Säugling trinkt Woche für Woche viele Dioxine. EMPA-Chemiker Markus Zennegg: «Am Anfang des Lebens ist das eine relativ deutliche Belastung.» Auch das umstrittene Triclosan wies die EMPA nach.

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Markus Zennegg, Chemiker EMPA: «150 Mal über dem Richtwert. Das ist eine deutliche Belastung für ein Baby am Beginn des Lebens.»
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Dioxine und die dioxinähnlichen PCB gelten als hochproblematisch: In Tierversuchen können sie Fruchtbarkeit, Immunsystem und Entwicklung des Gehirns schädigen. «Diese Stoffe reichern sich im Fett der Muttermilch an», so Zennegg, «sobald die Mutter stillt, mobilisiert sie das Fett, der Säugling nimmt vor allem am Anfang hohe Konzentrationen dieser Stoffe über die Muttermilch auf.»

Dabei handelt es sich vorab um Altlasten, die in Fabriken entstanden und in Chemikalien verwendet wurden. Beides wurde durch Filter und Totalverbote verbessert. Und die Analyse der EMPA zeigt: Das wirkt. Die Werte sind auf einen Sechstel des Niveaus der 90er-Jahre gesunken.

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Lothar Aicher, Humantoxikologe: «Der Dioxin-Gehalt ist in den letzten Jahren zwar gesunken, doch man hat auch immer wieder festgestellt, dass Dioxine gefährlicher sind als ursprünglich angenommen.»
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Dioxine gefährlicher als gedacht

Doch: Dioxine sind toxischer, als die Forschung angenommen hat. 2017 veröffentlichte die Universität Harvard gemeinsam mit russischen Forschern die «Russian Children Study», eine Langzeitstudie russischer Buben. «Sie zeigt erstmals, dass die Dioxine schon bei sehr niedrigen Konzentrationen die Spermienqualität beeinträchtigen», erklärt Lothar Aicher vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie der Universität Basel.

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Margret Schlumpf, Umwelttoxikologin Green Tox: «Von diesen Belastungen sind wir alle betroffen und wir müssen lernen, damit umzugehen.»
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Behörde senkt Richtwert stark

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, auf deren Risiko-Bewertungen sich auch die Schweiz stützt, senkte darauf die langfristige, tolerierbare Aufnahmemenge deutlich: Von 14 Pikogramm pro Kilo Körpergewicht pro Woche auf nur noch 2 Pikogramm (1 Pikogramm = 1 Billionstel Gramm). Ein Erwachsener in der Schweiz liegt damit siebenmal über dem neuen Grenzwert.

Ein gestillter Säugling nimmt gemäss der neuen EMPA-Analyse gar durchschnittlich 294 Pikogramm pro Kilo pro Woche auf. Einen aktuellen Richtwert für Säuglinge gibt es nicht. Zieht man jenen für Erwachsene heran, überschreitet ein Schweizer Säugling diesen somit um das 150-fache. Doch auch den viel älteren Zielwert der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2000 überschreiten Babys in der Schweiz, die sich nur von Muttermilch ernähren, um das 42-fache.

Eine Medienmitteilung ist nicht notwendig.
Autor: Bundesamt für Umwelt

WHO: Vorteile überwiegen Risiken deutlich

Was heisst das für das Stillen? Laut Weltgesundheitsorganisation liegen die Dioxine in der Muttermilch weltweit deutlich über den Sicherheitsstandards. Dennoch sei der Nutzen des Stillens deutlich grösser als die Risiken. Markus Zennegg von der EMPA: «Kinder haben durch die Übertragung von Immunoglobulinen ein stärkeres Immunsystem und viel weniger Allergien. Dieser positive Effekt überwiegt klar, zumal das Baby ja nur während einer kurzen Zeit eine deutlich höhere Belastung hat.»

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) teilt mit, die Studie sei publiziert worden und stehe «zur Verfügung». Das heisst: Es hat sie auf eine Datenbank des Bundes gestellt. Eine Medienmitteilung erachtet das BAFU als nicht notwendig.

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Studiogespräch mit Lothar Aicher, Schweizerisches Zentrum für Humantoxikologie Uni Basel
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Kassensturz, 08.06.2021, 21:05 Uhr

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127 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Das Neugeborene atmet durch die Nase. Sein Mund ist geschlossen, es kann noch gar nicht durch den Mund atmen. Das ist deshalb so, weil bei Säuglingen der Kehldeckel und der weiche Gaumen Kontakt haben und damit die Verbindung der Mundhöhle zur Luftröhre blockiert ist. Dies ermöglicht dem Kind, gleichzeitig atmen und saugen bzw. schlucken zu können. Weise die Natur, und zwei Gifte hat sie für uns bereits gestellt, CO2 das uns entspannt und NO das Viren tötet. Cool. Schlau der Planer.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die ersten 9 Monate ist das Baby im Bauch, seine Lungen sind noch geschlossen die Versorgung mit Sauerstoff in dieser Zeit wäre interessant. Geht das nur über die Nabelschur, braucht ein Baby überhaupt Sauerstoff und wenn, wie viel. Dann öffnen sich die Lungen wie Schmetterlingsflügel, die Atmung beginnt und verbrennt so einige Gifte. Von nun an ist die Atmung das wichtigste Mittel das Baby mit der Welt zu verbinden. Die Nasenatmung erzeugt ein Gift, Stickstoffmonoxid NO, das heilt, seltsam.
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  • Kommentar von Andrea Roßdeutsch  (ARo)
    Schade, dass der Artikel und der zugehörige Kassensturz so ungenau sind, es wird nie erwähnt wie lange das nicht empfohlene lange Stillen geht. Soll man nicht länger als die von der WHO empfohlene Mindestdauer von 2J.? Oder nicht länger als die westlich gesellschaftlich akzeptierten 12Mt? Oder sogar nicht länger als 4-6Mt, bis zur Einführung der Beikost? Es gibt keine einfach abrufbare Definition von "Langzeitstillen". Zudem stillen 2jährige nicht so viel wie Säuglinge, sie essen auch vom Tisch.
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