Warmer Winter am Nordpol Schwere Zeiten für Eisbären

Die Temperatur in der Arktis steigt stetig, das Eis schmilzt. Das hat dramatische Folgen fürs Weltklima, sagen Forscher.

  • Das arktische Klima verändert sich rasant: Noch nie habe er einen so warmen Winter erlebt, sagt Mark Serreze vom nationalen US-Datencenter für Eis und Schnee.
  • Schwere Zeiten für Eisbären: Vermutlich sei so wenig Meereis entstanden wie seit Beginn der Messungen 1979 nicht. Entsprechend erwartet Serreze im Sommer eine neue Rekordschmelze.
  • 40 Prozent weniger Meereis als 1985: Als Folge davon erwärmt sich die Arktis, weil der eisfreie Ozean die Wärme der Sonnenstrahlung aufsaugt. Meereis dagegen reflektiert die Sonnenstrahlen ins Weltall.
  • Immer wärmere Winter am Nordpol: Bereits ist die Durchschnittstemperatur im hohen Norden doppelt so stark angestiegen wie im globalen Mittel. Besonders deutlich wird dies im Winter: So lag die Temperatur am Nordpol an Neujahr 2016 beinahe bei 0° Celsius.
  • Globale Auswirkungen: Die Wettermaschine der Erde wird davon angetrieben, dass es am Äquator viel wärmer ist als an den Polen. Wenn der Temperaturunterschied kleiner wird, gerate vieles durcheinander, sagt Klaus Dethloff vom Alfred Wegener Institut in Potsdam.
  • Folgen für Europa: Bei uns kommt es vermehrt zu längeren eisig-kalten Perioden im Winter, wie zuletzt diesen Januar. Dies, weil der stets nach Westen blasende globale Jetstream beginnt, Wellenbewegungen nach Nord und Süd zu machen. Dabei schaufelt er warme Luft in die Arktis respektive eisig kalte von dort nach Europa und auch in die USA.
  • Zusammenhänge unter Klimatologen umstritten: Auch natürliche Schwankungen im Klimasystem könnten die komplexen Prozesse beeinflussen – nicht nur das vom Menschen produzierte CO2, betont Forscher Dethloff.
  • Fakt aber ist: So dramatische Schwankungen wie in den letzten beiden arktischen Wintern sind noch nie beobachtet worden. Klimaforscher Serreze glaubt deshalb, dass in wenigen Jahren der erste meereisfreie Sommer am Nordpol auftreten könnte. Das wäre zwei Jahrzehnte früher als bisher angenommen.
  • Ernste Konsequenzen für die ganze Welt: Der eisfreie arktische Ozean würde so viel Sonnenwärme zusätzlich aufnehmen, dass sich nicht nur das Klima im hohen Norden deutlich schneller erhitzen würde, als bisher gedacht. Die Atmosphäre des ganzen Globus' würde aufgezeizt.
Kurve, welche die Eis-Ausdehnung zeigt.

Bildlegende: Meereis im arktischen Sommer Jeweils im September erreicht das Meereis die minimale Ausdehnung. 2012 war sie am kleinsten, 2016 am zweitkleinsten. National Snow and Ice Datacenter Boulder/USA