Seine Lieder bleiben

Mehr als 1000 Songs. Mehr als 100 Millionen verkaufte Platten. Mehr als ein halbes Jahrhundert auf der Bühne. Eben erst hat Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag gefeiert – nun ist er gestorben.

Udo Jürgens mit Bambi

Bildlegende: Goldenes Reh 2013 wird Udo Jürgens mit dem Bambi für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Reuters

Kluge Texte zu grossen Melodien – das war das Markenzeichen von Udo Jürgens. Seine Karriere glich einer Rekordstatistik: Jürgens komponierte mehr als 1000 Songs, von denen etliche zu Superhits wurden. Er spielte mehr als 50 Alben ein und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger.

Schon als Junge spielte der 1934 in Klagenfurt geborene Sohn der grossbürgerlichen deutsch-österreichischen Familie Bockelmann Mundharmonika und Akkordeon, bald auch Klavier. Doch beinahe wäre in der ungeliebten Hitlerjugend die Musikerkarriere des Udo Jürgen Bockelmann verhindert worden: Das junge Talent bekam eine so brutale Ohrfeige, dass seine Hörfähigkeit auf einer Seite vermindert wurde.

Krieg und Nachkriegszeit seien auch für ihn bedrückende Jahre gewesen, berichtete Jürgens 2004 in seinem Bestseller «Der Mann mit dem Fagott». Damals entstand wohl schon jenes «unstillbare Harmoniebedürfnis», zu dem Jürgens sich stets bekannte.

Durchbruch dank Eurovision Song Contest

Den internationalen Durchbruch ersang sich Jürgens 1966 bei seiner dritten Teilnahme am Eurovision Song Contest (damals noch: Grand Prix Eurovision) mit einem Lied, das auf der Liste seiner Evergreens weit oben steht: «Merci, Chérie».

«Als Komponist und Textdichter ist es Udo Jürgens gelungen, unvergessliche Melodien mit mal heiteren, mal nachdenklichen und philosophischen Texten zu vereinen», hiess es in der Laudatio, als er 2014 in Berlin für sein Lebenswerk vom Musikrechteverwerter Gema geehrt wurde. Zur deutschen Hauptstadt hatte der Star eine besondere Beziehung.

Udo Jürgens mit der ehemaligen TV-Ansagerin Heidi Abel.

Bildlegende: Alte Zeiten Udo Jürgens bei einem gemeinsamen Auftritt mit der verstorbenen Schweizer TV-Ansagerin Heidi Abel. Reuters

Als 1989 die Mauer fiel und Ostdeutsche zu Zehntausenden nach West-Berlin strömten, war Jürgens gerade in Berlin. «Wir haben mehr als nur eine Träne zerdrückt, sind uns mit wildfremden Menschen in den Armen gelegen», berichtete er einige Jahre später. «Ich habe 5000 Mark genommen und den Leuten in die Tasche gesteckt, in Hundertern, ganz heimlich.»

«Mitten im Leben»

Seinen 80 Jahren zum Trotz wollte Jürgens von einem Ruhestand nichts wissen. Kurz vor seinem 80. Geburtstag veröffentlichte er ein neues Album. Der Titel: «Mitten im Leben». – Nun ist Jürgens unerwartet aus dem Leben gerissen worden. Seine Lieder bleiben.

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