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Social Media Die perfiden Tricks der Twitter-Bots

Bots geben sich bei Twitter als Menschen aus und versuchen Einfluss auf den Wahlkampf nehmen. Auch in Deutschland?

Sechs Twitter-Bots als Comicfiguren.
Legende: Sechs Bots reichen zwar nicht aus für eine Armee, für ein Symbolbild langt es aber allemal. Flickr/portal gda

«Social-Bots können nur unter bestimmten Voraussetzungen Ergebnisse politischer Entscheidungsprozesse beeinflussen. Eine Voraussetzung ist beispielsweise ein politischer Kulminationspunkt wie eine knappe Entscheidung bei Wahlen.» Das schreibt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung in einer kürzlich erschienenen, Link öffnet in einem neuen Fenster Studie zu Social-Bots. Ein solcher Kulminationspunkt ist bei den kommenden Deutschlandwahlen zu erwarten.

Gerade deswegen dürften am Wahlwochenende Twitter-Bots besonders aktiv sein, denn auf der Plattform Twitter ist es besonders leicht, ohne grosses technisches Wissen Bots zu erstellen. Wer es noch einfacher möchte, kauft sich für ein paar hundert Dollars gleich ein paar tausend steuerbare Twitter-Bots, die auf Kommando bedient werden.

Zuspammen und anpöbeln

Wer auf einzelne Personen, Diskussionen oder die Meinungsbildung einwirken möchte, kann eine solche Armada auf verschiedene Weisen nutzen. Der klassische Ansatz: Bots tweeten und retweeten alle dieselbe Falschinformation, um sie möglichst breit zu streuen. Oder eine einzelne Person wird mundtot gemacht, indem sie mit direkten Nachrichten zugespammt oder angepöbelt, Link öffnet in einem neuen Fenster wird.

Aufgrund solcher Vorfälle hat Twitter diesen Frühling begonnen, aktiver gegen den Missbrauch der Plattform – und auch gegen Bots – vorzugehen, Link öffnet in einem neuen Fenster. Zudem wurden neue Möglichkeiten geschaffen, dank denen Nutzer selber aktiv werden und Spam melden können. Was Twitter im Kampf gegen Bots alles macht, behält das Unternehmen lieber für sich, «um Leute davon abzuhalten, diesen Schutz zu umgehen».

Übeltäter haben aber längst neue Tricks gefunden, um ihre Bot-Armeen auch unter den neuen Bedingungen einzusetzen. Eine Taktik, die sich mittlerweile gehäuft zeigt, ist das sogenannte «Hashtag-Riding»: Bestehende Hashtags werden missbraucht, um viele irreführende oder polarisierende Tweets abzusetzen, dass die eigentlich wichtigen Tweets zum Thema untergehen.

Twitters Spam-Schutz wird missbraucht

Möchte jemand seinen Gegner auf Twitter mundtot machen, kann er sich auch einer neuen Methode bedienen, die einiges perfider ist als das bisherige Pöbeln. Ende August waren gleich mehrere Twitter-Accounts von Nonprofit-Organisationen und IT-Journalisten davon betroffen, Link öffnet in einem neuen Fenster. Sie waren ins Visier der Angreifer geraten, weil sie sich zu Bots und deren Einflussnahme geäussert hatten, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Zum Beispiel der Journalist Joseph Cox, der in einem Artikel , Link öffnet in einem neuen Fensterüber Pro-Putin-Bots berichtet hatte. Nachdem er seine Geschichte publiziert und getweetet hatte, wandten sich sofort hunderte von Bots gegen ihn. Über tausend Accounts retweeteten , Link öffnet in einem neuen Fensterseinen Artikel, mehrere hundert Accounts begannen, ihm auf Twitter zu folgen – allesamt Bots.

Das kam den Anti-Spam-Instrumente von Twitter verdächtig vor. Der Account von Joseph Cox wurde darum temporär gesperrt, weil ihn die automatisierten Detektionsmechanismen selbst als Bot identifiziert hatten. Cox ist mittlerweile wieder frei geschaltet, doch der Vorfall illustriert die perfide neue Taktik: Mechanismen, die von Twitter entwickelt wurden, um Spam und Bots zu bekämpfen, werden jetzt missbraucht, um unliebsame Twitter-Accounts zum Verstummen zu bringen.

Der Botometer kann helfen

Wie viele Bots am Wahlwochenende in Deutschland in den sozialen Medien – insbesondere bei Twitter – mitmischen werden, ist schwer abzuschätzen. Und das das Büro für Technikfolgen-Abschätzung kommt auch zum Schluss, dass gerade Twitter-Bots keine grosse Reichweite hätten, da die Twitter-Nutzung in Deutschland vergleichsweise gering sei.

Andererseits verwenden viele Meinungsführerinnen und -führer die Plattform, etwa Politikerinnen und Journalisten, die der Bot-Flut besonders ausgesetzt sein können. Es lohnt sich darum stets ein Blick auf den Botometer, Link öffnet in einem neuen Fenster: Der prüft, wie wahrscheinlich es ist, dass hinter einem Twitter-Account eine Maschine steckt.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Beatrice Schenkel (Beatrice Schenkel)
    Soziale Medien sind toll und praktisch um sich über persönliche und eher nebensächliche Gegebenheiten anderer Mitmenschen zu informieren. Wer sich ernsthaft über politische Sachverhalte informieren will soll dies doch einfach über verlässliche Medien (NZZ, SRF, Tagi, usw.) tun. Ich kann Leute, welche Twitter als Quelle nennen nich ernst nehmen. Und wenn ich höre, dass sogar gewisse Journalisten ihre Informationen von sozialen Netzen haben (Aussage vom Blick-Chef) ist dies verantwortungslos.
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