Zum Inhalt springen

Solar Impulse 2 Solar Impulse auf Hawaii gelandet

«Aloha, E komo mai – Herzlich Willkommen auf Hawaii»: Das Solarflugzeug Solar Impulse 2 hat die längste und gefährlichste Etappe seiner geplanten Erdumrundung geschafft. Der Flieger landete sicher in O'ahu auf Hawaii.

Legende: Video «Solar Impulse beendet Rekordflug» abspielen. Laufzeit 1:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.07.2015.

Das Timing und die Kulisse waren perfekt: Kurz nach Sonnenaufgang setzte das Flugzeug Solar Impulse 2 auf einer Landebahn im Urlaubsparadies Hawaii auf. Nur mit Sonnenenergie angetrieben hatte das grazile Leichtflugzeug gleich mehrere Rekorde aufgestellt.

Mit fast 8300 Kilometern war es die weiteste Distanz, die ein Solarflugzeug je hinter sich gebracht hat. Nach fünf Tagen und fünf Nächten alleine in dem kleinen Cockpit hat der Schweizer Pilot André Borschberg den Applaus für den längsten Alleinflug redlich verdient.

«Die Möglichkeiten der Solarkraft zeigen»

Strahlend zeigt sich Borschberg nach der Landung in seinem Cockpit. Die Erschöpfung ist dem 62-Jährigen kaum anzusehen. Nach dem hawaiianischen Willkommensgruss mit Blumenkränzen müssen sich die Schaulustigen aber eine Weile gedulden. Borschberg scheute die ersten Schritte wieder auf festem Boden, er bleibt zunächst in seinem Flugzeug sitzen.

Ein Physiotherapeut massiert ihm minutenlang die Beine, erst dann steht der Flugpionier vorsichtig auf und streckt die Arme jubelnd zum Himmel. «Ich hoffe, ich rieche nicht zu sehr», scherzt er vor Reportern.

Legende: Video «Pilot André Borschberg nach der Landung» abspielen. Laufzeit 0:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.07.2015.

Für Borschberg sei ein Traum in Erfüllung gegangen: «Sehr emotional, aber glücklich und dankbar, dass ich das machen konnte. Wir haben uns vor 12 Jahren getroffen und Bertrand hat die phantastische Idee gehabt, mit erneuerbarer Energie um die Welt zu fliegen und damit eine Botschaft mitzuteilen. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, in diesem Projekt mitzumachen.»

Er sei nicht wirklich erschöpft, er hätte noch länger durchhalten können. Mit Yoga und Meditation habe er den Stress bewältigt. Seine Botschaft an die Welt: Ihm und seinem Kollegen, dem Luftfahrt-Pionier und Erfinder Bertrand Piccard (57), käme es vor allem darauf an, die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufzuzeigen.

Legende: Video «Ein bewegter Bertrand Piccard» abspielen. Laufzeit 0:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.07.2015.

Der Vater des Projekt, Bertrand Piccard, sprach kurz vor der Landung via Skype noch mit «10vor10»: «Es war das erste Mal, dass wir so viele Tag- und Nacht-Zyklen gemacht haben und heute, das war der Moment der Wahrheit, ‹the moment of truth›. Und jetzt ist das Flugzeug über Hawaii. Ich hatte Tränen in den Augen, es war so unglaublich – wir haben es geschafft.»

Auch auf den Notfall vorbereitet

Mehr als 17'000 Solarzellen sind auf den Flügeln von Solar Impulse 2 angebracht. Die 118 Flugstunden, in denen er nie mehr als 20 Minuten am Stück schlafen konnte, waren ein Wechselbad der Gefühle. Mal twitterte der Pilot Bilder traumhafter Sonnenuntergänge, mal schrieb er über Müdigkeit und die Sorge, einen Weg durch gefährliche Kaltfronten zu finden.

Seinen Humor verlor er bei dem langen Flug nicht. «Kann mir jemand ein gutes Steak House in Hawaii empfehlen?», twitterte er am Tag vor der Landung. Auf einen eventuellen Notfall bei der Pazifik-Überquerung hatte sich der frühere Militärpilot intensiv vorbereitet: «Wenn alles schief läuft, kann ich immer noch mit dem Fallschirm, einem Rettungsboot und Versorgungsgütern abspringen», hatte er vor dem Start der siebten Etappe in China erzählt.

Flugplan hängt auch weiterhin vom Wetter ab

Borschberg wechselt sich mit Piccard bei den Flugetappen ab. Solar Impulse 2 war Anfang März im Golfemirat Abu Dhabi gestartet und über Indien, den Himalaya und China nach Japan geflogen. Als nächstes steht die kürzere Pazifik-Überquerung von Hawaii an die US-Westküste an.

Der Abflugtermin hängt vom Wetter ab, vielleicht geht es schon in der kommenden Woche weiter. Zeit genug für eine Verschnaufpause auf Hawaii. Vielleicht werde er in den nächsten Tagen Wellenreiten gehen, sagte Borschberg, was man dem Abenteurer aufs Wort glaubt.

14 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Bei der Solar Impuls werden zukunftsweisende Technologie eingesetzt. Einige werden sich vielleicht durchsetzen, andere nicht. Auf jeden Fall gehören der Zukunft effiziente Energieformen oder Gewinnung, die auch nachhaltig und beherrschbar sind. Um so mehr geniale, innovative Menschen sich bei solchen Projekten einbringen, umso schneller werden sich gute Entwicklungen auch grosstechnisch durchsetzen. Aus Rückschlägen kann auch gelernt werden. Wenn sich Teams bilden, kann es zu Synergien kommen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Armin Thürig, Udligenswil
    Die Idee, mit Solarkraft um die Welt zu fliegen ist schon fantastisch, umso grösser noch die Leistung des ganzen Team um B. Piccard, die es Wirklichkeit werden lassen. Wir hoffen Alle auf ein gutes Ende und damit ist die Solarkraft ein grosses Stück weiter in der Verbreitung Ihrer Wichtigkeit für unsere Zukunft. Herzlichen Dank und Gratulation nach Hawaii.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stephan Kormann, Bern
    Ein wahrhaft historischer Moment. Ein kleiner Schritt für André Borschberg. Ein grosser Schritt für die Menschheit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen