Sommer 2016: kein Entzücken für die Mücken

20'000 Mal wird die Schweizerische Unfallversicherung Suva jährlich wegen Unfällen belangt, die von Wespen, Zecken & Co. verursacht worden sind. Im laufenden Jahr allerdings gönnt dieser Teil der Fauna der Versicherung eine Atempause. Wegen des Wetters. Einen Spielverderber gibt es indes.

Eine Wespe sitzt auf einem grünen Blatt.

Bildlegende: Der Wespe fehlte es an tierischem Eiweiss. Ihre Brut fiel 2016 entsprechend mager aus. Getty Images

Die Zahlen des Unfallversicherers Suva zeigen: Der Sommer 2016 dürfte für Wespen eher unerfreulich gewesen sein. Und die Zahlen sind eindrücklich: Im Juli und August dieses Jahres registrierte die Suva nur 364 Meldungen wegen Wespenunfällen. Das sind fast sechs Mal weniger als letztes Jahr. Damals waren es über 2100.

Auch bei den Bienen zeigt die Statistik einen Rückgang: Im Juli und August 2016 registrierte die Suva lediglich 520 von Bienen verursachte Unfälle. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum fast doppelt so viele gewesen.

Zecken vom Wetter unbeeindruckt

Insgesamt verursachen Wespen, Bienen und andere Insekten nach Angaben der Suva pro Jahr etwa 20'000 Unfälle. Wespen sind für rund 3000 Unfälle im Jahr verantwortlich, Bienen für rund 2300, wie die Suva diesen Sommer mitgeteilt hat. Die Hälfte aller Unfälle aber geht auf Kosten der Zecken.

Wegen der Bisse der kleinen Blutsauger gingen im ersten Halbjahr 2016 laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) hochgerechnet 21'900 Personen zum Arzt. Das war der höchste Wert seit Einführung der Überwachung 2008. Letztes Jahr hatte das BAG in derselben Zeitspanne lediglich rund 14'300 Arztbesuche gemeldet. Ganz offensichtlich hat den Zecken das spezielle Sommerwetter behagt.

Hungerjahr für Bienen und Wespen

Weniger Wohlfühlprogramm habe es für Bienen, Wespen und Steckmücken gegeben, sagt Christian Schweizer von Agroscope. Während im feuchten Frühling des Jahres noch von einer Mücken- und Wespenplage fabuliert worden ist, erwies sich das trockene Juli-/August-Wetter als arge Zäsur. Fehlendes Bodenwasser und zu grosse Hitze habe die Fortpflanzungs-Rate der Tierchen einknicken lassen, erklärt Schweizer.

Während die Frühlingsmonate sehr nass waren, fiel der Sommer wärmer als üblich aus. Die Augusttemperatur lag laut SRF Meteo 1,1 Grad über der Norm. Gleichzeitig fiel weniger Regen als üblich. Wegen der Trockenheit fehle es den Tieren am Nahrungsangebot, sagt Schweizer.

«Es hat wenig Früchte am Boden, und die Wiesen sind trocken bis dürr.» Den Wespen mangle es überdies an tierischem Eiweiss, weil es beispielsweise nur wenige Raupen gebe. Tierisches Eiweiss verwenden die Wespen, um ihre Brut zu ernähren.

Düster sah der Sommer auch für die hilfreichen Bienen aus. «Das Blütenangebot ist nicht riesig, das sieht man beispielsweise auch beim Wandern», sagt Schweizer. Die Imker könnten aber beim Futter nachhelfen.

Nicht nachhelfen kann man beim Wetter. Und das wird in den nächsten Tagen allfällig verbliebene Insekten-Träume zunichte machen. Der Herbst wird nämlich ihr vorläufiges Ende einläuten.

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Mücke.

Keystone

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