Sonnenfinsternis 2015: Als die Sonne ihr Lächeln zeigte

Die Sonnenfinsternis 2015 ist vorbei. In der Schweiz herrschte fast überall klare Sicht auf das Spektakel. Mond und Sonne zeigten sich von ihrer besten Seite. Über dem Nordatlantik konnte sogar eine totale Sonnenfinsternis bewundert werden.

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Faszinierendes Naturschauspiel

2:14 min, aus Tagesschau am Mittag vom 20.3.2015

Westeuropa hat ein seltenes Himmelsschauspiel erlebt: Eine partielle Sonnenfinsternis liess den sonnigen Frühlingstag vorübergehend merklich dunkler und kühler werden. Am Vormittag begann der Mond, sich langsam vor die Sonne zu schieben.

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Die totale Sonnenfinsternis über Spitzbergen

0:25 min, vom 20.3.2015

Top Wetter für beste Sicht

Von etwa 9.30 Uhr an liess der durchziehende Mond die Sonne zuerst als angebissenes Guetsli erscheinen, dann als dickes und später mageres Gipfeli. Kurz nach 10.30 Uhr, zum Höhepunkt des Spektakels, war die Sonne eine Sichel. Kurz vor Mittag war der Mond an der Sonnenscheibe vorbeigezogen – die Sonne erschien wieder rund.

Weil der Himmel in der Schweiz fast überall blau war, war das Spektakel von der eigenen Haustür aus ohne Einschränkung zu sehen. Kurz vor 10.30 Uhr wurde es in Bern merklich dunkler.

Alle Brillen ausverkauft

Schon vor Freitag waren die speziell für Sonnenbeobachtungen angefertigten Schutzbrillen vielerorts ausverkauft, unter anderem wegen der guten Wetterprognosen. Und auch die Sternwarten hatten vorgesorgt: In ihren Observatorien führten sie Interessierten das Spektakel vor und gaben Erläuterungen dazu ab.

Auch auf den Berner Hausberg Gurten kamen die Menschen, um die Finsternis zu beobachten. Es seien rund 200 Personen mehr mit der Bergbahn aus der Stadt gekommen als an einem Freitagmorgen üblich, hiess es bei der Gurtenbahn. Unter ihnen seien auch Schulklassen und Interessierte mit Teleskopen und Fotoapparaten gewesen.

Durchwachsenes Wetter in Europa

In Deutschland konnten Himmelsgucker vor allem in der Mitte und im Süden gut beobachten, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach sagte. In Westen und Nordwesten hingehen lag zäher Hochnebel. Im Osten und Nordosten war die Finsternis trotz Wolken mancherorts zu beobachten.

Vielen Franzosen dagegen nahmen dichte Wolkenfelder und Dunst die Freude an der Sonnenfinsternis. Über Paris und den meisten Teilen des Landes war das Naturschauspiel nicht wahrnehmbar.

Auch in den meisten Teilen Grossbritanniens haben dicke Wolken den Blick auf die Sonne versperrt. Immerhin kamen Schaulustige an den berühmten Steinkreisen Stonehenge in Südengland kurzweilig auf ihre Kosten: Dort rissen die Wolken kurz auf und gaben die Sicht auf die Sonne frei.

Stromnetze bestehen «Stresstest»

Die Stromnetzbetreiber in Europa blickten der Sonnenfinsternis gespannt entgegen. Mit der steigenden und abnehmenden Abdeckung der Sonne war die Solarenergieproduktion hohen Schwankungen ausgesetzt. Nach intensiven Vorbereitungen kann ein durchwegs positives Fazit gezogen werden. «Alles ist perfekt gelaufen», bilanziert Swissgrid-Sprecher Andreas Schwander.

Im Verlaufe der Verdunkelung sei die Solarenergie-Menge in Europa von 26 auf 11 Gigawatt runtergebrochen. Kurz vor Mittag sei sie dann auf 37 Gigawatt hochgeschnellt. «Ein Riesensprung», wie Andreas Schwander weiter mitteilt. In der Schweiz ist der Anteil von Solarstrom mit rund einem Prozent gering.

Aber auch in Deutschland, wo der Anteil Solarenergie vergleichsweise hoch ist, haben die Stromnetze der «Belastungsprobe» problemlos standgehalten. Bei der letzten vergleichbaren Sonnenfinsternis 1999 gab es kaum Solaranlagen in Deutschland.

Tiere blieben cool

Während das Naturereignis in vieler Munde war und auch im Internet eifrig kommentiert wurde, blieb die Tierwelt gelassen. Vierbeiner und Vögel hätten keine auffälligen Reaktionen gezeigt, hiess es im Zoo Zürich, im Zoo von Servion (VD) in der Nähe von Lausanne und in der Vogelwarte in Sempach (LU).

#SoFi: Das Beste aus dem Netz

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Sonnenfinsternis: Licht weg, Strom weg?

    Aus Einstein vom 19.3.2015

    Am 20. März wird die Sonne partiell in den Mondschatten eintreten. Bei schönem Wetter könnten dann innert kurzer Zeit bis zu 30 Gigawatt an Solarstrom ausfallen. Für die Stromnetzbetreiber wäre das, als ob jemand weltweit 30 grössere AKWs ausschaltet. Seit einem halben Jahr bereiten sie sich deshalb auf diesen Tag vor, um ein Black-Out zu vermeiden. «Einstein» ist in der Kommandozentrale von Swissgrid dabei.