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Der neue Video Komprimierungsstandard H.266 könnte die Netze entlasten.
abspielen. Laufzeit 04:09 Minuten.
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Überlastete Netze Videos auf einen Viertel ihrer Grösse schrumpfen

Streaming Dienste bringen das Internet an seine Grenzen. Eine neue Komprimierung könnte die Netze entlasten.

Unser Hunger nach bewegten Bildern aus dem Internet hat Konsequenzen: Auf dem Breitbandnetz der Swisscom stammen 75 Prozent der Daten von Streaming-Diensten wie Netflix, YouTube oder Swisscom TV.
Die Tendenz ist stark steigend und das, obwohl die Videos stark komprimiert sind, ihre Datenmenge also vor der Übertragung verringert wurde.

Grafik, die den steilen Anstieg des Datenverbauches illustriert.
Legende: Videodaten belasten die Netze wie kein anderes Medium. Swisscom

Heute sind hochqualitative Videos in 4K-Auflösung (UHD) keine Seltenheit, bereits stehen die ersten 8K-Fernseher in den Geschäften. Das hat Auswirkungen: Ein UHD-Video ist viermal grösser als ein HD-Video, ein Film in 8K-Auflösung achtmal grösser. Der Netzwerkausrüster Cisco schätzt, dass sich die Menge der Videodaten zwischen 2017 und 2022 vervierfachen wird.

Nun hat das Frauenhofer Heinrich-Herz-Institut mit dem neuen Komprimierungsstandard H.266 eine Lösung vorgestellt, die helfen kann, das Problem der überlasteten Netze zu entschärfen.

Filmsequenzen in Einzelteile zerlegen

Musik oder Filme komprimieren ist wie Päckli-Suppe produzieren: Um die Suppe für den Transport leichter zu machen, entzieht der Hersteller das gesamte Wasser bis nur noch ein Pulver übrigbleibt. Der Konsument kehrt den Prozess um, indem er Wasser wieder hinzufügt.

Beim Komprimieren analysiert raffinierte Software, ein sogenannter Codec, einerseits die Unterschiede zwischen den Bildern einer Sequenz und andererseits den Aufbau der einzelnen Bilder. Der Codec beseitigt überflüssige Informationen und Details, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind.

Spricht zum Beispiel ein Protagonist vor einem statischen Hintergrund in die Kamera, legt die Software die Daten für den Hintergrund einmal ab und konzentriert sich dann über längere Zeit nur noch auf die Veränderungen im Bild, also die Bewegungen der Person, die Lippen beim Sprechen oder die Mimik.

Während wir entspannt eine Serie geniessen, läuft im Hintergrund auf unseren Geräten also ein komplexer Prozess ab: Der Codec setzt aus unzähligen Bildteilen und mithilfe einer Anleitung wieder einen ganzen Film zusammen.

Der neue Codec H.266 schrumpft Bewegtbilder noch raffinierter und deshalb effizienter als die Vorgängerversionen. Videos, die mit der neusten Version komprimiert wurden, sind im Vergleich zum älteren H.264 nur noch ein Viertel so gross – bei gleichbleibender Qualität. Statt 1 Gigabyte bei H.264 müssen wir nur noch 250 Megabyte herunterladen.

Wer macht das Rennen?

Das Fraunhofer Institut HHI gehört zur Weltspitze bei der Komprimierung von Mediendaten. Vor 20 Jahren haben die Wissenschaftler aus Berlin den MP3-Standard für Musik veröffentlicht, ein paar Jahre später folgte der Video-Codec H.264.

Dieser Komprimierungsstandard gehört heute noch zu den meistgenutzten der Welt und das, obwohl der Nachfolger H.265 von 2013 stärker komprimieren könnte. Doch das Lizenzmodell für H.265 ist so komplex, dass industrielle Grössen wie Google oder Netflix darauf verzichten und lieber ihren eigenen lizenzfreien Codec einsetzen, den AV1, auch wenn der weniger stark schrumpfen kann.

Das Fraunhofer Institut hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und für H.266 das Lizenzmodell angepasst. Ob der Codec gleich erfolgreich sein wird wie sein Grossvater H.264, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. So lange wird es dauern, bis der neue Standard in einem Chip integriert ist und dann den Weg in unsere Geräte gefunden hat.

SRF 4 News, 15.10.20, 08:15 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mahler  (pm1106)
    Es ist einfach absurd, wieviel Internetkapazität und damit Energie und (in den meisten Weltregionen) Kohle für die Energieerzeugung drauf gehen bloss für die schnelle Unterhaltung am Bildschirm.
    Und jeder weitere Ausbau der Kapazitäten wird sofort aufgefressen von noch mehr K bei Streaming und Gaming. Wird dazu führen dass das www nicht mehr frei verfügber sein wird sondern bevorzugt für jene die mehr zahlen. Die Umweltkosten werden wieder sozialisiert.
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  • Kommentar von Jonathan Wolff  (Nathanloup)
    Ich bin mit richtigem, 1080p, immer noch sehr zufrieden! Nicht einmal das ist ja bereits standard.
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    1. Antwort von Alfons Bauer  (frustriert)
      WUXGA hätte meiner Meinung nach Standard werden sollen. 1920x1200 Pixel. Leider hat die IT-Branche sinnlos den TV-Standard übernommen, weil diese Bildschirme schon in Massen bereitlagen.
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  • Kommentar von Flurin Amsler  (Fluamsler)
    @Redaktion:
    Ein 8K-Video ist nicht achtmal, sondern 16x grösser. 1080p hat etwas über 2 Megapixel (MP), 4K ca. 8.2 MP und 8K ca. 33.2 MP.
    Das andere Problem sehe ich beim Stromverbrauch sowie der höheren Wärmeentwicklung, um die Frames zu decodieren. Und einen merkbaren Unterschied sieht man auch erst ab ca. 75“
    Ich denke für die meisten Konsumenten reichen 4K noch längere Zeit aus. Zudem wird es in absehbarer Zeit wohl keine Nachfolge der 4K Blu-Ray geben.
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    1. Antwort von Chruti Da Goya  (Νικος)
      Blu-Ray, was war das nochmal?
      Im Ernst wer kauft denn heute noch Filme auf DVD, oder Blu-Ray, wird doch alles nur noch gestreamt.

      Moment... bei mir läuft gerade Deep Purple auf der Akai GX-630D aber Filme schaue ich mir trotzdem nicht mehr auf Super8, VHS, DVD oder Blu-Ray an. :-)
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    2. Antwort von Chruti Da Goya  (Νικος)
      lach, da sind die haters wohl noch älter als ich...
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