Weiterer Rückschlag für die private Raumfahrt

«SpaceShipTwo» sollte den Traum vieler Weltraum-Touristen erfüllen. Vorerst wird nicht weiter geträumt. Die private Passagierraumfähre, die im kommenden Jahr erstmals Weltraum-Touristen transportieren sollte, ist abgestürzt.

Video «Wrackteile von «SpaceShipTwo» in der Wüste (unkommentiert)» abspielen

Wrackteile von «SpaceShipTwo» in der Wüste (unkommentiert)

0:26 min, vom 31.10.2014

Das private Raumflugzeug «SpaceShipTwo» ist bei einem Testflug im US-Bundesstaat Kalifornien abgestürzt. Das Unternehmen Virgin Galactic, das das Gefährt mitentwickelt hat, sprach von einer «ernsthaften Unregelmässigkeit» während des Fluges. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt.

Ein Pilot tot

Nach Polizeiangaben kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere wurde schwer verletzt. Amerikanische TV-Sender zeigten Bilder mehrerer Wrackteile in der Mojave-Wüste.

«SpaceShipTwo», hier bei einem Testflug 2010, sollte ab 2015 Weltraum-Touristen befördern.

Bildlegende: «SpaceShipTwo», hier bei einem Testflug 2010, sollte ab 2015 Weltraum-Touristen befördern. Keystone

Ersten Angaben zufolge war «SpaceShipTwo» von einem Flughafen rund 150 Kilometer nördlich von Los Angeles abgehoben. Es wurde zunächst von einem Trägerflugzeug in rund 1,5 Kilometer Höhe gebracht und dann ausgeklinkt. Nur wenig später stürzte es ab.

Die US-Flugkontrollbehörde FAA teilte mit, kurz nach der Abkoppelung den Kontakt zu dem Raumflugzeug verloren zu haben. Das Trägerflugzeug «WhiteKnightTwo» hingegen sei sicher gelandet, so Virgin Galactic.

Erster Test seit Januar

Es war der erste Test des Raumgleiters mit Raketenzündung seit Januar. Nach Angaben von Experten wurde diesmal eine andere Treibstoffmischung als zuvor getestet.

Die Passagierraumfähre sollte den Planungen zufolge vom kommenden Jahr an Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten. Die Maschine bot Platz für zwei Piloten und sechs Passagiere. Sie sollten bei ihren Reisen das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können. Die Bullaugen-Fenster des Gefährtes waren deutlich grösser als in normalen Passagierflugzeugen.

Weiterer Schlag für die private Raumfahrt

Der Unfall ist der zweite schwere Schlag für die private Raumfahrt innerhalb weniger Tage. Erst am vergangenen Dienstag war der unbemannte US-Raumtransporter «Cygnus» Sekunden nach dem Start in Florida explodiert. Er sollte mehrere Tonnen Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS bringen.

Stichwort: Die Passagierraumfähre «SpaceShipTwo»

Das «SpaceShipTwo» war ein privates Raumflugzeug, das im Auftrag der Unternehmen Virgin Galactic und Scaled Composites entwickelt wurde. Hinter dem Projekt stand neben anderen der britische Unternehmer Richard Branson, der damit ins Geschäft für den Weltraumtourismus einsteigen wollte. Die Maschine war etwa 18 Meter lang und für eine Geschwindigkeit von 4200 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Die maximale Flughöhe sollte 110 Kilometer betragen.Seit einigen Jahren wurde der Flugablauf mit dem «SpaceShipTwo» getestet. Die erste Reise mit zahlenden Passagieren wurde immer wieder verschoben und sollte laut Branson 2015 stattfinden. Rund 700 Menschen sollen bereits Flugtickets für je 250'000 US-Dollar gebucht haben. Auch Prominente wie Angelina Jolie, Justin Bieber und Tom Hanks sollen auf der Liste gestanden haben