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Entdeckung von neuem Planeten «Wir wollen verstehen, warum wir hier sind»

Der Fund des erdähnlichen Exoplaneten LHS 1140b gilt als Meilenstein in der Weltraumforschung. Es sei der bisher beste Kandidat für die Suche nach ausserirdischem Leben, sagt Weltraumforscher Willy Benz.

Infografik
Legende: SRF

Forscher in den USA haben die Entdeckung einer sogenannten «Super-Erde» verkündet. Es handelt sich um einen Exoplaneten, der unserer Erde sehr ähnlich sein soll. Die Entdeckung weckt grosse Hoffnungen für die Suche nach Leben im Universum. Gerade in einer Zeit, in welcher regelmässig sensationelle Resultate im Gebiet der Weltraumforschung präsentiert werden.

Mit der Suche nach Leben auf Exoplaneten beschäftigt sich auch die Universität Bern. Weltraumforscher und Professor Willy Benz erklärt im Interview, wieso diese Entdeckung so bahnbrechend ist und weshalb die Suche nach ausserirdischem Leben von grosser Bedeutung ist.

SRF News: Willy Benz, es scheint, als würde alle paar Wochen ein weiterer Exoplanet entdeckt. Wieso diese Häufung?

Willy Benz: Eine Häufung ist es eigentlich gar nicht. Seit der ersten Entdeckung vor 22 Jahren wurden mehr als 3‘000 Exoplaneten gefunden. Im Durchschnitt wird also alle drei Tage ein neuer Planet entdeckt. Die Häufung der Schlagzeilen hängt damit zusammen, dass nun vor allem auch kleinere, erdähnliche Planeten entdeckt werden. Und da wird’s richtig interessant. Erdähnliche Planeten mit «lauwarmen» Temperaturen erlauben nämlich die Existenz von flüssigem Wasser und bieten damit eine Voraussetzung für mögliches Leben.

Warum stecken die Forscher nun gerade in LHS 1140b derart grosse Hoffnungen?

Dieser Exoplanet ist besonders, weil er von der Zusammensetzung her der Erde am ähnlichsten ist. Daher der Optimismus. LHS 1140b ist ein steiniger Planet und befindet sich in einer guten Distanz zum Stern, den er umkreist. Das macht diesen Exoplaneten zu einem geeigneten Ort für die Suche nach Lebenszeichen.

Lauwarme Temperaturen erlauben die Existenz von flüssigem Wasser und bieten damit eine Voraussetzung für mögliches Leben.
Autor: Willy BenzWeltraumforscher Bern

Wann weiss man, ob es auf LHS 1140b Leben gibt?

Legende: Video Wo die neue «Super-Erde» entdeckt wurde (unkomm.) abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Vom 20.04.2017.

Das braucht noch etwas Zeit, da dafür neue Instrumente gebraucht werden. Diese sind heute in der Bauphase und werden in den nächsten Jahre in Betrieb sein. Momentan geht es darum, geeignete Kandidaten zu suchen für die weitere Forschung. Wenn wir nach Leben suchen wollen, müssen wir nämlich zuerst wissen, wo wir am besten suchen müssen. Aber man sollte sich da keine falschen Vorstellungen machen. Falls wir Zeichen von Leben finden, werden wir nicht Fotos von Bäumen und Käfern sehen. Sondern wir werden Daten haben, aus denen wir Rückschlüsse auf Leben ziehen können.

Weshalb ist die Erforschung solcher Exoplaneten so bedeutend?

Der Sinn unserer Forschung ist es, zu verstehen, warum wir hier sind. Warum gibt es die Erde, warum gibt es Leben auf der Erde. Lange wurde diese Frage nur theologisch und philosophisch diskutiert. Wissenschaftlich fehlen uns momentan die Beweise, um diese Fragen zu beantworten. Wenn wir nun irgendwo im Universum Leben finden, dann können wir Vergleiche anstellen und verstehen, was es überhaupt benötigt für Leben, wie wir es kennen. Das ist eine wahnsinnig spannende Reise.

Das Gespräch führte Michael Weinmann.

Infografik
Legende: SRF

Willy Benz

Willy Benz

Seit 1997 ist Willy Benz Professor am Physikalischen Institut der Universität Bern, das er seit 2002 leitet. Er studierte Physik unter anderem an der Universität Neuchâtel und an der Harvard University. Für sein Engagement in Lehre und Forschung wurde er mehrfach ausgezeichnet.

15 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Sollte es dort Leben geben hoffe ich, dass es ethisch fortgeschrittener ist als hier auf der Erde, ansonst wehe wenn SIE uns finden..
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Ich finde, diese Forschung ist höchstens eine unnütze Verschwendung von Geldern, die man mit grössere Nutzen einsetzen könnte. Bei allem menschlichen Hochmut, bei allem eingebildete Wissen werden diese Fragen niemals beantwortet werden können. Übrigens, diese eine Frage nach dem "warum" würde unzählige weitere Fragen nach sich ziehen, und das in der Endlosschleife
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    1. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      Liebe Frau Rub, allein die Tatsache, dass Sie in einer warmen Stube sitzen können und auf einem Computer diese Worte via Glasfaserkabel mit einem Klick an die gesamte Menschheit senden können, verdanken Sie der Wissenschaft. Handies, GPS, Glaskeramik, Compuertomographen, Impfungen... alles Errungenschaften der Wissenschaft und ohne Grundlagenforschung wie diese nicht machbar. Es gibt keinen Punkt an dem man sagen könnte:"So, jetzt gehts uns gut genug, lasst uns mit dem Forschen aufhören!"
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    2. Antwort von Marc Furrer (mfurrer)
      Vielleicht sollten wir zuerst mal lernen, die ungeheure Verschwendung von Geld und Ressourcen in Kriegen & Kriegsmaterial in besseren Nutzen umzusetzen, bevor wir den Forschungs- und Entdeckungsdrang beschneiden…
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Erfrischender Dialog aus dem Comic "Calvin und Hobbes", aus der Erinnerung zitiert: Calvin: "Warum sind wir hier?" Hobbes: "Weil wir hierher gegangen sind." Calvin: "Nein, ich meine, warum existieren wir überhaupt?" Hobbes: "Weil wir geboren wurden." .... Ende des Dialogs, ein paar Comic-Bilder weiter: Calvin: "Vergiss es!". Hobbes: "Mach' ich, danke!" - Ich kann beides gut verstehen: die philosophische Ader des sechsjährigen Calvin wie auch die "Down-to-Earth"-Reaktion des Tigers Hobbes...
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