Wissenswertes und Kurioses rund um den Nobelpreis

Kurz vor seinem Tod hat der schwedische Industrielle und Forscher Alfred Nobel (1833-1896) sein Vermögen einer Stiftung vermacht. Ihr Ziel: Diejenigen zu ehren, die «im verflossenen Jahr der Menschheit den grössten Nutzen geleistet haben.» Zahlen, Fakten und Kurioses zur Prestige-Auszeichnung.

Viel Prestige – und viele Geschichten

Ungleiche Geschlechterverteilung:

825 Männer und lediglich 49 Frauen erhielten bisher einen Nobelpreis. Das krasse Missverhältnis lässt sich indes gesellschaftlich erklären: Viele der prämierten Forscher gehören Generationen an, in denen die Naturwissenschaften als Männer-Bastion galten. Auch fällt das Geschlechterverhältnis bei den Friedens- und Literatur-Auszeichnungen ausgeglichener aus.

Von Alt bis Jung

Die ältesten Preisträger wurden beide 2007 ausgezeichnet: Mit 90 Jahren erhielt der US-Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz den Nobelpreis. Bei den Frauen ist die britische Schriftstellerin Doris Lessing (88) die älteste unter den Prämierten. Die jüngste Preisträgerin ist Kinderrechtlerin Malala Yousafzai. Sie war gerade 17 Jahre alt, als sie 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Der jüngste männliche Nobelpreisträger ist der britische Physiker William Lawrence Bragg. Er erhielt den Nobelpreis 1915 im Alter von 25 Jahren.

Der Nobelpreis als US-Domäne:

Im Länder-Ranking führen die USA unangefochten mit 258 Preisträgern – mit Ausnahme der Literatur sind sie in allen Kategorien führend. Böse Zungen begründen dies mit der besten Lobby-Arbeit – tatsächlich trugen dazu aber auch die weltweit führenden Universitäten und die grosse Zahl an europäischen Exilanten in den Kriegsjahren bei.

Die Schweiz zählt laut Auslegung des Nobelpreis-Kommitees offiziell 16 Preisträger. Inoffiziell sind es 27, da einige Preisträger im Laufe ihres Lebens mehrere Staatsbürgerschaften inne hatten. Dazu kommen neun Auszeichnungen für Organisationen, die ihren Sitz in der Schweiz haben. Zuletzt wurde 2007 der Weltklimarat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Organisation hat ihren Sitz in Genf. Die Schweiz zählt gemessen an der Bevölkerungszahl mehr Nobelpreisträger als jedes andere Land.

Produktive Eheleute:

Bereits fünf Ehepaare haben bewiesen, dass sich Privat- und Arbeitsleben bestens vereinen lassen. Prominentestes Beispiel: Marie und Pierre Curie (1903). Letzterer überzeugte das Nobelpreiskomitee erst mit einem Schreiben vom Anteil seiner Frau an der bahnbrechenden Arbeit mit radioaktiven Substanzen.

«Verhinderter» Preisträger:

Den Nobelpreis können nur lebende Personen oder Personen, die zum Zeitpunkt der Nominierung noch leben, erhalten. Der designierte Preisträger Mahatma Gandhi wurde wegen dieser Regelung nicht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Gandhi wurde 1948 vor dem Stichtag erschossen. Der Friedensnobelpreis wurde schliesslich nicht vergeben – es gebe «keinen geeigneten lebenden Kandidaten», schrieb das Komitee.

Politische Verstimmungen:

Die Nobelpreis-Vergabe stösst nicht immer auf Verständnis. So sorgte etwa die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama (2009) für geteilte Reaktionen. Doch der Unmut hat Tradition: In den 1930er-Jahren reagierte das Nazi-Regime scharf auf die Auszeichnung für den KZ-Häftling und Pazifisten Carl von Ossietzky; auch der chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo erhielt 2010 als politischer Gefangener den Friedensnobelpreis. Die chinesische Führung war darüber nicht erfreut.

Der Russe Boris Pasternak verzichtete gar auf den Literaturnobelpreis – aus Angst vor Repressalien durch das Sowjet-Regime, das seine Prosa für nicht linientreu befand. Die düpierten Regimes reagierten mitunter mit alternativen Prämierungen: Hitler richtete 1937/38 den «Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft» ein; China vergibt nach dem Eklat von 2010 den Konfuzius-Friedenspreis.

«Alternative» Nobelpreise:

Als der eigentliche «Alternative Nobelpreis» gilt der «Right Livelyhood Award», der seit 1980 vergeben wird. 2014 wurde beispielsweise «Whistleblower» Edward Snowden prämiert. 2015 wurde unter anederem der italienische Friedensaktivist Gino Strada ausgezeichnet.

Weniger ernst nimmt sich der Ig-Nobelpreis: Der «Anti-Nobelpreis» prämiert wissenschaftliche Leistungen, «die Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen.» Preisträgerin ist etwa die deutsche Biologin Sabine Begall – sie fand heraus, dass Hunde ihre Position beim Urinieren nach dem Magnetfeld der Erde ausrichten.

Über 100-jährige Tradition

Über 100-jährige Tradition

Die ersten Preise wurden 1901 in der Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen – obwohl der Erfinder des Dynamits kein ausgesprochener Freund der «weichen Wissenschaften» war.