33. Rüeblimärt in Aarau: «Gastgemeinde» Gunzgen

Tausende von Menschen haben sich von Regen und Kälte nicht abschrecken lassen: Sie schlenderten am Mittwoch durch die Aarauer Altstadtgassen und bewunderten Rüebli und Karotten-Produkte in allen Variatonen am 33. Aarauer Rüeblimärt. Marktfahrer und Gäste kommen dabei nicht nur aus der Region.

«Wir sind aus Chur angereist. Im letzten Jahr waren wir am Zibeli-Märet in Bern, in diesem Jahr wollten wir an den Rüeblimärt», erklärt ein Passant dem SRF-Reporter. «Wir kommen aus dem Glarnerland. Ich schätze die gemütliche Atomsphäre und die vielen verschiedenen Rüebli-Sorten. Ich war schon einmal hier», meint eine Frau.

140 Stände mit Rüebli in allen Farben

Der Rüeblimärt in Aarau ist eine regelrechte Touristen-Attraktion geworden. Etwa 140 Marktfahrer präsentieren am ersten Mittwoch im November ihre Produkte: Neben den verschiedensten Karottensorten werden auch allerlei verarbeitete Rüebli feil geboten. Rüeblitorten, Rüeblibrot, Rüeblimuffins, Rüebli-Teigwaren, Rüebli-Konfitüre, Rüebli-Senf... Die Liste liesse sich noch beliebig verlängern.

Natürlich geht es nicht nur um Rüebli: Naturprodukte von Honig über Räucherfleisch bis hin zu Kirschenstein-Kissen liegen in den Auslagen. Einige Marktstände bieten auch Kunsthandwerk oder Kleider an. Dazu gibt es natürlich unzählige Verpflegungsmöglichkeiten, welche über Mittag auch von regionaler Laufkundschaft genutzt werden.

Solothurner «Rüebli» mit Dinkelspreu-Kissen

Einen ganz besonderen Marktstand betreibt Ruth Schürch aus Gunzgen im Kanton Solothurn. Neben Rüebli-Konfi und Rüebli-Senf verkauft sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Gisela Simon auch Dinkelspreu-Kissen. Diese sollen entspannend wirken, wie Schürch erklärt.

Kleiner Stand mit Rübli

Bildlegende: Ein ganz besonderer Stand: Auch Solothurnerinnen aus Gunzgen sind in Aarau mit ihren Rüebli präsent. SRF

Weshalb aber erhält eine Marktfrau aus dem solothurnischen Gäu am Rüeblimärt in Aarau einen Standplatz? Die Erklärung steckt in einer alten Gäuer Tradition. Demnach haben alle Gäuer Dörfer einen Übernamen, wie Ruth Schürch erklärt: Die Neuendörfer sind «Chropftauben», die Egerkinger werden «Chräie» genannt, Oberbuchsiter heissen «Chuze», die Härkinger sind «Frösche».

Die Gunzgerin Ruth Schürch aber wird wie alle im Dorf «Rüebli» genannt. Diese Bezeichnung sei auf die Zeit der grossen Auswanderungswelle in die USA zurück zu führen, geht also auf das 19. Jahrhundert zurück. «Damals haben die Gunzger für die Hungernden Rüebli angepflanzt», weiss Schürch zu erzählen.

Überregionale Präsenz

Und diese Geschichte erlaube es ihr, als Gunzgerin am Rüeblimärt zu sein. «Die Veranstalterin ist selber aus Gunzgen und weiss, dass wir Rüebli genannt werden. Deshalb hat sie uns eingeladen.» Nicht nur der Aargau ist also ein «Rüebliland», eine Exklave gibt es auch im Gäu.

So oder so ist der regionale Bezug der Marktfahrer aber nicht zwingend, wie es scheint. Seit zwölf Jahren bereits erhält man am Rüeblimärt zum Beispiel einen bekömmlichen Rüebli-Halbfett-Käse. Verkauft wird dieser von Käser Stettler. Aus Kappelen im Berner Seeland.

«Rüebliland» Aargau?

Der Aargau wird oft als Rüebliland bezeichnet. Woher die Bezeichnung stammt, ist unklar. Fakt ist: Nur auf gut 80 Hektaren Land werden im Aargau Karotten angepflanzt, nicht besonders viel. Die Bezeichnung könnte auch von «Rübenland» stammen und im Laufe der Zeit verwechselt worden sein. Zuckerrüben sind bis heute ein wichtiges Produkt.