Aargauer Förster brauchen keine Sonden. Sie haben Augen.

Es gibt Kantone, die setzen beim Ermitteln der Waldbrandgefahr auf Hightech. Mess-Sonden im Boden senden Feuchtigkeits-Daten an einen Computer. Im Aargau macht man das noch auf herkömmliche Weise. Man vertraut dem Spürsinn der Förster. Das scheint nicht schlechter zu sein.

Mann kniend auf Waldboden

Bildlegende: Von Hand kontrolliert Marcel Murri, stellvertretender Aargauer Kantonsförster, wie trocken der Waldboden ist. MARCO JAGGI/SRF

In den Kantonen Aargau und Solothurn gilt derzeit ein Feuerverbot im Wald und Waldrändern. Eine Wurst bräteln ist genau so verboten wie brennende Zigaretten-Stummel zu Boden werfen.

Zwar ist es in beiden Kantonen ähnlich trocken. Zustande gekommen sind die Feuerverbote aber auf sehr unterschiedliche Weise. Während sich der Kanton Solothurn auf Messdaten von Boden-Sonden abstützt, kommen im Aargau noch die Förster zum Zug.

«Der Förster ist der Fachmann»

Bleibt der Regen längere Zeit aus, beginnt der Kanton, zwölf ausgewählte Förster im Kanton anzurufen. Einmal pro Woche wird dann gefragt, wie sie die Lage einschätzen.

«Der Förster weiss, wie der Wald reagiert. Die meisten stehen seit 10, 20 oder 30 Jahren im gleichen Wald im Einsatz und wissen die Zeichen zu interpretieren», sagt Marcel Murri, der stellvertretende Kantonsförster.

Welke Blätter, rissiger Boden

Wir besuchen mit Marcel Murri den Gönhardwald am Stadtrand von Aarau. Er braucht nicht mehr als seine Augen, um anhand des trockenen Laubs am Boden die Waldbrandgefahr einzuschätzen. Auch die Feuchte im Boden drin ermittelt er ohne Schaufel oder Messgerät. Die Blätter an den Bäumen verraten ihm, wie viel Wasser noch im Boden ist.

Für den Aargau hat sich diese herkömmliche Methode bislang bewährt, findet der stellvertretende Kantonsförster. Murri vergleicht die Methode mit dem Hausarzt-Modell. Um die Waldbrandgefahr zu ermitteln, müsse man nicht zum Spezialisten und ein teures MRI machen. Eigentlich könnten sogar Laien darauf kommen, dass es nach drei Wochen ohne Regen trocken sei.

Mess-Sonden auch im Aargau?

Trotzdem überlegt sich der Kanton Aargau, künftig zusätzlich zu den Förstern auch noch Hightech einzusetzen und mit denselben Messdaten zu arbeiten, auf die sich andere Kantone bereits stützen, wenn sie die Waldbrandgefahr ermitteln.

Als Folge des Klimawandels könnte es nämlich im Aargau vermehrt zu Waldbränden kommen, glaubt Marcel Murri. Mit den Messdaten könnte dann ein Frühwarnsystem eingerichtet werden. Der Förster und sein Spürsinn wird damit aber noch lange nicht überflüssig.