Aargauer Kommission will Frühenglisch erst ab der 4. Klasse

Die grossrätliche Kommission für Bildung, Kultur und Sport (BKS) ist zwar einverstanden mit den Sparplänen der Regierung im Bildungsbereich, sie schlägt aber Änderungen vor. So will sie den Unterricht in Halbklassen nicht kürzen und stattdessen das Frühenglisch in der 3. Klasse streichen.

Schülerin zeigt mit Stock auf eine Wandtafel, wo geschrieben steht "I speak English"

Bildlegende: Englisch erst aber der 4. Klasse? Damit könnte der Aargau jährlich rund 3 Mio. Franken sparen, die Gemeinden 1,6 Mio. Keystone

Mehr als vierzehn Stunden lang hat die Kommission für Bildung, Kultur und Sport die Sparmassnahmen der Aargauer Regierung sowie den Aufgaben- und Finanzplan 2016-2019 diskutiert. Den meisten Sparvorschlägen im Bildungsbereich haben die Kommissionsmitglieder zugestimmt. Aber eben nur den meisten.

Keine Freude hat die Bildungskommission, dass die Regierung beim Halbklassen-Unterricht sparen will. Die Kommissionsmitglieder befürchten, dass ein Qualitätsabbau im Bereich der Kernfächer stattfindet, wenn der Unterricht in Halbklassen reduziert wird. Sie verlangt deshalb, dass die Regierung auf diese Sparmassnahme ganz verzichtet. Auch im Hinblick auf andere Kantone.

Der Aargau würde zum Sonderfall

Dass bei der Bildung gespart wird, das findet die Kommission grundsätzlich in Ordnung. Deshalb schlägt sie etwas anderes vor, um Millionen einzusparen. Die Kommission ist der Meinung, dass auf die drei Lektionen Englischunterricht an der 3. Klasse der Primarschule verzichtet werden kann.

Schülerin zeigt mit Finger auf eine englische Textpassage in ihrem Lernordner

Bildlegende: Noch gibt es keinen Kanton, in welchem die erste Fremdsprache erst ab der 4. Klasse unterrichtet wird. Keystone

Der Wert des Frühenglischs werde nicht grundsätzlich in Frage gestellt, schreibt die Bildungskommission am Mittwoch in einer Medienmitteilung. Eine Kommissionsmehrheit halte jedoch die Streichung des Frühenglischs in der 3. Klasse für weniger gravierend als die Reduktion des Halbklassenunterrichts in den Kernfächern.

Bildungsdirektor will beim Englisch nicht sparen

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler reagiert skeptisch auf den Sparvorschlag der Kommission. Kein anderer Kanton beginnt mit der ersten Fremdsprache erst in der 4. Klasse. Der Aargau würde also zum Sonderfall, gibt Hürzeler zu bedenken.

Zu Radio SRF sagt Alex Hürzeler: «Früh-Fremdsprachen ist ein interessantes Thema, das man durchaus anschauen kann, aber im interkantonalen Vergleich. Es gibt nationale Vorgaben, und es wird sehr schwierig, wenn man jetzt aus reiner Finanzoptik heraus einen Teil herausbricht. Auf Lehrmittel et cetera hätte das sehr grosse Auswirkungen.»

Halbklassenunterricht ist teurer

Die Anträge der Bildungskommission werden nun an die Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen weitergeleitet. Sie ist die federführende Kommission in dieser Angelegenheit und wird die Sparmassnahmen der Regierung aus finanzpolitischer Sicht prüfen.

Möglicherweise wird die Finanzkommission am Antrag der Bildungskommission wenig Freude haben. Mit der Reduktion des Halbklassenunterrichts könnte nämlich mehr gespart werden als mit dem Verzicht auf Frühenglisch in der 3. Klasse.

Während die Reduktion des Halbklassenunterrichts ab 2017 jährliche Einsparungen von 5,3 Millionen Franken bringt, kann der Kanton mit weniger Frühenglisch nur jährlich 3,1 Millionen sparen. Bei den Gemeinden würde die Streichung zu Einsparungen von 1,6 Millionen führen.

Die grossrätliche Kommission für Bildung, Kultur und Sport

Thomas Leitch-Frey (Präsidium)
SP
Kathrin Scholl-Debrunner
SP
Kathrin Hasler
SVP
Martin Lerch
SVP
Richard Plüss
SVP
Tanja Suter
SVP
Erwin Baumgartner
FDP
Sabina Freiermuth-Salz
FDP
Marianne Binder-Keller
CVP
Martin Steinacher-Eckert
CVP
Maya Bally Frehner
BDP
Melinda Bangerter
GLP
Eva Eliassen Vecko
Grüne

Es geht um Millionen

Soviel will die Aargauer Regierung im Bereich Bildung, Kultur und Sport sparen:

  • 2016: 26 Mio. Franken
  • 2017: 41 Mio. Franken
  • 2018: 47 Mio. Franken
  • 2019: 46 Mio. Franken

Das ganze Sparpaket der Regierung ist 150 Mio. Franken schwer. 120 Verwaltungsstellen sollen abgebaut und die Staatssteuer per 2018 um 1 Prozentpunkt erhöht werden.