Als die Hallwilersee-Schiffe noch ein Bahnzubringer waren

Die Hallwilerseeschifffahrt ist klein aber fein. Ihre Anfänge gehen ins 19. Jahrhundert zurück. Initiative Herren aus dem Seetal wollten auch den Bewohnern des rechten Seeufers den Zugang zur Eisenbahn ermöglichen. Heute ist einiges anders - wie eine Fahrt mit dem Kapitän zeigt.

Schiff auf Hallwilersee

Bildlegende: Klein aber fein: Von den 12 Millionen Passagieren auf Schweizer Seen hat die SGH letztes Jahr 136'000 befördert. SRF

Mit dem Schiff «Otto» nahm die im «Löwen» von Meisterschwanden gegründete Hallwilersee-Dampfschiffgesellschaft am 8. Juli 1888 offiziell den Betrieb auf zwischen Meisterschwanden, Birrwil und Beinwil. Der erste Fahrplan sah elf Überfahrten vor.

Vom Berufsverkehr...

Die Dampfschiffgesellschaft war ein Kind der Eisenbahn. 1883 wurde die Seethalbahn eingeweiht. Die linksufrigen Gemeinden am Hallwilersee erhielten mit der Bahn ein wichtiges Tor zur Welt, während Meisterschwanden und Seengen am anderen Ufer zum verkehrsmässigen Hinterland deklassiert wurden. Ein Schiff sollte auch diese Gemeinden der neuen Bahnverbindung näherbringen – so wurde die Dampfschiffgesellschaft ins Leben gerufen.

Hallwilersee Schiffstation Delphin

Bildlegende: Früher brachte das Schiff Einheimische zur Bahn - heute benutzen vor allem Touristen die Boote, jährlich knapp 140'00. SRF

Die Verkehrslage der rechtsufrigen Gemeinden verbesserte sich zunächst allerdings nicht. Laut Fahrplan benötigte die «Hallwyl» im Jahre 1889 rund 50 Minuten von Seengen bis Birrwil, der nächsten Schiffshaltestelle mit Eisenbahnanschluss.

...zum Massen-Tourismus

126 Jahre nach der Gründung ist vieles anders bei der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH). Der ursprüngliche Berufsverkehr wurde längst durch den Ausflugsverkehr abgelöst, die Dampfschiffe wurden durch Motorboote ersetzt, die Mitarbeiterzahl ist von zwei auf 54 angestiegen, und dieses Jahr mussten sogar die schönen Kartonbillette dem Fortschritt weichen.

Als einer der wenigen Schifffahrtsgesellschaften hat die SGH im Jahr 2013 mehr Passagiere befördert. Während schweizweit die Frequenzen um sieben Prozent gesunken sind, hat die SGH um drei Prozent zulegen können. Fast 136‘000 Passagiere wurden befördert.

Auf Natur Rücksicht nehmen

Der Zustrom an Passagieren zahlte sich jedoch für die SGH finanziell nicht aus. Der Gewinn schrumpfte von 31'000 auf noch knapp 26'000 Franken. Als Grund nennt die Schifffahrtsgesellschaft die Passagiere, welche mit Generalabonnement oder Halbtax-Abo unterwegs sind. An diesen Passagieren verdient die SGH weniger.

Trotz Zuwachs bei den Passagieren bleibt die SGH klein aber fein. Sie zählt nicht zu den Top 10 der grössten Schifffahrtsgesellschaften der Schweiz. Und ein Wachstum der Hallwilerseeschifffahrt ist nicht geplant. «Noch mehr Betrieb auf dem See würde der weiterhin intakten Seelandschaft schaden», hält Verwaltungsratspräsident Erich Nussli in der Festschrift zum 125-Jahr-Jubiläum von 2013 fest.