Anton Gehrig: «Man geniert sich schon»

Anton Gehrig aus Künten lernt mit 51 Jahren nochmals lesen und schreiben. Was er als Primarschüler verpasst hat, versucht er nun in einem Kurs für Erwachsene nachzuholen. Mit seiner Lese und Schreibschwäche ist er nicht alleine. Rund 800 000 Erwachsene sind in der Schweiz betroffen.

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«Buchstabensalat»

7:10 min, aus Schweiz aktuell vom 24.2.2016

Anton Gehrig aus dem aargauischen Künten besuchte wegen einer leichten Lernbehinderung eine heilpädagogische Schule.

Dort habe er zuerst Lesen und Schreiben gelernt, bei einem Lehrerwechsel sei es dann abwärts gegangen. «Wohl auch, weil ich in der Schule nur Blödsinn gemacht habe und mich nicht genug anstrengte.»

Er sei aber auch von niemandem richtig gefördert worden. Auch zu Hause nicht. Mit abgesägten Hosen sei er nach der obligatorischen Schulzeit dagestanden, ohne Chance auf eine Ausbildung.

«  Mein Ziel wäre, einmal eine Zeitung oder Zeitschrift lesen zu können. »

Anton Gehrig
Künten

Seither arbeitet er als Hilfsarbeiter und versucht seine Lese- und Schreibschwäche mit Ausreden wie, er habe seine Brille vergessen, zu kaschieren. «Man geniert sich schon, ich erzähle kaum jemandem davon.»

Die Wende brachte Gehrigs Chef, der Getränkehändler Rolf Aellig. Er stellte ihn unter der Bedingung an, dass er einen Schreib- und Lesekurs für Erwachsene besucht. Dort macht der 51-jährige, der das ABC nochmals von Grund auf lernen musste, langsam aber stetig Fortschritte.

Illetrismus

Anders als beim Analphabetismus, haben die Betroffenen von Illetrismus alle einen obligatorischen Schulabschluss hinter sich. Die Gründe, weshalb sie das Lesen und Schreiben nicht richtig lernen oder später wieder verlernen sind unterschiedlich.

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