«Biogen erfüllt die Wünsche von Luterbach, nicht umgekehrt»

Eine Milliarde Franken will der amerikanische Pharmazulieferer Biogen im solothurnischen Luterbach investieren. Das Unternehmen plant eine Medikamentenfabrik auf dem Borregaard-Areal. Am Donnerstag startet die öffentliche Mitwirkung. Inwiefern kann sich die Bevölkerung überhaupt einbringen?

Lange war unklar, wie die Zukunft der Luterbacher Industriebrache aussieht. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ende Juni verkündete die Solothurner Standortförderung ihren grossen Coup: sie holt den US-Pharmazulieferer Biogen auf das Borregaard-Areal. Nur gerade zwei Wochen später sprengte der Kanton zwei Gebäude dort in die Luft, um Platz zu machen für die Amerikaner. Und nun startet am Donnerstag das öffentliche Mitwirkungsverfahren.

SRF Regionaljournal Aargau Solothurn: Michael Ochsenbein, Sie sind Gemeindepräsident in Luterbach. Wie kann sich die Bevölkerung einbringen in diesem Mitwirkungsverfahren?

Es ist nach wie vor ein Planungsverfahren. Das heisst, es geht darum, was auf diesem Gelände passieren soll, und was nicht. Die Bevölkerung kann ihre Ideen eingeben.

Der Kanton Solothurn sprengte bereits zwei Gebäude weg, damit Biogen auf der grünen Wiese bauen kann. Da könnte man den Eindruck haben, dass dieses Bauvorhaben bereits fixfertig ist, dass da die Bevölkerung nicht mehr viel sagen kann...

Das stimmt nicht. Der Kanton hat einen Vorvertrag abgeschlossen mit Biogen, die politischen Verfahren sind aber erst am Laufen. Da kann man sich mit allem einbringen. Es ist aber richtig, dass im Vorfeld bereits viel gearbeitet wurde. Die Sprengungen auf dem Areal erfolgten auf eigenes Risiko des Unternehmens und des Kantons. Wenn das Planungsverfahren zeigt, dass das Projekt nicht möglich ist, oder wenn es dafür keine Baubewilligung gibt, dann war die ganze Vorarbeit umsonst.

Wie konkret kann sich die Bevölkerung denn einbringen? Kann sie sich zum Beispiel eine Baumallee wünschen, oder ein breites Trottoir?

Also ich muss ein bisschen relativeren. An der Grundidee der Nutzung gibt es nichts mehr zu rütteln. Diese hat die Bevölkerung vor gut einem Jahr gutgeheissen. Einbringen kann Sie sich mit genau solchen Ideen und Verbesserungsvorschlägen, wie Sie eben genannt haben.

Der Gemeinderat hatte zwei ausserordentliche Sitzungen, in denen er sich mit Biogen beschäftigte, und Wünsche des Pharmazulieferers bewilligte. Kann der Gemeinderat überhaupt noch Einfluss nehmen, oder kann er die Wünsche Biogens nur noch abnicken?

Das ist überhaupt nicht so. Wie bereits gesagt, haben wir das, was auf dem Gelände passieren soll, bereits vor einem Jahr aufgelegt. Und daran hat sich nichts geändert in der Zwischenzeit. Biogen muss sich daran halten, und will sich auch daran halten. Es ist also nicht so, dass der Gemeinderat die Wünsche von Biogen erfüllt, sondern umgekehrt. Biogen hat das Reglement angeschaut, was auf diesem Gelände möglich ist, und richtet sich danach. Deshalb ist es klar, dass es im Gemeindrat keine grossen Diskussionen gibt. Biogen macht genau das, was wir wollen.

(Bildquelle: zvg)