Zum Inhalt springen

Aargau Solothurn Bundesgericht schickt 14-jährige Muslima in den Schwimmunterricht

Das Bundesgericht bekräftigt in deutlichen Worten, dass die Integration vor der Religion kommen muss. Ein 14-jähriges Mädchen aus einer strenggläubigen muslimischen Familie im Aargau erhält keinen Dispens vom geschlechtergetrennten Schwimmunterricht in der Schule.

Legende: Video «Wegweisendes Urteil» abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 10.05.2013.

Die 14-Jährige besucht die zweite Klasse einer Bezirksschule im Aargau. 2011 ersuchte sie zusammen mit ihren Eltern darum, vom schulischen Schwimmunterricht befreit zu werden, der alle fünf Wochen nach Geschlechtern getrennt und unter der Leitung eines Lehrers stattfindet.

Burkini erlaubt

Muslima spaziert in einem violett-blauen Burkini am Strand von Newport in Kalifornien, der Anzug bedeckt ihren ganzen Körper, mit Ausnahme der Füsse, Hände und des Gesichts.
Legende: So sieht ein Burkini aus: Hier posiert eine Muslima an einem Strand in Kalifornien mit dem Ganzkörper-Anzug. Keystone

Das Dispensationsgesuch wurde von den zuständigen Behörden abgewiesen. Zu Recht, wie nun in letzter Instanz das Bundesgericht bestätigt hat. In ihrer Beschwerde hatte sich die Familie auf ihre Angehörigkeit zum schiitischen Glauben und ihr damit verbundenes besonders strenges Verständnis des Islam berufen.

Dieses erlaube der bereits geschlechtsreifen Tochter das Schwimmen unter männlicher Beobachtung des Lehrers selbst dann nicht, wenn sie den von der Schule akzeptierten Burkini trage. Hinzu komme, dass andere Männer sie durchs Fenster beobachten könnten.

Kein körperlicher Kontakt

Im Übrigen könne das Mädchen bereits schwimmen und besuche einen privaten Schwimmkurs für muslimische Mädchen. Das Bundesgericht verweist zunächst auf sein Grundsatzurteil von 2008: Gemäss diesem Entscheid geht der obligatorische Schulunterricht der Einhaltung religiöser Pflichten grundsätzlich vor.

Anders als im seinerzeitigen Fall sei hier zwar nicht ein junges Kind, sondern ein 14-jähriges Mädchen betroffen. Diesem Umstand habe die Schule indessen dadurch Rechnung getragen, dass der Unterricht nach Geschlechtern getrennt durchgeführt werde.

Wohl möge es zutreffen, dass Mädchen in diesem Alter lieber von einer Frau unterrichtet würden. Da die Betroffene bereits schwimmen könne, sei allerdings kein körperlicher Kontakt zum Lehrer notwendig. Zudem sei ihr das Tragen eines Burkinis erlaubt worden.

Idealvorstellungen aufgeben

Mit diesem Ganzkörperbadeanzug bestehe kaum ein Unterschied zum normalen Schulunterricht im Klassenzimmer. Dass ein Mädchen von fremden Männern gesehen werden könne, lasse sich auch andernorts nicht vermeiden, etwa auf dem Schulweg oder in der Turnhalle.

Schliesslich ändere sich auch nichts daran, dass das Mädchen bereits privaten Schwimmunterricht besuche. Beim Schulschwimmen gehe es auch um die Integration, die im Privatunterricht eben gerade nicht stattfinden könne, weil nur muslimische Mädchen teilnehmen würden.

Eine solche Abschottung begünstige vielmehr die Entstehung von Parallelgesellschaften. Insgesamt sei es der Betroffenen und ihren Eltern ohne weiteres zuzumuten, von ihren Idealvorstellungen abzurücken und die hiesigen sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten zu akzeptieren.

11 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von F. Zuber, Solothurn
    Offenbar besteht in der Schweiz bzw allgemein im "Westen" eine totale Falschvorstellung vom Islam. Ich schüttle meinen Kopf, wie man ein Urteil über einen Glauben fällen kann, ohne deren Inhalt zu kennen. "Peter hat mich gestern angespuckt." Spuckt mich jetzt jeder Peter an, nur weil er Peter heisst?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 stans
    Ich bin einfach konsterniert. Dass wir uns heute mit diesem Thema auseinandersetzen müssen, nachdem der Westen aufgeklärt und säkularisiert wurde, übersteigt meinen Verstand. Wird nun in Zukunft geschlechtergetrennter Schweimmunterricht wieder zur Norm, aus Rücksicht gegenüber einer sich hier etablierenden frauenfreindlichen Religion? Back to the middle-age? Nie und nimmer wieder.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Chris Rot, Zürich
      Nochmals de Beitrag weiter unten zu Ihrer Info: Sehr geehrte Frau Morf (Zelger), der Schwimmunterricht an der Oberstufe im Kanton Aargau findet so oder so geschlechtergetrennt statt. Das hat nichts mit dem durch das Bundesgericht zu beurteilenden Fall zu tun. Die Tatsache des geschlechtergetrennten Unterrichts hat jedoch das Urteil beeinflusst, wie Sie dem Text entnehmen können. -- Die Trennung hat nichts mit der Rücksicht auf eine bestimmte Religion zu tun!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Haben Sie ihren Artikel nicht gelesen?! Hier der einschlägige Auszug: Anders als im seinerzeitigen Fall sei hier zwar nicht ein junges Kind, sondern ein 14-jähriges Mädchen betroffen. Diesem Umstand habe die Schule indessen dadurch Rechnung getragen, dass der Unterricht nach Geschlechtern getrennt durchgeführt werde. Ich schüttle meinen Kopf.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen