CVP Aargau: Präsident Markus Zemp tritt zurück

Vier Jahre war Markus Zemp Präsident der CVP Aargau. Am 20. Januar 2016 wird er an der Delegiertenversammlung sein Amt zur Verfügung stellen bzw. an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben. Eine Findungskommission soll die Stabübergabe aufgleisen. Um das Amt wird sich niemand reissen.

Markus Zemp an einem Rednerpult

Bildlegende: Der ehemalige Nationalrat Markus Zemp hat die CVP Aargau vier Jahre lang geführt. Im Januar 2016 hört er auf. SRF

Er sei ein «Motivator», beschreibt die CVP Aargau ihren Präsidenten in der Mitteilung zum Rücktritt. Es sei ihm gelungen, «die eigenen Reihen zu mobilisieren und das Feuer zu entfachen».

Wenn es dieses Feuer je gegeben hat, dann ist daraus nichts Zählbares entstanden, jedenfalls kein Wahlerfolg. Ganz im Gegenteil: Die nationalen Wahlen vom 18. Oktober 2015 waren für die CVP Aargau ein rabenschwarzer Tag.

Sie verfehlte sämtliche Ziele, die sie sich gesetzt hatte.:

  • Wähleranteil halten? Er sank von 10.6 (Wahl 2011) auf 8.6 Prozent
  • Zweiten Sitz holen? Der Sitz ging an die FDP, dank der Listenverbindung mit der CVP
  • Sitz im Ständerat zurückerobern? Kandidatin Ruth Humbel hatte keine Chance

Schon die Wahlen 2011 hatten für die CVP Aargau in einem Scherbenhaufen geendet. Präsident Franz Hollinger trat nach dem Debakel zurück. Nachfolger Markus Zemp wollte einen neuen Wind in die Partei bringen. Seine Versprechen: bürgerliche Ausrichtung und aktive und profilierte Kommunikation.

Er hat beide Versprechen eingehalten. Nur: Sie haben nichts gefruchtet. Wie Franz Hollinger tritt Markus Zemp zurück und hinterlässt einen Scherbenhaufen.

Kandidatensuche schwierig

Noch 8.6 Prozent Wähleranteil, grosse Einbrüche in den Stammlanden, z. B. Zurzibiet – die CVP ist im Aargau im Begriff eine Kleinpartei zu werden wie die Grünen (5.5%), die BDP (5.1%) oder die GLP (5.2%). Und die nächsten – und sehr wichtigen – Wahlen stehen bereits an. Im Herbst 2016 wählt der Aargau das Kantonsparlament neu und gleich auch die Regierung.

In dieser Situation die Führung der Partei zu übernehmen, ist wahrlich kein «Schoggijob». Die von der CVP eingesetzte Findungskommission hat eine schwierige Aufgabe vor sich. Findet sie überhaupt Kandidatinnen oder Kandidaten?

Mögliche Namen könnten sein:

  • Marianne Binder
    Grossrätin aus Baden. Sie ist eine begeisterte Wahlkämpferin und hat grossen politischen Ehrgeiz. Ausserdem kommt sie aus der prominentesten CVP-Familie des Aargaus. Ihr Vater (Anton Keller) war Nationalrat. Ihr Schwiegervater (Jules Binder) Ständerat.
  • Ralf Bucher
    Der Grossrat aus dem Freiamt ist politisch sehr gut vernetzt. Und als Geschäftsführer des Aarg. Bauernverbandes geniesst er schon fast nationale Bekanntheit.
  • Nicole Meier Doka
    Gewesene Grossrätin. Sie ist Mitglied des dreiköpfigen Präsidiums.
  • Markus Dieth
    Gemeindeammann von Wettingen. 2015 höchster Aargauer (Präsident des Grossen Rates). Dass er daneben noch das Parteipräsidium übernimmt, ist eher unwahrscheinlich. Ausserdem wird er als Kandidat für die Regierung gehandelt (Nachfolger R. Brogli).

Geht man die Liste der CVP-Grossrätinnen und Grossräte durch, drängen sich keine weiteren Name auf. Es zeigt sich: Die Garde der aktiven CVP-Politikerinnen und -Politiker ist im fortgeschrittenen Alter. Ein junges Gesicht würde der CVP gut anstehen. Der schon bald ehemalige Präsident Zemp ist zuversichtlich, was die Nachfolge angeht: «Wir haben Leute, die sich dafür interessieren.»