Der Freienwiler Kampf gegen das Sääli-Sterben

Seit einigen Jahren schon verschwinden in den Gemeinden die Sääli. Für immer mehr Beizer lohnt sich der Betrieb eines Veranstaltungsraums nicht mehr. In Freienwil bei Baden haben sich die Dorfbewohner nun für das Restaurant «Weisser Wind» und das darin befindliche Sääli eingesetzt – mit Erfolg.

Mehrere Vorstandsmitglieder stehen im Sääli. Im Hintergrund ist eine Schaukastenbühne sichtbar

Bildlegende: Die Schaukastenbühne im Freienwiler Restaurant «Weisser Wind» stammt aus dem Jahr 1910. Alex Moser/SRF

Seit einigen Jahren steht der «Weisse Wind» in Freienwil leer. Der Betrieb hat sich nicht mehr gelohnt. Als ein Investor das Restaurant abreissen lassen wollte um Alterswohnungen zu bauen, kauften einige Antwohner die Liegenschaft und gründeten eine Genossenschaft.

Die Rettung des Weissen Winds

Die Dorfbewohner haben die Beiz daraufhin reaktiviert und auch wieder kulturelle Veranstaltungen im Sääli angeboten. Nun sammeln sie Geld um den Weissen Wind der neuen Nutzung anzupassen. Der Plan ist, dass es neben dem Restaurant auch noch eine Kindertagesstätte gibt. Die Kinder können dann im Sääli spielen. Mit diesen Mieteinnahmen wird das Sääli dann nicht mehr zur finanziellen Belastung für den Wirt.

Die Gemeinde hat kürzlich ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 200'000 Franken gesprochen. Dafür hat Freienwil dann Tagesstrukturen, wie sie im Dorf ein Bedürfnis sind. Zudem hat die Bevölkerung wieder ein kulturelles Zentrum im Dorf und damit einen Mehrwert.

Das Sääli war das Zentrum

Den Freienwilern war nämlich bewusst, wie wichtig der «Weisse Wind» für die Gemeinde früher war. Das Restaurant war, neben dem Lebensmittelladen und der Kirche, ein wichtiges Element für das Dorfzentrum.

Gertrud Burger von der Genossenschaft Weisser Wind: «Hier war einfach der Ort, wo man sich traf. Von der Theateraufführung bis zum Turnerabend fand hier das Dorfleben statt.»

Heimatschutz ist begeistert

Für den Aargauer Heimatschutz ist die Rettung dieses Restaurants in Freienwil ein gelungenes Beispiel, wie es auch andernorts funktionieren könnte. «Die Mischnutzung hier im Weissen Wind macht sehr viel Sinn», erklärt der Geschäftsführer des Aargauer Heimatschutzes Henri Leuzinger. Er bedauert das Sääli-Sterben im Land. Aus diesem Grund hat der Aargauer Heimatschutz die Sääli vor einiger Zeit zum Kulturgut erklärt.