Die Schweizer «Route 66» lässt den Kanton Solothurn aussen vor

Was die USA mit der «Route 66» schon lange hat, hat nun auch die Schweiz: Die «Grand Tour of Switzerland» ist das neuste Kind von Schweiz Tourismus und soll Touristen durch die Schweiz führen, vorbei an den Tourismus-Juwelen. Und – auch vorbei am Kanton Solothurn.

Schweizer Karte mit Einzeichnung der Route der Grand Tour of Switzerland

Bildlegende: Die «Grand Tour of Switzerland» führt zwar quer durch die Schweiz, aber nicht in den Kanton Solothurn. zvg (Montage SRF)

Die «Grand Tour of Switzerland» soll die touristischen Höhepunkte der Schweiz den Touristen näher bringen. Vor allem denjenigen, die mit dem Auto oder dem Motorrad unterwegs sind. Schweiz Tourismus lanciert am Montag am diesjährigen Tourismusforum in Solothurn quasi die «Route 66» der Schweiz. Solothurn ist dabei aber nicht viel mehr als Gastgeber für das Forum.

«Route 66» ohne die schönste Schweizer Barockstadt

Jürgen Hofer zu Gast im Studio Solothurn, vor einem Mikrofon.

Bildlegende: Jürgen Hofer kann als Tourismus-Direktor damit leben, dass die Barockstadt Solothurn nicht Teil der «Grand Tour» ist. SRF

Einzig bei Kleinlützel streift die Route den Kanton Solothurn, mit dem Kloster Mariastein als Höhepunkt. Ansonsten wird der Kanton Solothurn grossräumig umfahren, ebenso Solothurn als schönste Barockstadt der Schweiz. «Das ist zugegeben schade, aber wir konnten das nicht beeinflussen», sagt Jürgen Hofer, Direktor der Tourismusregion Solothurn. Tourismus Schweiz habe nach eigenen Kriterien ausgewählt, das müsse man akzeptieren.

Das gleiche gelte für die Tatsache, dass gerade «die Stadt Solothurn zwar in der Nationalliga B der Tourismus-Orte spielt, und dabei quasi in der Europaleague mithalten kann», erklärt Hofer.

«  Für die Champions League reicht es halt nicht. »

Jürgen Hofer
Direktor Tourismus Region Solothurn

Dafür hofft Jürgen Hofer darauf, dass einige Touristen nicht nur auf der Hauptroute bleiben zwischen Basel und Neuenburg, sondern dass sie eine Nebenroute nach Solothurn nehmen. Eigens dafür hat die Drei-Seen-Region, zu der auch Solothurn gehört, eine Panorama-Karte kreiert.

Dank dieser Werbung sollen im Idealfall «von zehn Touristen zwei bis drei den Abzweiger Richtung Solothurn nehmen», hofft Tourismusdirektor Jürgen Hofer. Wie es tatsächlich heraus kommt, könne er nicht prophezeien.

Aargau ist mit dem Schloss Hallwyl «on tour»

Der Kanton Aargau ist – verglichen mit dem Kanton Solothurn – prominenter vertreten auf der «Grand Tour of Switzerland». Auf dem Weg von Bern nach Luzern gibt es einen Abstecher zum Schloss Hallwyl.

Andrea Lehner, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus, ist darüber sehr erfreut. Sie gibt aber auch zu, dass sie gerne noch weitere Aargauer Stationen gehabt hätte. Aber: «Wir werden schon am Mittwoch mit den regionalen Tourismus-Organisation zusammensitzen und ebenfalls Nebenrouten kreieren», erklärt sie.

Auch Olten kommt zum Zug

Geplant ist zum Beispiel eine Schlösserroute, da der Aargau hier neben dem Schloss Hallwyl noch einiges zu bieten habe. Ausserdem will Aargau Tourismus die historischen Altstädte von mehreren Städten in der ganzen Region besser vermarkten.

Dazu gehört auch die Altstadt der von Olten im Kanton Solothurn. Diese gebe ebenfalls viel her, findet Lehner, und könne dank ihrer geografischen Nähe sehr wohl auch in die Aargauer Route miteinbezogen werden.

Sie bestätigt die Aussage von Jürgen Hofer, dass man sich als Tourismus-Organisation nicht für einen Platz bewerben konnte auf der «Grand Tour of Switzerland». Aber: «Wir haben ‹Schweiz Tourismus› monatlich immer Unterlagen geschickt, was bei uns läuft», bestätigt Andrea Lehner.

«  So konnten wir sicher indirekt Schweiz Tourismus beeinflussen, dass der Aargau berücksichtigt wurde. »

Andrea Lehner
Geschäftsführerin von «Aargau Tourismus»

Die prominente Platzierung des Schlosses Hallwyl in der «Grand Tour of Switzerland» hat aber eine Schattenseite. Diese Tour ist vor allem gedacht für Auto- und Motorradfahrer. Die Platzverhältnisse beim Schloss aber auch rund um den Hallwilersee sind schon jetzt sehr eng, mehr Verkehr ist also eigentlich unerwünscht.

Die Kehrseite der Medaille

«An schönen Tagen im Sommer kommen schon jetzt viele Ausflügler», bestätigt Andrea Lehner. Ja, es könnte noch enger werden dank der neuen Attraktion von «Schweiz Tourismus». Dass es bereits in diesem ersten Jahr soweit kommt, glaubt sie aber nicht.

Zudem werde sich ein allfälliger Touristenstrom wohl besser verteilen, sobald die geplanten thematischen Routen ab 2016 im Angebot sind. Aber: «Wir sind uns der Situation bewusst und nehmen das ernst», bekräftigt Lehner.

Ob dann wirklich Scharen von Touristen die «Grand Tour of Switzerland» in Beschlag nehmen und damit auch das Schloss Hallwyl, da ist sich die Geschäftsführerin von Aargau Tourismus selber noch nicht ganz sicher.