Ernst Lämmli – Ein Leben im Zeichen des Fussballs

Ernst Lämmli hat viel erlebt, viel gesehen, ist viel gereist. Vieles davon für und im Namen des Fussballs. Begonnen hat es mit seiner Funktion als Präsident des FC Aarau Anfang 90er Jahre. Ab 2001 war der Aargauer dann Delegierter der Schweizer Fussballnationalmannschaft – der «Nati-Boss»

Einige Eckdaten zu Ernst Lämmlis Karriere als Fussballfunktionär:

  • 1989-2000: Präsident FC Aarau
  • 1993: FC Aarau wird Schweizer Meister
  • 1995: «Vision 2002», Idee eines Fussballstadions in Schafisheim ist geboren, das Projekt wird nie realisiert und der FC Aarau hat bis heute kein neues Stadion
  • 2000: Rücktritt als Präsident des FC Aarau
  • 2001-2009 Delegierter Schweizer Nationalmannschaft (u.a. Chef von Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld)
  • 2004: Mit der Schweizer Nationalmannschaft die Europameisterschaft miterlebt
  • 2006: Weltmeisterschaft in Deutschland
  • 2009: Rücktritt als Delegierter des Schweizer Fussballverbandes (Lämmli ist 70 Jahre alt)
  • 2013: Persönliches Schicksal: Sturz auf Glatteis an seinem Wohnort, Schädelbruch, lange Spital- und Reha-Aufenthalte, Genesung dauert bis heute an

Ernst Lämmli wohnt im ländlichen Holziken. Die Attikawohnung hat der gelernte Architekt selber entworfen und das Mehrfamilienhaus selbst gestaltet und bauen lassen. Im ganzen Kanton stehen Bauten von Lämmlis Architekturbüro. Heute führt sein Sohn das Unternehmen, das Büro steht nicht mehr in Holziken sondern in Aarau.

Vision 2002 - Bild

Bildlegende: Eine Karrikatur erinnert an die Idee, in Schafisheim eine grosse Sportarena zu bauen. Christiane Büchli/SRF

Architektur hat den heute 77-Jährigen immer beschäftigt. Seine Leidenschaft aber war der Fussball. 1993 wurde er – ziemlich spontan – Präsident des FC Aarau. Er hat die guten alten Fussballzeiten erlebt, wie er selber sagt. Kaum Ausschreitungen, der FC Aarau in der Nationalliga A, Cupfinal, der Schweizer Meistertitel im Jahr 1993.

Vision für den Aargauer Fussball mit Stadion in Schafisheim

Die Leidenschaft für den FC Aarau und sein Beruf fanden gar einmal den Weg zueinander. Lämmli gleiste 1995 zusammen mit Vertretern aus Sport und Wirtschaft ein visionäres Projekt auf: «Vision 2002» nannten sie es. Geplant war eine grosse Sportarena in einer ehemaligen Kiesgrube in Schafisheim.

Hier sollte der FC Aarau Fussball spielen. Gar die Idee eines einzigen FC Aargau kursierte. Das Projekt hätte um die 30-Millionen Franken gekostet. Gebaut wurde es nie. Die grosse Arena scheiterte an Vorschriften und Einsprachen. Das Modell der Arena steht noch heute im Architekturbüro, welches Lämmlis Sohn nun führt.

Dass der FC Aarau auch 20 Jahre später noch kein neues Stadion hat, findet er schade. Lämmli selber würde aus Sicherheitsgründen immer noch ein Stadion ausserhalb des Aarauer Stadtzentrums bevorzugen, sagt er im Interview.

Auf Wiedersehen FC Aarau, Willkommen Schweizer Nati

Das Scheitern war eine Enttäuschung. Im Jahr 2000 kündigte Lämmli seinen Rücktritt als Präsident des FC Aarau an. Kurz daraufhin folgte der nächste grosse Coup. Er wurde vom Schweizer Fussballverband angefragt, ob er nicht als Delegierter der Schweizer Fussballnationalmannschaft tätig sein möchte.

Gesagt, getan. Von 2001 bis 2009 war Lämmli «Nati-Boss», wie ihn einige Medien immer wieder betitelten. Die Ära Köbi Kuhn und jene mit Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld sind in seine Zeit gefallen. Eine schöne, erfolgreiche Zeit der Nati, erinnert sich Lämmli heute. Zwei Europa- und eine Weltmeisterschaft (Deutschland) hat er mit der Nati miterlebt.

Reisen mit der Nationalmannschaft

Er sei viel gereist, am liebsten nach Portugal, sagt Lämmli im Interview. Die Familie konnte er an einige Spiele mitnehmen, eine gute Zeit, erinnert er sich. Aber es sei auch streng gewesen. Die vielen Auftritte in der Öffentlichkeit, die gefragten Interviews, wenn die Nati in der Kritik stand. Mit 70 war Schluss – dann müsse man aufhören, findet Lämmli noch heute, sonst gelte man als Sesselkleber.

Schwerer Sturz im 2013

Seit über drei Jahren kämpft er für seine Gesundheit. Nach einem Sturz im Winter 2013 zog er sich einen Schädelbasisbruch zu. Genesung und Reha waren schwierig. Bis heute ist Lämmli nicht 100 Prozent gesund. Nach einem neuen Sturz im November 2015 kämpft er sich Schritt für Schritt zurück. Die Geduld habe er noch nicht verloren, sagt er.