Fliegende Untertassen über der Aare bei Stilli

Die Stillemer schleudern am Sonntag wieder ihre glühenden Scheiben über die Aare und hoffen so, den Winter zu vertreiben. Seit vielen Jahren ist der uralte Brauch Bestandteil der Dorfkultur im Ortsteil von Villigen.

Jedes Jahr trifft sich die Stillemer Bevölkerung am Funkensonntag an der Aare. Wie schon seit vielen Jahren steht auch an diesem 14. Februar das gleiche Brett bereit. Es dient als Rampe für die handtellergrossen Scheiben aus Buchenholz. Diese werden an langen Haselruten befestigt und ähnlich wie beim Hornussen über die Aare geschleudert.

Nur wenige schaffen es über die Aare

Die Holzscheiben werden jedes Jahr an der gleichen Stelle über die Aare katapultiert. An dieser misst die Distanz von Ufer zu Ufer 168 Meter. «Die meisten sind froh, wenn sie es bis in die Mitte der Aare schaffen», sagt Organisator Urs Berner gegenüber Radio SRF. Er selbst habe es noch nie geschafft. Nur wer die richtige Technik beherrsche, die passende Geschwindigkeit treffe und den richtigen Winkel wähle, könne es bis ans andere Ufer schaffen.

«  Einen heimlichen Favoriten gibt es nicht. »

Urs Berner
Organisator und Mitglied beim Freizeit Club Villigen

Am späteren Sonntagnachmittag treffen normalerweise die ersten Scheibensprenger und Scheibensprengerinnen an der Aare ein. Bis zum Eindunkeln bleibt etwas Zeit zum Üben, doch dann geht es richtig los. Die Holzscheiben werden im Feuer am Rand etwas angeglüht und über die Aare geschleudert, was einen speziellen Lichteffekt, ähnlich einer fliegenden Untertasse, erzeugt.

«  Bei Nacht sehen die Scheiben wie fliegende Untertassen aus. »

Urs Berner
Organisator und Mitglied beim Freizeit Club Villigen

Den Brauch erhalten

Die Stillemer Vereine wollten nach der Gemeindefusion mit Villigen den alten Brauch nicht aussterben lassen. Deshalb hat der Freizeit Club die Organisation in die Hand genommen. Urs Berner, selbst Mitglied, organisiert das Scheibensprengen bereits zum 10. Mal. Für dieses Jahr hat er 712 Buchenholzscheiben bestellt. Diese würden wohl auch für nächstes Jahr noch reichen.