Halit Duran: «Terroranschläge sind unislamisch»

Der Verband Aargauer Muslime hat am Wochenende sein 10-jähriges Bestehen gefeiert. In einer Zeit, in welcher der Islam immer wieder in Zusammenhang mit Terrorismus gebracht wird, ist das Feiern nicht einfach, sagt der Präsident Halit Duran im Interview.

«  Wir verstehen nicht, wie Muslime so etwas tun können, im Namen des Islam. Wir sind fassungslos. Das ist vollkommen inakzeptabel und wir veruteilen diese Gewalttaten (des Islamischen Staates) aufs Schärfste »

Halit Duran
Präsident Verband Aargauer Muslime

Das wichtigste zum Verband Aargauer Muslime in Kürze:

  • Seit 1994 gibt es den Verband Aargauer Muslime. 22 Vereine sind Mitglied im Verband, darunter viele Moschee-Vereine im Aargau
  • Der Verein will unter anderem die Integration und das Verständnis für Muslime fördern, er will jungen Muslimen Perspektiven aufzeigen und hat ein friedliches Zusammenleben zum Ziel
  • Der Präsident des Vereins, Halit Duran, ist 45 und lebt in Turgi. Er ist Ingenieur beim Technologiekonzern ABB, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Türke.
  • 2005 hat der Verein eine Friedensresolution verabschiedet, die «mehr als ein Blatt Papier sein soll»

Der Verband Aargauer Muslime organisiert Konferenzen, arbeitet mit muslimischen Gemeinschaften in der ganzen Schweiz, und versucht Barrieren zu überwinden, die zwischen Muslimen und Andersgläubigen in der Schweiz existieren. «Wir machen schon viel, aber es muss noch mehr gehen, wir müssen uns sicher noch mehr öffnen», sagt Halit Duran, Präsident des Verbandes.

Das Feiern des 10-Jahr-Jubiläums in einer Zeit, in welcher der Islam mit Terrorismus auf der ganzen Welt in Verbindung gebracht wird, stört den 45-jährigen Verbandspräsidenten aus Turgi bei Baden. «Das stimmt uns traurig. Solche Taten, wie sie die Terrorgruppierung Islamischer Staat verübt, sind völlig unislamisch und zu verurteilen», sagt Duran im Interview mit Radio SRF.

Flugblätter statt Facebook

Man setze bei der Verbandsarbeit nicht auf neue, soziale Medien, sondern auf E-Mails, Flugblätter und den direkten Kontakt, erklärt Duran. Allenfalls müsse man hier umdenken, sagt der Präsident. Er befürchtet aber, dass man Facebook Einträge schlecht kontrollieren kann. Bereits einmal machte der Verband nämlich in den Medien Schlagzeilen, weil ein Mitglied der eigenen Facebook-Gruppe Islamistische Parolen veröffentlicht hatte.

«  Junge radikalisierte Männer zu erreichen ist schwierig »

Immer wieder sorgen junge Männer, die sich radikalisieren lassen und als islamistische Helfer oder Kämpfer im Ausland aktiv werden, für negative Schlagzeilen. Es sei sehr schwierig innerhalb des Verbandes auf solche junge Radikale zu stossen, weiss Halit Duran aus eigener Erfahrung.

«Solche Männer radikalisieren sich über das Internet, und tauchen praktisch nie in unseren Moscheen auf», sagt Duran im Gespräch. Deshalb könne man sie schlecht erreichen. Falls solche Personen auftauchen, werden sie der Polizei oder dem Staatsschutz gemeldet, sagt Duran. Genau aus diesem Grund würden sich solche jungen Männer auch nicht in die Moscheen trauen, sondern anderweitig Kontakte knüpfen.

Ist der Verband machtlos?

Man könne als Verband den jungen Männern Perspektiven aufzeigen, zeigen, dass man auch als Muslim integriert sein kann, einen Beruf finden kann, vorwärts kommen könne. Das Ziel: niemand soll sich in heile «Parallelwelten» flüchten, sondern hier an einer konstruktiven Zukunft arbeiten. Man setzte hier auch auf die eigene Jugendarbeit, sagt Halit Duran.