Zum Inhalt springen
Inhalt

Aargau Solothurn Heftige Kritik am potentiellen Endlager-Standort Däniken

Der Gemeindepräsident von Däniken wehrt sich mit klaren Worten gegen die Idee, in Däniken Oberflächenanlagen für ein atomares Tiefenlager zu bauen. Am Samstag hatte die Regionalkonferenz Jura-Süd den Standort Däniken widerwillig zur weiteren Prüfung vorgeschlagen.

Legende: Audio Der Däniker Gemeindepräsident Gery Meier im Gespräch (Maurice Velati, 28.04.2013) abspielen. Laufzeit 05:17 Minuten.
05:17 min

Die Wortwahl des Däniker Gemeindepräsident Gery Meier ist deutlich: «In Däniken wird es keine Oberflächenanlagen geben und im Jurasüdfuss auch kein Tiefenlager», heisst es in einer Mitteilung vom Sonntag. Und weiter: «Da können die Verantwortlichen noch so viele Gutachten in Autrag geben, Abklärungen treffen und Steuergelder verschwenden.»

Der Grund für diesen schriftlichen Wutausbruch: Am Samstag hatte die Regionalkonferenz Jura-Süd den Standort Kiesgrube Däniken als einzigen möglichen Standort für Oberflächenanlagen zum künftigen Tiefenlager vorgeschlagen. Die Nagra muss diesen Standort nun weiter prüfen, so will es das Sachplanverfahren. Bereits in der Regionalkonferenz war der Standort-Vorschlag aber heftig umstritten.

Es wird kein Tiefenlager geben im Jurasüdfuss.
Autor: Gery MeierGemeindepräsident Däniken

Grundsätzlich sei nämlich überhaupt kein Standort in der Region für solche Verladestationen für Atom-Müll geeignet, hiess es an der Versammlung am Samstag. Die Regionalkonferenz soll die Bevölkerung repräsentieren im Verfahren für die Suche nach einem möglichen Tiefenlager für radioaktive Abfälle. Däniken sei der am «wenigsten schlechte Standort», hatte die Regionalkonferenz am Samstag erklärt und deshalb diesen Standort zur weiteren Prüfung vorgeschlagen.

Alle Standorte in der Region sind ungeeignet

Auch der Däniker Gemeindepräsident Gery Meier ist nicht überrascht über diesen Entscheid, wie es in der Mitteilung vom Sonntag weiter heisst. «Die Fachleute sagen nichts anderes, als dass alle geprüften Standorte in der Region Jura-Südfuss ungeeignet sind.» Auch der Standort in Däniken stehe auf dem Grundwasserstrom des Niederamts und sei deshalb abzulehnen.

Die Grundwasserfassung in Däniken werde vielleicht sogar noch ausgebaut, damit künftig auch Schönenwerd und Gretzenbach mit Wasser versorgt werden könnten nach dem Bau des neuen Eppenbergtunnels der SBB. Es bestehe deshalb eine grosse Gefahr, dass dieses Grundwasser verunreinigt werden könne.

Das ganze Verfahren sei grotesk, hält der Gemeindepräsident weiter fest. «Wir reden schon über ungeeignete Oberflächenanlagen, obwohl noch nicht klar ist, wo das zukünftige Tiefenlager für radioaktive Abfälle hinkommen wird. Dieses Vorgehen ist nach wie vor weder nachvollziehbar noch zielführend.»

Standort-Entscheid frühestens 2015

Tatsächlich entscheidet der Bundesrat wohl erst 2015 darüber, wo das Tiefenlager überhaupt gebaut werden könnte. Neben der Region Jura-Südfuss sind auch die Regionen Bözberg und Nördlich-Lägern im Gespräch. Im Gegensatz zum Jura-Südfuss könnten dort gemäss Nagra auch hoch-radioaktive Abfälle gelagert werden.

Die Region Jurasüdfuss wäre nur für schwach- und mittelaktive Abfälle geeignet. Ein Argument mehr gegen das Endlager, findet der Däniker Gemeinderat. Es mache keinen Sinn, zwei atomare Tiefenlager zu bauen in der Schweiz.

«Zustimmung zum Endlager»

Der Verein KAAZ (Kein Atommüll im Ballungsgebiet Aarau-Zofingen) kritisiert den Entscheid der Regionalkonferenz scharf. Der Vorschlag, den Standort Däniken zu prüfen, sei ein «bedeutendes Signal nach Bern». Die Nagra könnte den Entscheid so interpretieren, dass die Bevölkerung einem Atommülllager zustimmten, schreibt der Verein in einer Mitteilung.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von H. Dettwiler, Langenthal
    Das Atomkraftwerk selber ist das beste Atomendlager. Daraus wird ein Sarkophag, welcher auf alle Ewigkeiten es erlaubt, die Kontrolle über das strahlende Material zu halten. Jede Generation kann nach dem neuesten Wissensstand die Probleme offen angehen. Hinschauen, denn schamvolles Verscharren und Verlochen des Abfalls ist eine menschenunwürdige und feige "Problemlösung".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manfred M., Schweiz
    Ist doch immer das gleiche: dass bei Druck auf den Schalter das Licht angeht, oder beim Drehen am Knopf am Backofen etwas feines gebacken werden kann, das wollen alle. Aber den entstandenen Atommüll will niemand vor der Haustüre haben. Und sich endlich ensthafte Gedanken über die eigene Stromverschwendung zu machen, wollen noch weniger. Dabei bräuchte es nicht allzuviel, um diesen in den eigenen vier Wänden um 30%-50% zu reduzieren. Aber motzen ist halt einfacher, als das Gehirn einzuschalten...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen