«Homosexualität im Sport ist ein Riesen-Tabuthema»

FC Basel, FC Luzern, YB – mehrere Jahre lang spielte die im solothurnischen Himmelried aufgewachsene Aurelia Meier auf höchstem Niveau Fussball. Heute engagiert sich die 22-jährige für schwule und lesbische Sportler. Bis dies kein Thema mehr ist, dürfte es noch Jahre dauern, sagt sie.

Aurelia Meier im Gespräch.

Bildlegende: Die ehemalige Fussballerin Aurelia Meier setzt sich heute für einen offenen Umgang mit Homosexualität im Sport ein. SRF

In ihrem Lebenslauf steht als erster Arbeitsort «Pausenplatz und Sportplatz Himmelried». Schon als kleines Mädchen hatte Aurelia Meier den Wunsch, Fussball zu spielen. Im Dorf im Schwarzbubenland, in dem sie aufgewachsen ist, kickte sie mit den Jungs oder ihrem älteren Bruder.

Outing während der Fussball-Karriere

Später erhielt Aurelia Meier die Möglichkeit, das Sportgymnasium in Basel zu besuchen. Fünfmal die Woche ging sie ins Training. 2006 wurde sie mit der Nordwestschweizer U16-Auswahl Schweizermeisterin, und ab 2007 spielte sie in der Nationalliga A beim SC LuWin (heute FC Luzern), bei YB und beim FC Basel.

Fussballspielerin Aurelia Meier (rechts) wird von 3 Gegnerinnen verfolgt.

Bildlegende: Aurelia Meier (rechts) in ihrer Zeit als aktive Fussballspielerin. Schon damals bekannte sie sich zu ihrer Homosexual... zvg

2012 hängte Aurelia Meier die Fussballschuhe an den Nagel. Die heute 22-Jährige begann in Luzern das Studium der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, und sie fing an, sich für die Anliegen von Lesben und Schwulen einzusetzen.

Das Ende ihrer Fusballkarriere hat allerdings nicht mit ihrer sexuellen Orientierung zu tun: «Ich habe mich schon während meiner Karriere dazu bekannt.»

Kein Outing eines Profisportlers in der Schweiz

«Sport und Homosexualität ist ein Riesen-Tabuthema», sagt sie im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Das zeige sich daran, dass sich in der Schweiz noch kein einziger aktiver Profisportler geoutet habe.

Einer der wenigen Sportler, die das Coming-Out wagten, war im Januar 2014 der deutsche Ex-Fussballprofi Thomas Hitzlsperger. Er löste damit viele Diskussionen aus über die Akzeptanz von schwulen Fussballern. Zwar findet es Aurelia Meier grundsätzlich super, dass er sich goutet hat, schade sei es aber, dass er diesen Schritt erst nach Ende seiner Karriere gewagt hat.

Dass Männer vor diesem Schritt eher zurück schrecken, begründet Aurelia Meier in der Rolle, die Männern zugeschrieben werde. Outing widerspreche dem Bild, das die Öffentlichkeit von Männern habe. Deswegen habe sich bis jetzt wohl auch noch nie ein Eishockeyspieler als Schwuler geoutet, «dass es sie gibt, da bin ich mir sicher», sagt Aurelia Meier.

Einfacher für Frauen

Für lesbische Fussballerinnen sei das Coming-Out einfacher, glaubt Aurelia Meier, «weil Frauenfussball weniger in der Öffentlichkeit steht. Im Männerfussball hat man extrem Angst, wie Fans und das ganze Umfeld reagieren könnten».

Die Solothurnerin ist Mitorganisatorin der Veranstaltung «Offside! Homosexualität im Sport», welche vom 15.- 16. Februar 2014 in Luzern stattfindet. Dabei geht es darum, Verständnis für homosexuelle Sportlerinnen und Sportler zu wecken.

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Sportämter starten Kampagne gegen Homophobie

2:13 min, aus Tagesschau vom 31.1.2014