«Ich will nicht gewinnen, sondern unseren Berufsalltag zeigen»

Nächste Woche finden in Bern die ersten Schweizer Berufsmeisterschaften statt, die «Swiss Skills». Mit dabei ist auch Joël Spycher aus Selzach. Vater, Grossvater und Urgrossvater waren auch schon Hufschmiede. Bei einem Besuch verrät er, warum sein Job nicht nur spannend, sondern auch gefährlich ist.

Lehrling kniet und begutachtet das rauchende Eisen.

Bildlegende: Joël Spycher legt das fast fertig geschmiedete Heisen auf das Huf und prüft, ob es richtig sitzt. SRF

Mit voller Wucht lässt Joël Spycher den Hammer auf das Hufeisen sausen, das auf einem schweren Amboss liegt. Mit präzisen und doch heftigen Schlägen bearbeitet er ein Hufeisen nach dem anderen, während neben ihm ein kleines aber heisses Feuer lodert.

Nicht ewig herumbasteln, sondern den Alltag zeigen

Joël Spycher sagt von sich, dass er kein «verbissener» Hufschmied sei. Auch wenn er nun als einer der besten Lehrabgänger nächste Woche bei den Swiss Skills antritt und sogar die Rekrutenschule als Hufschmied abgeschlossen hat. Nein, er wolle zeigen, wie der Berufsalltag eines Hufschmieds aussieht.

«Da können wir auch nicht an einem Hufeisen Stunden herumbasteln», erklärt er. In der Realität könne das niemand. Das Pferd, das derweil angebunden und in einer starren Haltung festgemacht wird, würde durchdrehen.

Üben ja, aber nicht übertreiben

Ambitionen auf den Sieg bei den Schweizer Berufsmeisterschaften am 18. September in Bern habe er deshalb nicht. Er übe zwar, aber er reisse sich deswegen kein Bein aus, das mache er nicht. «Wenn ich jetzt üben müsste wie gestört, dann würde das heissen, dass ich mein Handwerk nicht richtig gelernt habe», sagt der 20-Jährige mit fester Miene.

Mal mit einem anderen Kollegen einen Samstag lang Hufeisen schmieden, und dann am Abend zusamen grillieren und ein Bierchen trinken, das sei eher sein Ding. Und sein Vater unterstütze ihn auch in dieser Haltung.

Die Familie Spycher: Hufschmiede seit Generationen

Während Joël Spycher am Amboss arbeitet, laufen nacheinander sein Vater Gerhard und sein Onkel Urs an der Werkstatt vorbei. Auch sie beide sind Hufschmiede, wie zwei weitere Onkel der Familie. Ja, die Spychers haben das Beschlagen der Pferde im Blut, schmunzelt Joël. «Ich mache das nun in der 5. Generation», sagt er mit etwas Stolz.

Sein Vater habe ihn allerdings ermutigt, etwas anderes als Hufschmied zu werden. «Einer der Spychers soll mal was anderes tun», sagte damals der Vater. Sohn Joël erinnert sich aber auch, wie er selber als kleiner Junge in der Werkstatt umher ging und Nägel einschlug an Orten, die dem Vater nicht gefielen.

Aber die Arbeit, die gefiel dem kleinen Jungen. Und heute ist der Vater stolz darauf, dass noch ein Spycher Hufschmied geworden ist.