Kleines Gerät – grosse Wirkung

Dank eines kleinen Geräts aus Brugg sollen Häuser künftig bis zu einem Viertel der Heizenergie einsparen. Nach der Installation lernt die kleine Box ständig dazu und optimiert, wie im Haus geheizt wird. Im Rahmen des Projekt «Aargau heizt schlau» wird die Erfindung nun von Kanton und FHNW getestet.

Das Gerät ist weiss-grau, mit schwarz-grüner Aufschrift und hat mehrere Knöpfe dran.

Bildlegende: Dieses Gerät lässt Neurobat von mehreren Hausbesitzern und der Fachhochschule testen, in Zusammenarbeit mit dem Kanton. ZVG

Das kleine Gerät heisst «NiQ», wurde erfunden von der Brugger Firma Neurobat und soll gemäss Produktionsleiter Geert Hoevenaars eine kleine Revolution in der Heizungsregelung in Wohnhäusern einläuten.

Porträt Geert Hoevenaars

Bildlegende: Geert Hoevenaars, Produktionsleiter bei Neurobat und verantwortlich für «NiQ». zvg

Die kleine Box lerne nämlich ständig dazu, was im Haus passiert, merke sich das und passe die Heizleistung daran an. So könne die Heizregelung optimiert und die Energieeffizienz erhöht werden.

«  «NiQ» merkt sich zum Beispiel, wann die Sonne scheint oder wann Personen im Raum sind – und drosselt die Heizleistung. »

Geert Hoevenaars
Produktionsleiter bei der Neurobat AG

Auf diese Weise könne man 10 bis 15 Prozent der Heizenergie und -kosten sparen. In ersten Tests wurden sogar durchschnittlich 28 Prozent der Energie eingespart, sagt der Produktionsleiter. Nun geht es darum, den Einsatz in der Praxis näher zu prüfen.

Aargau heizt schlau

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und dem Hightechzentrum Aargau lanciert der Kanton nun den Praxistest. Im Rahmen des Projektes «Aargau heizt schlau» sollen im ganzen Kanton rund 100 Einfamilienhäuser mit dem «NiQ» ausgerüstet werden.

Das Projekt unterstütze als Energieeffizienzmassnahme die energiepolitischen Zielvorgaben des Bundes, heisst es in einer Mitteilung. Deshalb unterstützen neben der Abteilung Energie des Kantons Aargau auch Energiestädte und -versorgungsunternehmen das Projekt.

Interesse an «NiQ» ist da

Im Sommer wurden im Kanton Aargau 100 Einfamilienhausbesitzer gesucht, die sich am Projekt beteiligen möchten. Gemeldet haben sich bis jetzt rund 120, jedoch können nicht alle mitmachen. Wer zum Beispiel in den nächsten drei Jahren eine Sanierung plant und den Minergie-Standard verändert, könne nicht berücksichtigt werden, heisst es beim Kanton.

Nun sind zunächst knapp 50 Einfamilienhausbesitzer ins Testprogramm aufgenommen worden, weitere 50 folgen etwas später. Besonders in der Region Aarau war das Interesse gross: Hier haben sich am meisten Hausbesitzer gemeldet, nämlich knapp ein Drittel der Testpersonen.

Erste Resultate im nächsten Jahr

In der zweiten Oktoberwoche beginnt die Brugger Neurobat AG mit der Installation von «NiQ». Bereits im Frühling 2016 sollen erste Resultate vorliegen, sagt Geert Hoevenaars. Danach wird die FHNW, welche den Test begleitet, die Ergebnisse analysieren und dann beurteilen, ob das Gerät die Ziele erreichen konnte. Schliesslich wird das Ergebnis zusammen mit dem Kanton Aargau publiziert.

Hoevenaars hofft, dass dank der Zusammenarbeit mit dem Kanton Aargau das Gerät eine breitere Akzeptanz findet. Nicht nur im Aargau, sondern auch im Rest der Schweiz. Es gehe Neurobat dabei nicht nur ums Geldverdienen, sondern um die Senkung des CO2-Austosses, hält der Produktionsleiter von Neurobat fest.

Nicht neu aber markttauglich

Der Kanton Aargau hat als Initiator seinerseits mehrere zehntausend Franken in das Projekt investiert und finanziert auch den Teil, den die FHNW als Prüfinstanz erfüllt, erklärt Stefan Kämpfen von der kantonalen Energieberatung Aargau. Er ist zuversichtlich, dass vor allem Gebäude von dieser Erfindung profitieren können, bei denen man an der Gebäudehülle nicht mehr viel verbessern kann, sagt er auf Anfrage.

Aus der Sicht von Stefan Kämpfen ist diese Technologie zwar nicht neu, aber das Produkt von Neurobat dürfte genug ausgereift sein, um markttauglich zu sein. Man fördere den «NiQ» also nicht, um der Firma unter die Arme zu greifen. Das Produkt sei quasi Mittel zum Zweck, um die Technologie weiterzubringen und den Energieverbrauch zu senken, erklärt Kämpfen.