Können Klingnauer Wähler schlecht lesen?

Die Klingnauer haben am Sonntag einen Gemeindeammann gewählt, der sein Amt nicht antreten darf. Denn der Kandidat wurde nicht in den Gemeinderat gewählt. Warum haben die Bürger die klaren Anweisungen auf dem Wahlzettel nicht befolgt? In Klingnau rätselt man darüber.

Gemeindeverwaltung von Klingnau

Bildlegende: Klingnau (im Bild die Gemeindeverwaltung) hat einen neuen Gemeindeammann, der aber nicht als Gemeinderat gewählt wurde. SRF

Bei der Gemeindeammann-Wahl in Klingnau gibt es eigentlich nur Verlierer. Am Sonntag haben die Stimmberechtigten auf dem Papier Reinhard Scherrer zum Gemeindeammann gewählt. Mit 334 Stimmen liegt er vor seinem Konkurrenten, dem parteilosen Oliver Brun (302 Stimmen).

Doch Scherrer wird sein Amt nicht antreten können. Denn Gemeindeammann kann nur ein Gemeinderat werden. Und bei der gleichzeitig stattfindenden Gemeinderatswahl holte er 27 Stimmen weniger als Konkurrent Brun.

Das Motiv ist unbekannt

Die Anweisungen auf dem Stimmzettel seien eindeutig gewesen, sagt der Klingnauer Gemeindeschreiber Rolf Walker gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF. Offensichtlich hielten sich jedoch viele Stimmberechtigte nicht an die Anweisungen.

187 ungültige Stimmzettel wurden insgesamt bei der Gemeinde eingereicht. Darum die Frage: Können die Stimmberechtigten in Klingnau schlecht lesen? Darüber könne man nur spekulieren, meint Gemeindeschreiber Walker.

Der gewählte Gemeinderat Oliver Brun kann nun in einem zweiten Wahlgang nochmals als Gemeindeammann antreten. Er ist über seine Wahl in den Gemeinderat ziemlich überrascht. «Ich habe nicht mit einem Wahlsieg gerechnet», so Brun. Er überlege sich nun, ober er zum zweiten Wahlgang am 19. April als Gemeindeammann-Kandidat antreten werde.

Der andere Kandidat Reinhard Scherrer kann trotz der Stimmenmehrheit nun definitiv nicht Gemeindeammann von Klingnau werden. Scherrer war für eine Stellungnahme telefonisch nicht erreichbar.