«Manchmal war's wie ein ewiger Werbespot»

Nach 16 Jahren als Oltner Stadtpräsident hört Ernst Zingg in diesem Monat auf. Zingg hat in seiner Amtszeit viel investiert, um das Image der Stadt Olten zu verbessern. Er stand aber auch häufig in der Kritik, zum Beispiel wegen des neuen Oltner Quartiers Süd-West.

Ernst Zingg trägt einen Aanzug mit schwarzem Blazer, weissem Hemd, beiger Krawatte und beigem «Poschettli». Im Hintergrund die Martinskirche und die Stadt Olten, sowie die Jurakette.

Bildlegende: Ernst Zingg war seit dem 1. September 1997 Stadtpräsident von Olten. Am 31. Juli 2013 hat er seinen letzten Arbeitstag. SRF

Wenn Oltens Stadtpräsident in den letzten Jahren irgendwo als Redner geladen war, dann war eines schon von vornherein klar: Ernst Zingg wird über «seine» Stadt reden, ihr Image pflegen und sie in ein gutes Licht stellen. Nicht selten artete dies schon fast in einen Werbespot für Olten aus.

ERO, SBB und Fachhochschule als Erfolge

«Ja, man kann dem wohl schon ein bisschen so sagen», erklärt Ernst Zingg gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Schweizer Radio SRF. «Manchmal war's wie ein ewiger Werbespot.» Olten hatte lange das Image der Eisenbahnerstadt, und nicht viel mehr, erklärt Zingg. Da habe man wieder und wieder erwähnen müssen, was Olten sonst noch kann.

Zu seinen grössten Erfolgen zählt er die Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Damals gab es einen Kampf zwischen Olten und Oensingen, wer denn nun die Schule beherbergen darf. Dass die SBB Olten als wichtigen Standort definiert und weiterentwickelt hat, daran habe er ebenfalls seinen Anteil, so Zingg. Und zu guter Letzt die Oltner Umfahrung (ERO), für die habe er sich auch ins Zeug gelegt.

«Olten Süd-West» hat beinahe die Wiederwahl gekostet

Weniger gerne erinnert sich Zingg an die Turbulenzen rund um das Quartier Olten Süd-West. Das dazugehörige Stück Land wurde damals von einem Privaten gekauft. Zingg hatte zuvor mehrfach versichert, die Stadt habe selber keine konkrete Offerte für einen Kauf bekommen, und deshalb sei dies nicht zur Debatte gestanden.

2009 kam ein Papier an die Öffentlichkeit, wonach die Stadt eine Offerte bekommen hatte und nicht darauf eingegangen war. «Ich bestreite nach wie vor, dass es eine konkrete Offerte gegeben hat», entgegnet Zingg. Er gebe aber zu, dass hier Fehler passiert sind. Er würde heute transparenter informieren, was rund um dieses Thema passiert ist. «Dieser Fehler hat mich fast die Wiederwahl gekostet.»

Alpiq hat Zingg ins Schwitzen gebracht

Weh tut Zingg auch die finanzielle Lage der Stadt: Jahrelang ging es Olten sehr gut, vor allem dank dem Energiekonzern Alpiq. Dieser lieferte Millionen in die Kasse der Stadt. 2012 ging es der Oltner Alpiq jedoch nicht mehr so gut, sie konnte nur noch einen Teil der erwarteten Steuererträge abgeben.

Als Folge davon schloss die Rechnung der Stadt Olten mit einem Defizit von fast 18 Millionen Franken ab. Nur weil Reserven angezapft wurden, resultierte schliesslich eine ausgewogene Rechnung 2012.

Nun zieht sich Zingg zurück und hört nach 16 Jahren im Amt auf. «Man muss wissen, wann Schluss ist. Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt», erklärt der 62-Jährige. Er sei zufrieden mit dem Erreichten. Nun freut er sich auf die Zeit mit seiner Familie.

Zur Person

Ernst Zingg ist in Erlinsbach im Kanton Solothurn aufgewachsen. Der 62-jährige Notar war 16 Jahre lang Stadtpräsident von Olten. Seit 2001 sitzt er für die FDP auch im Kantonsrat. Im Militär war er Major.

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