Nur noch eine Notrufzentrale für den ganzen Kanton Aargau

Im Kanton Aargau sollen die drei Notrufzentralen zusammengelegt werden. Damit soll die Führung von Kantonspolizei, Rettungsdiensten, Feuerwehren und Führungsstab verbessert werden. Die Regierung rechnet mit Kosten von 40 Millionen Franken.

Zwei Polizeibeamte arbeiten in der Notrufzentrale mit Kopfhörern und Mikrofon an Computern.

Bildlegende: Im Aargau soll es künftig nur noch eine Notrufzentrale geben: Im Polizeikommando in Aarau. Kantonspolizei Aargau

Im Aargau bestehen derzeit drei Telefonzentralen für die Notrufnummern 112, 117, 118 und 144. Dahinter stehen die Einsatzzentrale im Polizeikommando in Aarau, die Verkehrsleitzentrale in Schafisheim und das Kantonsspital Aarau.

Voraussichtlich ab Mitte 2017 soll es so sein, dass ein Anrufer immer in der neuen kantonalen Notrufzentrale in Aarau landet, egal ob er nun die Polizei, die Feuerwehr oder die Ambulanz rufen möchte, und egal welche der vier Nummern er wählt.

Alles unter einem Dach

Dank der Zusammenlegung könnten die Organisationen für Rettung und Sicherheit effizienter zusammenarbeiten und im Interesse der Hilfesuchenden Synergien optimal nutzen, teilte die Aargauer Regierung am Dienstag mit.

Das Vorbild für die neue Aargauer Notrufzentrale ist die Alarmzentrale in Solothurn. Diese ist als erste kantonale Alarmzentrale der Schweiz 1999 in Betrieb gegangen. Polizei und Sanität arbeiten seither in einem Raum zusammen und koordinieren die Einsätze gemeinsam.

Erweiterung des Polizeikommandos

Die Aargauer Notrufzentrale soll neben dem Polizeikommando in Aarau entstehen. Geplant ist ein Anbau. Wie in Solothurn würden in einem Raum bis zu 14 Personen die Notrufe entgegennehmen und gemeinsam bearbeiten.Die Gesamtkosten für den Aufbau der kantonalen Notrufzentrale belaufen sich auf knapp 40 Millionen Franken, wie es im Bericht des Regierungsrates heisst.

Für den Neubau, bzw. die Erweiterung des bestehenden Polizeikommandos fallen Kosten von 22 Millionen Franken an. Zusätzlich kostet alleine die Technik der neuen Notrufzentrale 13 Millionen.

Das Hochwasser spielte eine wichtige Rolle

Über den Kredit muss das Aargauer Kantonsparlament befinden. Zuerst geht jetzt aber der Bericht des Regierungsrates in eine Vernehmlassung, bis Mitte September können sich Parteien und Organisationen zu den Plänen äussern.

Sollte die Aargauer Notrufzentrale wie geplant 2017 in Betrieb gehen, ginge damit eine lange Entstehungsgeschichte zu Ende. Bereits 2002 hatte der Grosse Rat in einem Leitsatz beschlossen, es werde «eine kantonale Notrufzentrale eingerichtet und betrieben».

Nach dem Hochwasser von 2005 wurde das Projekt dann angepackt. Denn das Hochwasser hatte offenbart, dass die Infrastruktur im Polizeikommando für die Bewältigung von grösseren Ereignissen im Aargau ungenügend ist.

Bei einem Ausfall helfen die Solothurner

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Nur jeder zweite Schweizer kennt die Notrufnummer

0:28 min, aus Puls vom 20.2.2012

Die Kosten für den Betrieb der Aargauer Notrufzentrale werden gemäss Regierungsrat rund 8 Millionen Franken pro Jahr betragen. Und sollte die Aargauer Notrufzentrale mal nicht funktionieren, soll gemäss den Plänen die Alarmzentrale in Solothurn einspringen. Die Aargauer Regierung will hierfür eine technische Partnerschaft mit der Solothurner Kantonspolizei eingehen.

Die beiden Einsatzzentralen in Aarau und Solothurn «bilden jeweils die Rückfallebene, welche bei einem Ausfall unmittelbar übernehmen kann», heisst es dazu in den Unterlagen. Zudem ist als Notstandort für die Aargauer Notrufzentrale der Kommandoposten Liebegg vorgesehen.

Immer mehr Notrufe im Aargau

Notrufsäule an einer Strasse.

Colourbox

Nur bei der Kantonspolizei Aargau hat die Zahl der Notrufe in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 11 Prozent auf heute 130‘500 Anrufe zugenommen. Das entspricht im Schnitt mehr als 350 Notrufen pro Tag. Bis 2018 rechnet man mit 700 Anrufen. Gründe dafür seien die Bevölkerungszunahme und eine niedrigere Hemmschwelle, heisst es.

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