Prekäre Situation: Aargau sucht nun unterirdische Asylunterkünfte

Die Aargauer Asylunterkünfte sind zu 108 Prozent belegt. Weil sich die Asylsituation in den kommenden Monaten noch verschärfen wird, sucht der Kanton Aargau nun nach unterirdischen Unterkünften. Im Kanton Solothurn macht man dies bereits. Die Erfahrungen sind meist gut.

Letztmals wurden in der Kosovo-Krise 1998 im grösseren Stil Asylbewerber in Zivilschutzbunkern untergebracht. Nun könnte es wieder soweit kommen. Balz Bruder vom Aargauer Gesundheitsdepartement hat den Gemeinden dies bereits mitgeteilt: «Wir haben den Gemeinden die Situation erklärt und ihnen mitgeteilt, dass unterirdische Unterkünfte nötig werden.»

Unterirdische Asylunterkunft

Bildlegende: Asylbewerber sollen nun doch unterirdisch untergebracht werden: Der Kanton Aargau sucht passende Anlagen (Symbolbild). Keystone

Flüchtlinge bleiben meist

Bei den Asylbewerbern, die zurzeit im Aargau untergebracht sind, handelt es sich vor allem um Menschen aus Eritrea und Syrien. Teilweise seien es grosse Familien. Deren Asylgesuche werden auch meist bewilligt.

Dies hat dann zur Konsequenz, dass sie die Plätze in den Zentren lange belegen. «Bei den Asylbewerbern aus Nordafrika war dies nicht der Fall – die waren nach kurzer Zeit wieder weg», erklärt Balz Bruder.

Andere Kantone machen es schon länger

Für den Kanton Aargau ist die Unterbringung in Zivilschutzbunkern die letzte Massnahme. In anderen Kantonen werden Asylbewerber jedoch bereits in Bunkern untergebracht.

Auch im Kanton Solothurn werden Zivilschutzanlagen für diesen Zweck benutzt, ein aktuelles Beispiel dafür gibt es in der Gemeinde Biberist. Aber auch die Kantone Baselland, Baselstadt und Bern bringen Asylbewerber in Bunkern unter.

Gute Erfahrungen im Kanton Solothurn

«Natürlich ist das kein Herzentscheid, Asylbewerber in einer Zivilschutzanlage unterzubringen», erklärt Claudia Hänzi, Chefin des Amtes für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn. Wenn es nicht anders geht, sei diese Variante aber machbar.

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Asylzoff im Aargau

9:21 min, aus Rundschau vom 27.8.2014

Dabei müsse man jedoch mehrere Punkte beachten, meint Hänzi. «Mehr als drei Monate ist bei uns kein Asylbewerber in einer Zivilschutzanlage unter Tage», erklärt sie. Zudem müsse man gut schauen, wen man dort unterbringe. Familien oder ältere Menschen zum Beispiel kämen dafür nicht in Frage. Und: Wenn man schon Menschen so unterbringen müsse, dann bräuchten diese tagsüber eine Beschäftigung, das sei sehr wichtig, so Hänzi.

Solothurn: Zwei Bunker in Betrieb

Aktuell sind im Kanton Solothurn zwei Zivilschutzbunker als Asylunterkünfte im Betrieb. Neben der soeben eröffneten Anlage in Biberist gibt es noch eine in Kestenholz. Asylbewerber, welche in Kestenholz untergebracht waren, protestierten letzten Sommer vor dem Hauptbahnhof Solothurn gegen die Bedingungen in der Zivilschutzanlage. Solche Vorfälle seien aber Einzelfälle, bekräftigt Hänzi. Ansonsten sei ihr nicht bekannt, dass sich Asylbewerber gegen die Unterbringung in Zivilschutzbunkern gewehrt hätten.

Bunker für Asylbewerber in der Kritik

Aus Sicht des Schweizerischen Roten Kreuzes ist es problematisch, Asylbewerber auf diese Weise unterzubringen. Vor allem bei Leuten, die durch Gefängnisse oder Luftschutzbunker traumatisiert wurden, sei die Unterbringung in einer Zivilschutzanlage nicht zumutbar.