Region Thal will Jung und Alt wieder näher zueinander bringen

Was tun, wenn die Jungen immer weniger werden? Und wenn die verbleibenden Jungen mit den Älteren immer weniger in Kontakt treten? In dieser Situation ist aktuell die Region Thal im Kanton Solothurn. Was tun? Und was tut der Kanton Aargau?

Wenn die Jungen nicht mehr so viel mit den Älteren reden, dann müssen halt andere mehr miteinander reden. Das schlägt Josephina Vogelsang vor. Sie will Jung und Alt im Thal wieder näher zueinander bringen und spricht dafür mit den Gemeindepräsidenten und besucht Jungbürgerfeiern und Organisationen, die sich mit Altersfragen beschäftigen.

Im Gespräch finde man heraus, was fehlt. Und dort könne man anknüpfen, sagt Vogelsang. Sie ist Leiterin des Projekts «Wir sind eins», welches vom Verein Region Thal initiiert wurde. Dabei geht es um drei Dinge:

  • Mehr Berührungspunkte zwischen den Generationen schaffen
  • Organisationen und Akteure besser vernetzen
  • Neuzuzüger und Migranten besser integrieren

Während sich Balsthal als Hauptort des Bezirks Thal eher mit dem Thema Integration beschäftigen muss, sind die anderen acht Gemeinden im Thal vor allem von einer Überalterung und den damit verbundenen Folgen betroffen. «Der Altersdurchschnitt bei uns ist höher als in der ganzen Schweiz», hält Roland Stampfli fest. Der 66-Jährige ist Gemeindepräsident von Balsthal. Dort sind 18 Prozent aller Einwohner pensioniert. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 16 Prozent.

Warum der Dorfladen wichtig ist

Und noch etwas beschäftigt Stampfli: Viele Junge verlassen das Dorf, beispielsweise für die Ausbildung - und kehren nicht wieder zurück. Eine Folge davon: Alt und Jung entfernen sich. Für Josephina Vogelsang gibt es dafür aber noch andere Gründe: Die Dorfläden fehlen. Sie seien ein Ort, wo man sich trifft. Ein wichtiger Ort, der mittlerweile in vielen Gemeinden im Thal fehlt.

Alte und Junge Hand halten Stift.

Bildlegende: Alt und Jung zusammenbringen: Das ist Ziel von Generationen-Projekten. Keystone/Symbolbild

Konkrete Projekte oder Erfolge kann «Wir sind eins» noch nicht vorweisen. Vogelsang ist seit April an der Arbeit und will erst wissen, wo der Schuh drückt. Sie ist aber überzeugt: Die Gespräche werden etwas bringen, «und dann stösst ein Stein den nächsten an».

Und was, wenn nicht? Das Projekt ist auf fünf Jahre befristet und kostet die Gemeinden, den Kanton und den Bund im Jahr 100'000 Franken. Was, wenn das nichts bringt? Dann habe man es wenigstens versucht und damit sicher mehr getan, als wenn man gar nichts unternommen hätte, sagt der Geschäftsführer des Vereins Region Thal, Bernhard Studer.

Generationen-Projekte liegen im Trend

Das Thema Generationen und Generationen-Projekte beschäftigt derweil nicht nur die Region Thal. «Diese Thematik ist immer präsenter in den Medien und in der Bevölkerung», bestätigt Roland Guntner von der Fachstelle Altersfragen in der Region Baden.

Hintergrund seien die laufenden Diskussionen rund um die künftige Gestaltung der Sozialversicherungen und deren Finanzierung. In der Folgen tauchen laut Guntner zahlreiche Fragen rund um das Zusammenleben der Generation auf. «Wir haben gemerkt, dass nicht die gesamte Bevölkerung Beziehungen über die Generationen-Grenze hinweg hat.»

Um Jung und Alt zusammenzubringen, Vorurteile abzubauen, und das gegenseitige Verständnis zu fördern, seien deshalb Generationen-Projekte von zentraler Bedeutung, so Guntner. «Es ist tatsächlich so, dass derzeit viele Generationen-Projekte aufgegleist werden.» Wichtig ist laut dem Experten, dass eine Win-Win-Situation entsteht, in der beide Seiten vom entsprechenden Projekt profitieren können.