Roy Oppenheim kritisiert Dorfmuseum Lengnau

Ungewöhnlich scharfe Töne in Lengnau. Der Publizist Roy Oppenheim wirft dem Dorfmuseum vor, die jüdische Vergangenheit unzureichend darzustellen.

Grabsteine unter Bäumen

Bildlegende: Jüdisches Kulturgut vernachlässigt: Roy Oppenheim kritisiert das Museum und die Gemeinde Lengnau (im Bild der Jüdisch... Keystone

In der März Ausgabe des «Surbtalers» wirft der jüdische Publizist Roy Oppenheim, selbst in Lengnau wohnhaft, dem Dorfmuseum Lengnau vor, die Dorfgeschichte unzureichend darzustellen: «Von einem Dorfmuseum erwartet man, dass es die dörfliche Geschichte dokumentiert und das wird hier nicht gemacht.» Ausser eines Grabsteins zeuge im Dorfmuseum nichts von der jüdischen Vergangenheit der Region.

Für das Dorfmuseum kommt der Vorwurf wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Deshalb will man offiziell noch nichts dazu sagen. Auf Anfrage will man aber klarstellen, dass das «Dorfmuseum» kein klassisches Dorfmuseum sei, sondern eine Kulturplattform. Der Name «Dorfmuseum» sei in diesem Fall irreführend.

«Chance wird nicht genutzt»

Oppenheim kritisiert nicht nur das Dorfmuseum, sondern auch das Gewerbe in Lengnau. «Obwohl jedes Jahr 10 000 Leute den Jüdischen Kulturweg Endingen-Lengau besuchen, sind die Restaurants und Beizen nicht bereit, jüdische Spezialitäten ins Sortiment aufzunehmen.» Genau nach diesen Spezialitäten würden die Besucher aber suchen, ist Oppenheim überzeugt. Mangels Angebot reisen die Touristen wieder ab und dem örtlichen Gewerbe entgehe so ein wirtschaftlicher Mehrwert.

Auch im offiziellen Museum des Aargaus, im «Museum Aargau», werden diese Touristen nicht fündig. Nirgends findet man Hinweise zur jüdischen Kultur und Tradition im Aargau.

Das habe aber nicht mit Verdrängung zu tun, erklärt Thomas Pauli, Direktor von Museum Aargau, sondern mit dem Konzept des Museums: «Wir sind kein enzyklopädisches Museum, wo man schön chronologisch die ganze Geschichte des Aargaus sieht. Wir haben mit den Schlössern unsere Schwerpunkte und machen die Geschichte dort erlebbar.»

Thomas Pauli vermutet, dass es im grossen Fundus seines Museums irgendwo Zeugnisse der jüdischen Geschichte im Aargau gibt. Sicher ist es aber nicht.

Endingen und Lengnau haben eine grosse jüdische Vergangenheit. Im 18. und 19. Jahrhundert waren Lengnau und Endingen die einzigen Orte in der Schweiz, wo sich Juden niederlassen durften.