Ruth Ramstein: «Ich fühle mich nicht mehr bedroht»

Inzwischen sind es 20 Jahre her, seit der Fall des Sexualstraftäters Köbi F. publik wurde. Der ehemalige Lehrer hatte mehrere Schülerinnen missbraucht. Ruth Ramstein kämpfte dafür, dass der Fall nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird. Dies hatte auch Folgen für sie.

Portrait

Bildlegende: Ruth Ramstein wohnt unterdessen nicht mehr in ihrem Dorf. Sie wohnt in der Lenzburger Altstadt. Mario Gutknecht/SRF

Ruth Ramstein und ihr Mann wohnen in einer schönen Dachwohnung in der Altstadt von Lenzburg. Die Räume sind lichtdurchflutet. Aus der Küche sieht man direkt an die Jurahügel. Doch nicht die schöne Aussicht beschäftigt an diesem Morgen Ruth Ramstein.

Es ist vielmehr der Besuch am heutigen Morgen. Bereits am Vortag des Interviews fragte sie sich, was der Reporter wohl fragen werde, gesteht Ruth Ramstein. Es sind Fragen zu ihrer Lebensgeschichte, und einem Fall, welcher schweizweit für Schlagzeilen sorgte.

Der Fall Köbi F. Der Fall eines Lehrers, welcher in Möriken während Jahren mehrere Schülerinnen sexuell missbrauchte. Ruth Ramstein sass dazumal in der Schulpflege des Dorfes, und kämpfte für die Missbrauchs-Opfer.

«  Ich war nicht willkommen. Ich eckte an. »

Ruth Ramstein

Dieses Engagement kam bei vielen im Dorf nicht gut. So wurde sie etwa Nestbeschmutzerin beschimpft. «Die gesamte Lehrerschaft beschloss, dass sie sämtliche Zusammenarbeit mit mir verweigert», sagt Ruth Ramstein im Gespräch mit Radio SRF. Die führte dann dazu, dass Ramstein aus der Schulpflege austreten musste. Sie wurde im Dorf isoliert.

Trotz des Widerstands wurde der Fall 1997 publik. Drei Opfer von Köbi F. traten vor die Medien und sprachen über den Missbrauch. Die Anfeindungen gegenüber Ruth Ramstein nahmen trotzdem nicht ab.

«Ich bin nicht gemobbt worden. Aber ich war nicht willkommen». Dies bewog Ramstein letztlich auch dazu aus Möriken-Wildegg wegzuziehen.

Wieder gleich handeln

«Ich habe mich bedroht gefühlt. Ich ging auch nicht mehr ins Dorf einkaufen», erzählt Ruth Ramstein. Es sei keine körperliche Bedrohung gewesen, sondern eine Emotionale. Mit dem Wegzug nach Lenzburg sei sie in eine völlig andere Welt gekommen.

Trotz der massiven Einschnitte würde Ruth Rammstein wieder gleich handeln. «Wenn es einem unwohl ist, kann man gar nicht anders als reagieren». Sie bereut ihren Entscheid von damals also nicht, sagt die 65-Jährige im Interview.

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Die Übergriffe des Köbi F.

15 min, vom 3.12.1997