SAS-Geschäftsführer: «Meine Stärken sind nicht die Finanzen»

Ist er Schuld am Untergang der SAS-Group? Die Solothurner Sicherheitsfirma ging 2007 in Konkurs. Der damalige Geschäftsführer muss sich seit Montag vor dem Amtsgericht in Solothurn verantworten. Die Vorwürfe: Misswirtschaft, betrügerischer Konkurs, ungetreue Geschäftsbesorgung.

Funkgerät am Hosenbund eines blau uniformierten Mannes

Bildlegende: Der Ex-Geschäftsführer der Sicherheitsfirma SAS Group war offenbar lieber an der Front als im Büro. Keystone

Die Sicherheitsfirma SAS Group ist in der Region Solothurn ein Begriff. Im Auftrag von Gemeinden führten SAS-Mitarbeiter nächtliche Patrouillen durch, für den Kanton regelten sie bei Baustellen den Verkehr, an grossen Anlässen sorgten sie für Ordnung.

Ein Begriff ist den Solothurnern aber auch der damalige Geschäftsführer. Seit Montag muss er sich wegen des Konkurses der SAS Group im Jahre 2007 vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern verantworten.

Kein unbeschriebenes Blatt

Brisant: Bereits früher hatte der Unternehmer mit mehreren Firmenkonkursen in der Region Solothurn für Wirbel gesorgt. Schon die Vorgängerfirma der SAS Group - ein Firmenkonstrukt aus mehreren Unternehmen - musste ihre Bilanz deponieren. Das war 2004. Die rund 100 Mitarbeiter waren damals von der neu gegründeten SAS Group übernommen worden.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat 26 Bundesordner mit Akten zum neusten Konkurs-Fall gefüllt. Sie wirft dem Mann mehrere Delikte vor. So soll er unter anderem die Verwaltungsräte der SAS Group getäuscht haben, was die Lage der Firma anging. Er soll dem Konkursamt Vermögen verheimlicht haben. Und er soll Firmen-Geld aufs Privat-Konto überwiesen haben.

«Ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen eingesetzt»

Dass er sich unrechtmässig bereichert habe, stellte der Angeklagte zum Prozessauftakt in Abrede. Das Geld auf seinem Privat-Konto stamme von einer reichen Amerikanerin, die ihn als Privatperson engagiert habe, nicht als SAS-Angestellter. Er habe viele Wochenenden für die Dame in Paris und Gstaad gearbeitet.

Auch den Vorwurf der Misswirtschaft versuchte er zu entkräften. Er habe sich wenig um Administratives gekümmert, sagte der ehemalige Geschäftsführer vor Gericht aus. Für die Büro-Arbeit seien andere verantwortlich gewesen. «Meine Stärken liegen nicht in den Finanzen», meinte er entschuldigend.

Lieber draussen als im Büro

Tatsächlich machte der Angeklagte auf Prozessbeobachter den Eindruck, als ob er lieber im Ausland Personen überwachte, denn in Solothurn am Schreibtisch Rechnungen kontrollierte. Der kräftig gebaute Mann fühlte sich an der Front offenbar wohler als im Büro.

Der Prozess vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern dauert voraussichtlich bis Mittwoch. Mehrere Zeugen werden vor Gericht aussagen. Das Urteil wird am Freitag erwartet.