Solothurn-Bern: Die RBS-Paradestrecke feiert 100 Jahre

Nach einigen Geburtswehen konnte am 9. April 1916 die Bahnstrecke Solothurn-Bern eingeweiht werden. Die Bahn hiess damals noch ESB, Elektrische Solothurn-Bern-Bahn. Und in Zollikofen mussten die Passagiere umsteigen. Erst später kam die direkte Verbindung von Solothurn auf den Berner Bahnhofplatz.

Der Eröffnungszug war reich geschmückt an diesem 9. April 1916. Die festliche Stimmung täuschte über die erbitterten Kämpfe hinweg, die in den Jahren zuvor um die Bahnstrecke Solothurn-Bern geführt worden waren.

Die Kantone Bern und Solothurn hatten sich nämlich lange gestritten, ob eine Normal- oder Schmalspurbahn zu bauen sei und wo die Strecke durchführen soll. RBS-Betriebshistoriker Jürg Aeschlimann spricht von Grabenkämpfen: «Die beiden haben wirklich gegeneinander gearbeitet und gar nicht etwa miteinander».

Das Machtwort des Bundesrats

Solothurn wollte eine Normalspurbahn neben den Dörfern hindurch nach Schönbühl, wo die Solothurner auf die SBB hätten umsteigen können. Bern unterstützte das Projekt einer Schmalspurbahn von Utzenstorf nach Schönbühl.

Schliesslich musste der Bundesrat einschreiten und 1911 ein Machtwort sprechen. Der Kompromiss: Keines der von Solothurn und Bern favorisierten Projekte wird gebaut, sondern eine Schmalspurbahn von Solothurn nach Zollikofen. Dort bestand Anschluss an die Bern-Zollikofen-Bahn.

Das Durcheinander auf dem Bahnhofplatz

Nach dem Ausbau der Strecke Zollikofen-Bern konnte die Elektrische Solothurn-Bern-Bahn ab 1924 dann direkt nach Bern fahren. Dort hielten die Zügli aus Solothurn mitten auf dem Bahnhofplatz, vor der Heiliggeistkirche.

Drei Gleise standen auf dem Bahnhofplatz zur Verfügung, weiss Betriebshistoriker Jürg Aeschlimann: Eines für die Vorortszüge nach Zollikofen, eines für die Überlandzüge nach Solothurn, und eines zum Rangieren. Damit die Züge wenden konnten, musste jeweils die Lokomotive umgehängt werden. Auf dem belebten Bahnhofplatz führte das regelmässig zu einem Chaos.

RBS als Pionier

«Selbst den Bernern wurde das zuviel», weiss die Schweizer Filmwochenschau 1965 zu berichten. Damals konnte der heutige RBS den ersten unterirdischen Bahnhof der Schweiz in Betrieb nehmen – das Choas auf dem Bahnhofplatz fand ein Ende.

Nicht nur mit dem unterirdischen Bahnhof gehörte der RBS zu den Bahn-Pionieren in der Schweiz. Die Bahn mit den drittmeisten Passagieren der Schweiz (nach SBB und BLS) führte auch als erste Niederflur-Züge und den Taktfahrplan ein. Zudem wurde die Strecke Solothurn-Bern Schritt für Schritt ausgebaut. Heute dauert die schnellste Verbindung 37 Minuten. 1916 brauchte man für diese Strecke, mit Umsteigen in Zollikofen, noch 67 Minuten.

Das Jubiläums-Fest

Den runden Geburtstag der Strecke Solothurn-Bern feiert der RBS mit Anlässen am 27. August in Bern, Jegenstorf und Solothurn und mit der Jubiläumswebseite www.hundertjahre.ch.

Der RBS heute

Der RBS heute

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn betreibt mit 415 Mitarbeitern 4 Bahn- und 22 Buslinien. Mit knapp 20 Mio. Bahn-Passagieren jährlich gehört der RBS zu den am meisten frequentierten Privatbahnen der Schweiz. Auf der Paradestrecke Solothurn-Bern sind es jährlich knapp 9 Mio. Passagiere. Hier gibt es seit 2013 zu Stosszeiten den 15-Minuten-Takt.