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Stellenabbau bei GE Aargauer Arbeitschef: «Viele werden eine neue Stelle finden»

1400 Stellen will der amerikanische Konzern General Electric im Aargau streichen – in Baden, Birr und Oberentfelden. Beim zuständigen Amt befürchtet man keine allzu starken Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Legende: Video Stellenabbau als Chance für den Arbeitsmarkt abspielen. Laufzeit 3:17 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 08.12.2017.

Es ist nicht das erste Mal, dass GE Stellen abbaut. Insgesamt wird das Unternehmen bis in einigen Jahren wohl rund 2500 Stellen gestrichen haben. Das sei nicht nichts, sagt Thomas Buchmann vom Aargauer Amt für Wirtschaft und Arbeit. Aber er relativiert auch.

SRF: Nach dem letzten Stellenabbau bei GE sind die Arbeitslosenzahlen im Aargau nicht schlagartig angestiegen. Warum hat man das kaum gemerkt?

Thomas Buchmann: Es verging relativ viel Zeit zwischen der Ankündigung und den ersten Entlassungen. Viele Leute haben schon vorher gekündigt. Einige Hundert haben dann intern bei GE eine andere Stelle gefunden, etwa gleich viele konnten extern vermittelt werden. Dies führte dazu, dass sich sehr wenige Personen beim RAV melden mussten.

Jetzt sind es 1400 Stellen, die über eine gewisse Zeit abgebaut werden sollen. Aufgrund ihrer Erfahrungen: Welche Auswirkungen erwarten Sie für den Arbeitsmarkt?

Ich denke, bei GE intern ist das Potenzial nicht mehr gleich gross, um Stellen zu besetzen. Hier dürfte es eine Verschlechterung geben. Jedoch ist der Arbeitsmarkt insgesamt besser. Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie erlebt einen Aufschwung. Diese Branche dürfte eher mehr Stellen ausschreiben.

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Legende: Optimistisch: Thomas Buchmann, Leiter Aargauer Amt für Wirtschaft und Arbeit SRF / Maurice Velati

Unter dem Strich ist die Ausgangslage etwa gleich gut wie vor zwei Jahren. Auch positiv: Im Gegensatz zu anderen Entlassungen hat GE sehr gut ausgebildete Personen. Und Fachkräftemangel ist in der Schweiz ein grosses Thema. Von daher kann man davon ausgehen, dass viele dieser Leute eine neue Stelle finden.

Sie glauben also, dass die 1400 Betroffenen bei GE eine Stelle finden. Vielleicht auch, weil nicht alle auf einen Schlag entlassen werden?

Ich sage nicht, dass es spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigeht. Das wäre nicht richtig. Aber es ist trotzdem so: Wir haben jedes Jahr 24'000 Anmeldungen bei den RAVs im Kanton Aargau. Wenn hier noch hundert dazu kommen, ändert die Ausgangslage nicht gross.

GE ist eine grosse Firma. Sie hat einen guten Sozialplan. Die Firma betreut die Personen auch, die ihre Stelle verlieren. Welche Aufgabe hat das Aargauer Amt für Wirtschaft und Arbeit im Ganzen?

Neben den RAVs haben wir auch das sogenannte mobile RAV. Das sind einige Personen, die auf Massenentlassungen spezialisiert sind. Diese gehen bei einer Massenentlassung vor Ort und beraten die Unternehmen und entlassenen Personen. Im Fall der GE haben wir die Firma vor allem beraten. Wir bilden auch das Kader aus, damit die Entlassungen möglichst fair sind. Dies ist der Ansatz bei der Firma GE, die einen sehr guten Sozialplan hat.

Sie versuchen einfach das Ereignis zu managen. Einen Einfluss auf die Entscheidungen der GE haben sie ja nicht. Sie können zum Beispiel nicht sagen, dass die Firma nur halb so viele Personen entlassen soll.

Das ist generell wahrscheinlich richtig. Wir haben in solch einem Fall immer Kontakt zum Arbeitgeber und den Arbeitnehmerorganisationen. So versuchen wir Einfluss auf die Entscheide zu nehmen. Ich muss aber auch klar sagen, bei einem internationalen Konzern wie GE ist dies schwieriger. Die Entscheide werden in den USA gefällt.

Unsere Aufgabe ist es vielmehr, gemeinsam mit der Standortförderung für attraktive Rahmenbedingungen zu sorgen. Damit sollen die Firmen in Bereichen tätig sein, die eine Zukunft haben. Hier haben wir schon Einfluss.

Es gibt Leute die sagen, der Industriekanton Aargau ist am Ende.

So düster würde ich es nicht sagen. Aber man kann im konkreten Fall schon sagen, mit 2500 Stellen weniger ist es nicht mehr das Gleiche wie zuvor. Bei den Maschinen im Energiebereich haben wir etwas verloren. Das ist so. Und dieser Bereich wird auch nicht mehr zurückkommen. Es liegt daran, dass man auf diesem Markt kein Geld mehr verdienen kann. Die Kunst von uns ist es nun gemeinsam mit GE dafür zu sorgen, dass man in neue Technologiefelder investiert und Leute eingestellt werden. Das gelang ab und zu in der Vergangenheit und daran arbeiten wir.

Das Gespräch führte Maurice Velati.

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