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Suche nach Tiefenlager Atom-Abfall statt Hightech-Industrie in Villigen?

  • Kein Endlager für radioaktive Abfälle im Aargau: Das ist die grundsätzliche Meinung der Aargauer Regierung.
  • Kritisch äussert sich die Regierung auch zu einer möglichen «Verladestation» für die Atom-Abfälle in Villigen.
  • Offenbar rechnet die Kantonsregierung aber durchaus damit, dass das Endlager in den Aargau kommen könnte: In diesem Fall müsse das «Wasserschloss» geschützt werden, fordert sie.
Visualisierung Verladestation Endlager
Legende: So soll der «Eingang zum Endlager» dereinst aussehen. Gemäss Bundesrat könnte diese Anlage in Villigen gebaut werden. zvg/Nagra/maars Zürich

Die Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle dauert noch mindestens 10 Jahre. Bekannt ist aber inzwischen, dass noch drei Standorte «im Rennen» sind. Einer davon ist «Jura-Nordost» - die Region Bözberg im Kanton Aargau.

So läuft die Standortsuche

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Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) mit Sitz in Wettingen sucht seit Jahren einen geeigneten Platz für ein geologisches Tiefenlager.

2015 überraschte die Nagra mit dem Vorschlag, dass nur noch die Region Bözberg (Jura-Nordost) und Zürich Nordost weiter geprüft werden sollen. Inzwischen hat der Bundesrat entschieden, dass auch Nördlich-Lägern im Rennen bleibt.

Der Prozess der Standortsuche wird «Sachplan geologische Tiefenlager» genannt. Inzwischen ist die 2. Etappe abgeschlossen, die Kantone können zu den Entscheiden nach dieser 2. Etappe Stellung nehmen.

In der 3. Etappe werden die drei Regionen weiter untersucht, auch Einzelheiten zu den geplanten Oberflächenanlagen. Am Schluss entscheidet der Bundesrat über einen Standort, wahrscheinlich im Jahr 2029. Es folgt der Entscheid im Bundesparlament und allenfalls eine Volksabstimmung.

Baubeginn für ein Tiefenlager ist also in frühestens 13 bis 15 Jahren.

Zu diesen Plänen hat die Aargauer Regierung nun ausführlich Stellung bezogen. Sie bekräftigt in einer Mitteilung vom Donnerstag ihre Haltung, die sie bereits vor zwei Jahren kommuniziert hatte: «Nein, aber...».

«Nein, aber» zum Tiefenlager

Der Regierungsrat «will grundsätzlich kein geologisches Tiefenlager» im Aargau, heisst es wörtlich. «Er ist aber gewillt, im Standortauswahlverfahren konstruktiv mitzuarbeiten.»

Das heisst übersetzt: Wenn die Genossenschaft zur Entsorgung radioaktiver Abfälle (Nagra) beweisen kann, dass die Region Bözberg der sicherste Standort ist, dann wird sich die Aargauer Regierung nicht grundsätzlich zur Wehr setzen.

Nur der sicherste Standort darf obsiegen.
Autor: Stephan AttigerRegierungsrat Kanton Aargau

«Die Sicherheit ist das einzige Kriterium, das bei der Standortwahl beigezogen werden darf. Politische oder gesellschaftliche Argumente dürfen keine Rolle spielen», führt der zuständige Baudirektor Stephan Attiger gegenüber SRF aus.

Wegweister mit Atomzeichen
Legende: Wegweiser zu einem (möglichen) Atommüll-Tiefenlager am Bözberg. Keystone (Bildmontage)

«Nein, aber» zum Standort Villigen

Kritik übt die Regierung aber auch an Details des geplanten Endlagers. Der «Eingang» zum Tiefenlager - eine grosse Anlage zur Vorbereitung der Abfälle für die Einlagerung - soll gemäss Plänen des Bundes in Villigen zu stehen kommen, in der Nähe des Paul Scherrer Instituts.

Dort möchte die Aargauer Kantonsregierung gemäss Richtplan eigentlich Forschungs- und Hightech-Institutionen ansiedeln. Da habe man «grundsätzlichen Klärungsbedarf», hält die Aargauer Kantonsregierung fest. Was allerdings ebenfalls nicht nach einem kategorischen «Nein» klingt.

«Entscheidend ist, ob man einen Teil der Anlage vielleicht in den Berg bauen kann», sagt Stephan Attiger. Aktuell sei noch unklar, wie genau die Anlage aussehen würde, wie gross sie sei und wo sie genau stehen würde. «Diese Abklärungen müssen nun gemacht werden und uns entsprechend dokumentiert werden», so seine Forderung.

Kartenausschnitt mit eingezeichnetem Standort für Oberflächenanlage
Legende: Der Standort an der Aare ist nicht nur in der Nähe des PSI, sondern auch in der Nähe von bedeutenden Schutzgebieten. zvg/Bundesamt für Energie

Schliesslich legt die Regierung auch noch Wert darauf, dass das «Wasserschloss» Aargau keinen Schaden nimmt durch ein mögliches Tiefenlager. Die Region habe bedeutende Grundwasser-Vorkommen und die Thermalquellen seien auch «von grossem kulturellem und gesellschaftlichem Wert».

Es muss klipp und klar dargelegt werden, dass Grund- und Thermalwasser nicht beeinträchtigt wird.
Autor: Stephan AttigerVorsteher Departement Bau und Umwelt Aargau

Deshalb dürften Grund- und Thermalwasservorkommen durch den Bau und Betrieb eines Atom-Endlagers «auf keinen Fall beeinflusst» werden. Deshalb wehre sich die Regierung auch nicht gegen die Probebohrungen der Nagra. «Man weiss nicht so viel über den Untergrund. Deshalb müssen diese Untersuchungen gemacht werden».

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Röthlisberger (S.Roethlisberger)
    Der Abfall muss irgendwo hin. Das hätte man sich früher überlegen sollen. Und die Aargauer Regierung hat offensichtlich ja kein Problem damit, dass die AKW da sind. Heimlifeiss...
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  • Kommentar von Ivan Suter (Beren)
    Ich verstehe nicht wie manche Leute noch immer von sauberer Kernenergie reden und davon überzeugt sind. Uns Menschen wird es schon gar nicht mehr geben und das Zeug wird immer noch vor sich her strahlen...
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  • Kommentar von Volker Goebel (Volker Goebel)
    80-110 Meter Tonstein sind kein einschlusswirksamer Gebirgsbereich MfG - Ing. Goebel - Endlager-Fachplaner - DBHD und ART-TEL haben 1.600 Meter Schichtmächtigkeit - nur 80-110 Meter erfüllt nicht einmal die Mindestkriterien der Schweiz und auch nicht die von Deutschland.
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