Medizinaltechnik Ypsomed trennt sich von Insulet – laut Ypsomed eine Befreiung

Der Burgdorfer Konzern mit Werk in Solothurn muss sich neu ausrichten. Ein Drittel des Umsatzes ist weg.

Firmenlogo von Ypsomed

Bildlegende: Der Hauptsitz von Ypsomed in Burgdorf. Das Unternehmen machte 2016 einen Umsatz von 390 Millionen Franken. Keystone

Die Aktien von Ypsomed sind massiv eingebrochen. Das Medizinaltechnikunternehmen löst eine Liefervereinbarung für die Insulinpumpe Omnipod mit der amerikanischen Insulet auf. Folge ist eine Umsatzeinbusse um fast einen Drittel.

Bis um 09.45 Uhr fielen die Ypsomed-Aktien um 27 Prozent auf 139,20 Franken zurück und büssen damit über einen Viertel an Wert ein. Der Gesamtmarkt (SPI) stand derweil 0,09 Prozent tiefer.Ypsomed und das US-Unternehmen Insulet konnten sich nicht auf eine Verlängerung des Distributionsvertrags der Insulinpumpe Omnipod einigen. Die Preisforderungen seitens Insulet hätten eine wirtschaftliche Weiterführung des Geschäfts verunmöglicht, teilte Ypsomed mit.

Für das Burgdorfer Unternehmen ist das ein herber Rückschlag. Ausgehend vom letztjährigen Abschluss verliert das Geschäftssegment Diabetes Care 120 Millionen Franken an Umsatz und 24 Millionen Franken an Betriebsgewinn ab dem Geschäftsjahr 2018/19. Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe 2016 rund 390 Millionen Franken Umsatz und 55 Millionen Franken Betriebsgewinn.

Firmenchef relativert

Das Management von Ypsomed hat am Freitagnachmittag versucht, die Wogen zu glätten. Der Markt hatte stark negativ auf die Nachricht vom Morgen reagiert, dass sich die Medtechfirma von Insulet als Lieferant trennen wird.

Unternehmenschef Simon Michel sprach an einer Telefonkonferenz vor Analysten und Medien von einem Befreiungsschlag. Die Entscheidung sei eine «gute Nachricht», betonte er. Daher sei das Management überrascht über die negativen Kommentare und Reaktionen an der Börse. Der Aktienkurs von Ypsomed brach am Freitag um mehr als ein Viertel ein.

Das US-Unternehmen verstehe den europäischen Markt nicht, so Michel weiter. Die Preisfordeurungen seien «naiv» gewesen. Am Donnerstag sei daher das letzte Angebot von Insulet für eine Verlängerung abgelehnt worden. Der Distributionsvertrag endet per 30. Juni 2018.

Ypsomed sieht sich für das laufende Jahr indes auf Kurs und die Prognose gilt unverändert. Für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende März) rechnet Ypsomed mit einer Umsatzsteigerung von rund 15 Prozent und auf Stufe EBIT mit einem «gleichen oder leicht höheren» Ergebnis.

Eigene Pumpe in der Pipeline

Die Burgdorfer sehen sich für die Zukunft gut aufgestellt und wollen mittelfristig ihre eigene schlauchlose Insulinpumpe mylife Ypsopod einführen, wie es heisst. Man wolle weiterhin verschiedene Segmente im Insulinpumpenmarkt ansprechen und mit einer zeitlichen Übergangsphase den Wegfall des Omnipod-Geschäfts überkompensieren, heisst es.

Für den Aufbau der europäischen Vertriebsstrukturen für Omnipod erhält Ypsomed den Angaben zufolge nach aktueller Einschätzung gegen 50 Millionen Dollar als Kompensation von Insulet.Ypsomed ist seit 2010 exklusiver Distributor für die Insulinpumpe Omnipod ausserhalb der USA. Nach dem 30. Juni 2018 wird Insulet das Omnipod-Geschäft weltweit übernehmen. Wie der Übergabeprozess abläuft, werde aktuell zwischen beiden Parteien ausgearbeitet.