Zofingen: Politisches Erdbeben in der Thut-Stadt

Bereits im ersten Wahlgang sind die Würfel in Zofingen gefallen: Der Stadtrat ist komplett neu gewählt. Herbert Scholl (FDP) verpasst den erneuten Einzug in die Stadtregierung deutlich.

Damit konnte kaum gerechnet werden: Die Stadt Zofingen hat bereits nach dem ersten Wahlgang wieder eine komplette Stadtregierung. Alle sieben Sitze sind besetzt. Die GLP zieht neu in die Regierung ein, die SVP bleibt aussen vor.

Portrait von Herbert Scholl bei einem Fernsehinterview.

Bildlegende: Chancenlos: Die Zofinger wollten Stadtrat Herbert Scholl nicht mehr zurück. Keystone

Das beste Resultat machten dabei die bisherigen Hans-Martin Plüss (SP, 2045 Stimmen) und der amtierende Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger (parteilos, 1947 Stimmen).

Neu den Sprung in die Stadtregierung geschafft haben der grünliberale Dominik Gresch (1873 Stimmen), der FDP-Kandidat Andreas Rüegger Waldvogel (1812 Stimmen) sowie Rahela Syed (SP, 1747 Stimmen). Die beiden bisherigen Stadträte Christiane Guyer (Grüne, 1827 Stimmen) und Käthi Hagmann-Schibler (CVP/dynamische Mitte, 1778 Stimmen) wurden bestätigt.

Keine Chance für Herbert Scholl und SVP

Chancenlos blieb die Kandidatur von FDP-Mann Herbert H. Scholl. Der Grossrat und ehemalige FDP-Kantonalpräsident landete mit 1319 Stimmen auf dem letzten Platz. Scholl war erst vor vier Jahren aus der Zofinger Stadtregierung zurück getreten, er hatte damals die Konsequenzen gezogen aus dem Skandal rund um einen kriminellen Polizeichef.

Für den FDP-Parteispräsidenten André Kirchhofer ist das schlechte Abschneiden von Herbert Scholl ein Rätsel: «Bei den letzten Grossratswahlen machte er ein Glanzresultat. Ich weiss nicht, was da passiert ist.» Er habe grossen Respekt vor Herbert Scholl, dass er sich unter den gegebenen Umständen noch einmal als Stadtrat beworben habe, betonte Kirchhofer im Gespräch mit der Sendung «Regionaljournal Aargau Solothurn» von Radio SRF am Sonntagmittag.

Linksrutsch in der Thut-Stadt?

Ebenfalls chancenlos blieben die Kandidaturen der SVP. Die beiden Kandidaten Stefan Giezendanner (1518 Stimmen) und Barbara Willisegger-Bürgi (1346 Stimmen) verpassten den Einzug in die Stadtregierung deutlich. Damit verliert die SVP ihren einzigen Sitz in der Zofinger Stadtregierung an die Grünliberalen.

Die Zofinger Stadtregierung dürfte trotzdem bürgerlich bleiben, so die Prognose von FDP-Präsident Kirchhofer: «Ich habe den grünliberalen Kandidaten eher als liberalen, denn als grünen Politiker kennen gelernt.» Unabhängig von Parteien sei es wichtig, dass sich die Stadtregierung künftig wieder vermehrt als Team für das Wohl der Stadt einsetze statt als Einzelkämpfer, fordert Kirchhofer.